Details

Autor Ahrbeck, Bernd
Herausgeber Hamilton, Anne (Hg.)
Verlag zu Klampen Verlag
Auflage/ Erscheinungsjahr 25.03.2024
Format 18.5 × 11.5 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Hardcover
Seiten/ Spieldauer 152 Seiten
Gewicht 200
Reihe Essayreihe
ISBN 9783987370151

Zu diesem Band der Reihe

Die kulturellen und gesellschaftlichen Konflikte in den westlichen Demokratien verschärfen sich zusehends. Befeuert wird diese Entwicklung dadurch, dass im Namen einer höheren Moral zentrale Errungenschaften der Aufklärung in Frage gestellt werden. Das persönliche Erleben gerät zum entscheidenden Orientierungspunkt. Gesammelte Wissensbestände und historisch gewachsene Erkenntnisse hingegen gelten als Relikte einer unaufgeklärten und schuldbeladenen Gesellschaft. - Wer hätte noch vor einigen Jahren vorhergesehen, dass nur noch identitätspolitisch ausgewiesene Personengruppen zu bestimmten Themen Stellung beziehen dürften; dass die Wissenschaftsfreiheit in Frage gestellt, die Bereitschaft zum Widerspruch in besorgniserregendem Ausmaß sinken würde?

Nicht die Verbesserung des Bestehenden, sondern eine radikale Umorientierung wird seitens »woker« Vordenker angestrebt. Biologische und lebensweltliche Tatsachen gelten als bloße Zuschreibung, unbeschränkte Selbstbestimmung wird zum Gebot der Stunde. Auf welcher Grundlage sich der Mensch, der sich aller natürlichen Beschränkungen enthoben glaubt und aller Konventionen und Traditionen entledigt hat, selbst und beständig neu erschaffen soll, bleibt allerdings im Dunkeln.

Bernd Ahrbeck weist auf die Gefahren für eine Gesellschaft hin, die ahistorisch und in faschistoid-bevormundender Weise und Selbsrherrlichkeit den nüchternen Verstand, die intellektuelle Arbeit in den gefühligen Bauchraum verschiebt, statt mögliche Konflikte nüchtern zu benennen und um Lösungen intellektuell zu ringen. ausgehen.

Inhalt

  • Einleitung
  • Erlösungsphantasien
  • Binarität
  • Offenbarungsverbot
  • Leihmutterschaft
  • Wissenschaftsfreiheit
  • Cui bono?
  • Literatur
  • Impressum

Aus dem Vorwort

Die kulturellen und gesellschaftlichen Konflikte in den westlichen Demokratien verschärfen sich zusehends. Im Namen einer höheren Moral werden zentrale Errungenschaften der Aufklärung in Frage gestellt, ausgelöst von einzelnen Identitätsgruppen, unterstützt und umgesetzt von einem politischen und medialen Meinungsstrom, der sich als »woke«, links, grün, klima- und gendersensibel versteht. Wer sich nicht in dieses Schema pressen lässt, wird schnell zum Feind erklärt, gecancelt, als rechts, rassistisch oder reaktionär abgeschrieben.

Das Erleben wird zum entscheidenden Orientierungspunkt. Allerdings nur, solange es ausgewählte marginalisierte Gruppen betrifft, und um so mehr, je stärker sie sich auf einen Opferstatus berufen. Vernunft, gesammelte Wissensbestände und historisch gewachsene Erkenntnisse sollen hinter der persönlichen Betroffenheit zurücktreten. Sie gelten, wenn es zu Interessenkonflikten kommt, als Ausdruck einer unaufgeklärten und schuldbeladenen Gesellschaft, die von bürgerlichen Männern und Frauen repräsentiert wird. Oder intellektuell nicht weniger schlicht: vom alten, weißen, europäischen Mann. Entscheidend wird dann, wer etwas vertritt, und nicht mehr, ob das Ausgesprochene zutreffend und wahr ist.

Wer hätte es vor einigen Jahren für möglich gehalten, dass ernsthaft gefordert wird, nur noch identitätspolitisch ausgewiesene Personengruppen dürften sich zu bestimmten Themen äußern. Wer hätte sich vorstellen können, dass weiße Musiker wegen kultureller Aneignung verurteilt werden, nur weil Blues-, Soul- oder Reggaetitel zu ihrem Repertoire gehören. Oder dass Bücher, Theaterstücke und Filme nicht mehr geduldet werden, weil sie aus einer Zeit stammen, die andere Wert- und Moralvorstellungen hatte. Auch die Möglichkeit, die Schönheitskönigin eines Landes könne eine Transsexuelle sein, wäre noch vor kurzem als reichlich lebensfern erschienen. Wer hätte ahnen können, dass die Wissenschaftsfreiheit dermaßen ausgehöhlt wird, wie es zur Zeit geschieht, mit der Begründung, unerwünschten Kräften müsse Einhalt geboten werden. Die Bereitschaft zum Widerspruch sinkt, vor allem in Erziehungs- und Bildungsinstitutionen, in den Medien, im Kulturbetrieb und in der evangelischen Kirche, den Hauptträgern »woker« Weltanschauungen. Die öffentlich geäußerte Weltsicht wird immer homogener.

Dahinter steht die Vorstellung, unsere Gesellschaft müsse sich grundlegend wandeln, gerechter werden, toleranter, offener, vielfältiger. Nicht durch eine Verbesserung des Bestehenden, unter Anerkennung des Erreichten, sondern durch eine radikale Umorientierung, die auf einer neuen moralischen Ordnung beruht. Davon zeugen die heftigen Vorwürfe, die erhoben werden: gegen das Patriarchat, die Heteronormativität, die toxische Männlichkeit, den alltäglichen Rassismus, den Kapitalismus und die westliche Lebensform. Erst wenn sie überwunden sind, das versprechen die »woken« Befreiungsvisionen, sei ein unbeschwertes Leben vorstellbar. Diese Erlösungsphantasien werden so kompromisslos in Anschlag gebracht, dass sie mitunter an die Frömmigkeitsbewegungen vergangener Jahrhunderte erinnern. Auf welcher Grundlage sich der Mensch, der sich aller Konventionen und Traditionen entledigt hat, selbst erschaffen soll, bleibt allerdings im Dunkeln. Häufig erscheint es so, als sollte ein vermeintlich idealer Urzustand wiederhergestellt werden. [...]"

Der Autor

Bernd Ahrbeck (* 28. August 1949 in Hamburg) ist ein deutscher Erziehungswissenschaftler, Psychologe und Psychoanalytiker.

Von 1969 bis 1974 studierte er Psychologie an der Universität Hamburg und von 1970 bis 1977 Erziehungswissenschaft in Hamburg. Nach der Promotion 1982 am Fachbereich Psychologie der Universität Hamburg und der Habilitation 1991 am Fachbereich Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg bildete er sich von 1986 bis 1993 zum Psychoanalytiker der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft (DPG) weiter. Er war darauf von 1994 bis 2016 Professor für Pädagogik bei Problemverhalten mit dem Arbeitsschwerpunkt Psychoanalytische Pädagogik am Institut für Rehabilitationswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit 2016 ist er Professor für Psychoanalytische Pädagogik an der International Psychoanalytic University Berlin.

Anders als die Verfechter einer radikalen Inklusion wie Hans Wocken oder Georg Feuser tritt Ahrbeck für eine inklusive Umsteuerung mit Augenmaß und ohne ideologische Überhöhungen ein. Das bedeutet, dass auch begrifflich an einer fachspezifischen Kategorisierung von „Behinderten“ festzuhalten ist und Förderschulen nicht völlig abzuschaffen sind. Dies gilt auch für den Förderschwerpunkt Emotionalsoziale Entwicklung (ESE). Dagegen profitieren Kinder mit dem Förderschwerpunkt Lernen besonders in der Grundschule von einer Teilnahme an einer gemeinsamen Beschulung. (Quelle: Wikipedia)

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