Details

Autor Julien, Philippe
Verlag Verlag Turia + Kant
Auflage/ Erscheinungsjahr 01.07.2020
Format 24 × 16 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Paperback
Seiten/ Spieldauer 298 Seiten
Gewicht 561
ISBN 9783851329544

Zu diesem Buch

Jacques Lacans gleichermaßen exakte und originelle Lektüre der Schriften Freuds bildet den Dreh- und Angelpunkt dieses nicht nur für Lacan-Adepten empfehlenswerten Buches, welches Zeug zu einem Standardwerk hat.

Philippe Julien beschreibt darin die gesamte Entwicklung von Lacans eigener Lehre um die zentralen Begriffe des Symbolischen, des Imaginären und des Realen. Sein Buch leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur Debatte um Lacans »Rückkehr zu Freud« und insbesondere zur Anerkenntnis der Dimension des Imaginären. Der klare Stil und der chronologische Aufbau entlang von Lacans Schriften, Seminaren und Artikeln verleihen diesem Text zudem den Charakter einer genauso ausführlichen wie kompakten Einführung in das Werk des französischen Psychoanalytikers.

Aus der Einleitung des Autors

"1980, ein Jahr vor seinem Tode, fasste der Psychoanalytiker Jacques Lacan eines Tages das Fazit seines Lehrunterrichts wie folgt zusammen: »Ich leide am Trauma eines Missverständnisses, aber da ich mich damit nicht zufriedengeben will, mühe ich mich unentwegt ab, es aufzulösen. Doch gleichzeitig nähre ich es immer weiter.« (10. Juni 1980) Während er also dieses Missverständnis weiter am Leben hielt, wurde er zum engagierten Kliniker der Psychose, selbst auf die Gefahr hin, glauben zu machen, ein Anfall von Wahn sei besser als eine armselige Neurose. Aus seiner Neu- und Wiederlektüre der Werke von Sigmund Freud wurde eine Dechiffrierung von Rätseln, selbst auf die Gefahr hin, glauben zu machen, all das stecke schon in Freud, würde man ihn nur genau genug lesen. Lacan wurde zum Magier des Worts und zum wahren Wissenschaftler des Geistes, selbst auf die Gefahr hin, glauben zu machen, die Analyse bestünde nur aus einer Reihe von gags. Er wurde ein strenger und genauer Forscher und unterwarf sich den wissenschaftlichen Zwängen, selbst auf die Gefahr hin, glauben zu machen, die Psychoanalyse müsse zu einer Wissenschaft werden oder sie hätte sonst keinen Bestand. Er wurde zu einem der Jugend zugeneigten Pädagogen, der die Zuletzt-Gekommenen stets dazu anhielt, sich deutlich bemerkbar zu machen, selbst auf die Gefahr hin, glauben zu machen, er stelle die Zuerst-Gekommenen dadurch in die letzte Reihe. Ein Missverständnis kritisieren heißt aber noch lange nicht, es aufzulösen. Am 19. April 1970 wollte er das Tüpfelchen aufs i machen und erklärte: »Ich möchte gerne deutlich herausstellen: der psychoanalytische Diskurs stellt den Psychoanalytiker auf die Position des Psychoanalysanten, sofern man die Psychoanalyse als einen Unterricht anbietet, d.h. man erzeugt damit trotz allem Anschein nach nichts, was beherrsch–bar, zu be−meistern (maîtr–isable) wäre, außer vielleicht auf der Ebene des Symptoms.« Doch es genügte keineswegs, dass er solches gesagt und dann auch tatsächlich so umgesetzt hat. Seine Zuhörer verstanden seine Worte auf andere Weise. Und genau das bezeichnete er dann als »Grund des Scheiterns«− seiner Lehre, aber vor allem auch der Schule, die er hatte aufbauen wollen. Ist das aber wirklich erstaunlich? (...)"

Der Autor

Philippe Julien (1926-2011) war Psychoanalytiker, Mitglied der École Freudienne de Paris und Autor zahlreicher Bücher, darunter Psychose, Perversion, Névrose (2000).

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