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Pazzini, Karl-Josef (Hg.)

RISS - Zeitschrift für Psychoanalyse Freud Lacan

Ausgabe 93 - ›Psychoanalyse des Islam?‹

Details

Verlag TEXTEM VERLAG
Auflage/ Erscheinungsjahr 01.2021
Format 21 × 14 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Paperback
Seiten/ Spieldauer 216 Seiten
Gewicht 180 g
Reihe RISS, Band 93
ISBN 9783864852039

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Zu dieser Ausgabe

Ausgangspunkt für die Entstehung dieses Hefts war ein Workshop mit dem Titel »Islam – Psychoanalyse – Fethi Benslama und andere Versuche« an der Psychoanalytischen Bibliothek Berlin im März 2019, bei dem einige der hier publizierten Texte in einer ersten Version vorgetragen wurden. Dem Workshop voraus ging die gemeinsame Lektüre von Benslamas Buch, das im Deutschen den Titel »Psychoanalyse des Islam« trägt. Der französische Originaltitel dagegen lautet »La psychanalyse à l’épreuve de l’Islam – Wie der Islam die Psychoanalyse auf die Probe stellt«, wobei der Autor nicht versäumt, darauf hinzuweisen, dass der umgekehrte Titel – »Wie die Psychoanalyse den Islam auf die Probe stellt« – ebenso zutreffend gewesen wäre. Wir nehmen diese gegenstrebige Fügung auf und formulieren als Frage: Psychoanalyse des Islam? Darin lässt sich das Anliegen hören, sich von psychoanalytischer Seite mit dem Islam zu befassen, wie auch (genitivus subjectivus) die Psychoanalyse durch ihn verändert zu sehen. Es lässt sich darin aber auch Erstaunen hören: Suggeriert die Formulierung nicht auf heikle Weise, dass es wünschenswert sei, »den Islam« auf die Couch zu legen? Für die analytische Praxis immerhin gilt, dass einem Psychoanalytiker oder einer Psychoanalytikerin immer Einzelne begegnen, die ja nicht als Muslime in die Psychoanalyse kommen, oder gar als Islamisten, ebenso wenig wie als Christen, als Linke oder als Bauarbeiter, sondern aus einer je konkreten Geschichte heraus. Sie kommen als von Geschichte(n) durchquerte Subjekte und können darin von einer religiösen Tradierung berührt oder geprägt sein – was im Übrigen nicht allein für Muslime gilt. Die analytische Theorie hingegen befasst sich durchaus nicht allein mit den Subjekten, sondern hat es von Anfang an sehr fruchtbar mit Fragen der Kultur und mit religiösen Tradierungen aufgenommen. Freud hat seine Schrift» Der Mann Moses und die monotheistische Religion« aber doch nicht »Psychoanalyse des Judentums« genannt, sondern statt der Psychoanalyse sein spezifisches Interesse an Moses in den Titel gehoben. Über die von ihm ersonnene »psychoanalytische Hochschule«, deren »Unterricht auch Fächer […] [wie] Kulturgeschichte, Mythologie, Religionspsychologie und Literaturwissenschaft« umfassen sollte, gibt es dann auch wieder einen Rückbezug zur Praxis, denn, wie Freud festhielt, »[o]hne eine gute Orientierung auf diesen Gebieten steht der Analytiker einem großen Teil seines Materials verständnislos gegenüber«.4 Immer wieder aufs Neue hat die psychoanalytische Arbeit so – in der Praxis wie in der Theorie – das Verhältnis zwischen Singulärem und Struktur oder einfach zwischen Subjekt und Kultur zu artikulieren.

Die Beiträge dieser Ausgabe

  • Editorial
  • Susanne Lüdemann: Der entwendete Ursprung und die Macht der Fiktion
  • Jonathan Schmidt-Dominé: »Un divan à Tunis«
  • Andrei Chitu: Skeptizismus und Monotheismus bei Ibn Taimiya und seine Resonanz
  • Elisabeth Weber: Wer die Nacht macht, macht den Tag: Fethi Benslamas Psychoanalyse einer neuen Grausamkeit
  • Sandrine Aumercier: Die islamistische Radikalisierungals Symptom: Französische Kontroversen
  • Karl-Josef Pazzini: Kopfschmerz
  • Thomas Scheffler: Psychoanalyse und Sozial -psychologie: Ansätze zur Verhaltensanalyse islamischgeprägter Gruppen
  • Marcus Coelen: »Islam« – in einem einzigen Zug
  • Sabine Kebir: Selbstbestimmung der Frau – ein Kampf in der islamischen Welt
  • Mai Wegener: Schleierhaft
  • Walter H. Lokau: Bilder aus der Bewegung der Hand

REZENSIONEN

  • Safouan, Moustafa; Melman, Charles et al.: La Célibataire N°8: La Psychanalyse et le mondearabe, Paris 2004 – wieder gelesen von Sandrine Aumercier
  • Psyche Bd. 61, Heft 11, 2007: Migration, Islam, Psychoanalyse–wiedergelesen von Jonas Diekhans
  • Parker, Ian; Siddiqui, Sabah (Ed.): Islamic Psychoanalysis and Psychoanalytic Islam. Culturaland Clinical Dialogues, London,New York 2019 – rezensiert von Peter Widmer
  • Hamad, Nazir; Melman,Charles: Psychologie de l’immigration, Paris 2019 – rezensiertvon Kianush Ruf
  • Žižek, Slavoj: Blasphemische Gedanken: Islam und Moderne,Berlin 2015 – rezensiert von Alex Janda
  • Maani, Sama: Warum wir Linke über den Islam nicht reden können, Klagenfurt 2019 –rezensiert von Sarah Rauchfuß
  • Laszig, Parfen; Gramatikov, Lily: Lust und Laster. Was uns Filme über das sexuelle Begehren sagen, Berlin, Heidelberg 2017 – rezensiert von Karl-Josef Pazzini
  • Tögel, Christfried (Hg.); Zerfaß, Urban (Mitarbeit): Sigmund-Freud-Gesamtausgaben 23 Bänden, Bd. 14 und Bd.15, Gießen 2020 – rezensiert von Karl-Josef Pazzini
  • Rath, Claus-Dieter: Sublimierung und Gewalt – Elemente einer Psychoanalyse der aktuellen Gesellschaft, Gießen 2019 – rezensiert von Annemarie Hamad
  • Aaron Lahl: Nachruf – Eine Erinnerung an Horst Kächele
  • Elisabeth Roudinesco: Nachruf auf Moustapha Safouan
  • Abstracts
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Zurückliegende, zum Teil rare Ausgaben des RISS, welche zuerst im Selbstverlag, dann bis einschließlich dem Band 80 bei Turia + Kant und für die Ausgaben 81 bis 87 beim Zürcher Verlag Vissivo erschienen sind, finden Sie in der Rubrik Fachzeitschriften auf SFB-Online.

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