Details

Autor Munsch, Matthias
Verlag LiteraturWissenschaft.de
Auflage/ Erscheinungsjahr 25.03.2004
Format 21 × 14.8 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Paperback
Seiten/ Spieldauer 351 Seiten
ISBN 9783936134070

Zu diesem Beitrag

Das Buch ist ein grundlegender Beitrag zur Geschichte der Psychoanalyserezeption in der englischen Literatur der Moderne. Wie die Bloomsbury Group in London mit Sigmund Freud und seinen Schriften umging und welchen Anteil sie durch Übersetzungen und andere Vermittlungsaktivitäten an der Verbreitung der Psychoanalyse und an ihrer Institutionalisierung in England hatte, wird auf der Basis zum Teil neuer Aktenfunde präziser als bisher rekonstruiert und an einem exemplarischen Themenkomplex detailliert aufgezeigt. Matthias Munsch zeigt, wie Virginia Woolf und vor allem Lytton Strachey, der Begründer der "New Biography", psychoanalytisches Wissen in ein neues Konzept biographischen Schreibens integrierten.

Inhalt

Vorwort

I. The Bloomsbury Group: Definition und Geschichte
1. Die Geschichte der Bloomsbury Group: Legende, Mythos, Wirklichkeit

  • Das Stadtviertel in London
  • Die Entstehung des Begriffs "Bloomsbury Group"
  • The Memoir Club
  • Die Ursprünge in Cambridge
  • Der familiäre Hintergrund
  • Der Neubeginn in Bloomsbury: Absage an Konventionen
  • Das Eis bricht: Die Bloomsbury Group entsteht
  • Freundschaft, Intuition und Individualität: Der Einfluss G.E. Moores
  • "Old Bloomsbury": Das Ende der ersten Phase
  • Variations on a Theme: Die Darstellung Leonard Woolfs
  • Zur Gruppenfrage: Zivilisierte Individuen in Freundschaft verbunden
  • Bloomsbury: Kern und erweiterter Kern
  • Liebes- und Beziehungskonstellationen

2. Die Stellung der Bloomsbury Group in der englischen Kulturlandschaft

  • "New Bloomsbury": Entwicklung, Bedeutung, Karriere
  • Bloomsbury in der Kritik: Stationen einer Hassliebe
  • Die Bedeutung Bloomsburys für die englische Kultur: Mikrokosmos des intellektuellen Lebens

II. Bloomsbury und Psychoanalyse
1. Der Stand der Forschung

  • Bloomsbury im Sog des Zeitgeistes des beginnenden 20. Jahrhunderts?
  • Ernest Jones' Einfluss auf die Forschung zur Geschichte der Psychoanalyse

2. Die Rezeption der Psychoanalyse innerhalb der Gruppe

  • Erste Berührungspunkte: The Society for Psychical Research
  • Die Psychoanalyse hält Einzug in den Diskurskanon von Bloomsbury
  • Von der Theorie zur Praxis: Ausbildung zu Psychoanalytikern
  • Von der Praxis zur Theorie: Austausch innerhalb der Gruppe über Ausbildung und Inhalt der Psychoanalyse

3. Praktische Förderung der Psychoanalyse durch Bloomsbury

  • Die Übersetzertätigkeit von James und Alix Strachey 
  • Die Hogarth Press
  • Die Verlagsarbeit der Woolfs
  • Die Verbindung zweier psychoanalytischer Metropolen: Berlin und London
  • Die Unterstützung der Kinder-Psychoanalytikerin
  • Melanie Klein durch die Stracheys
  • The Standard Edition: Freuds Lebenswerk in englischer Übersetzung
  • Die Reputation Bloomsburys nützt Freud 

III. Lytton Strachey und die Psychoanalyse
1. Der Stand der Forschung

  • Keine nennenswerte Prägung durch Sigmund Freud?
  • Michael Holroyds Biographie als Standardwerk der Strachey-Forschung
  • Der Einfluss James Stracheys auf die Forschung
  • Moderne Forschung: Verteidigung der vorgefertigten Meinung

2. Lytton Stracheys Kenntnis der Psychoanalyse

  • Freud in Werk und Bewusstsein Stracheys
  • Einsatz der Psychoanalyse für das biographische Werk
  • Freuds Auseinandersetzung mit Strachey
  • Freud und die Psychoanalyse: Permanente Präsenz im direkten Umfeld Stracheys
  • Die Verteidigung der originalen Kreativität

IV. Virginia Woolf und die Psychoanalyse
1. Der Stand der Forschung

  • Stand Virginia Woolf der Psychoanalyse wirklich feindlich gegenüber?
  • Woolfs Beziehung zur Psychoanalyse im Spiegel der Kritik: Verschiedene Ansätze

2. Virginia Woolfs Kenntnis der Psychoanalyse

  • Zur Aussagekraft der Tagebücher
  • Virginia Woolfs ambivalentes Verhältnis zur Psychoanalyse und dessen Motive
  • Die verkörperte Psychoanalyse in Gestalt der Psychoanalytiker im Umfeld Woolfs
  • Persönliche Betroffenheit als Auslöser von Abwehrreaktionen
  • "Doppelgängerscheu": Die Angst vor dem Verlust der eigenen Ursprünglichkeit
  • Virginia Woolf beeinflusst das Bild der eigenen Person in der Forschung
  • Präsenz der Psychoanalyse in Woolfs Leben
  • Selbstanalyse und Freudlektüre
  • Zur Frage der psychologischen Behandlung von Virginia Woolfs Krankheit: Madness and Creativity

V. Bloomsbury im Zentrum von Psychoanalyse und Biographie
1. Bloomsburys Affinität zur literarischen Lebensbeschreibung
Bloomsbury und viktorianische Elternhäuser: Ein biographischer Generationskonflikt
Lytton Stracheys Stellung in der Geschichte der englischen Biographik
"Psychoanalytische Biographien" als Ergebnis "wilder Psychoanalyse"

VI. Psychoanalyse und Biographik: Theoretische Maximen Freuds und Stracheys im Vergleich
1. Freud und Biographie: Seine persönliche Einstellung und die biographischen Grundlagen der Psychoanalyse

  • Freuds ambivalente Einstellung zur Biographie
  • Ziel der Freud'schen Auseinandersetzung mit der Biographie und ihren theoretischen Prämissen

2. Lytton Stracheys biographische Methode: Theoretische Fundamente und Ziele

  • Durch Interpretation zur Wahrheit: Selektion, Geistesfreiheit und Distanz
  • Weitere Maximen: Materialsicherung, prägnante Darstellung und eigener Blickwinkel
  • Der Stil als Schlüssel der Methode

3. Analogien zwischen Freud und Strachey: Intention und Methodik

  • Erforschung der Innenwelt
  • Intention
  • Intuition: Exemplarische Selektion
  • Der Standpunkt des Biographen

VII. Stil und analytische Vorgehensweise in Sigmund Freuds biographischer Studie Eine Kindheitserinnerung des Leonardo da Vinci (1910)
1. Literarische Qualitäten des Freud'schen Stils

  • Freud als Schriftsteller
  • Veröffentlichungen zu Freuds Stil

2. Einige Stilmittel der Leonardo-Studie Freuds

  • Hintergrund und Intention der biographischen Studie
  • Selektion
  • Eigener Standpunkt
  • Leserzentrierung – Leserführung

VIII. Untersuchung der Stilmittel und Methodik Lytton Stracheys am Beispiel der biographischen Werke Eminent Victorians (1918) und Queen Victoria (1921)
1. Der Satzbau: Leserführung und Gesamtbildkonzeption

  • Sinnabschnitte
  • Gesamtbildakquisition durch Distribution einzelner Elemente
  • Parallelstruktur und Tripelkonstruktion

2. Rhetorische Stilmittel: Figurencharakterisierung und Distanz

  • Szenische Darstellungsweise
  • Erlebte Rede
  • Nebenfiguren
  • Leitmotive
  • Spitznamen
  • Zitate
  • Ironie
  • Antiklimax
  • Mittel der scheinbaren Distanzwahrung

3. Die Sprache

  • Umgangssprachliche Wendungen und Klischees
  • Metaphorik

4. Kürze

IX. Psychoanalytische Elemente im Werk Lytton Stracheys

1. Das Konzept des Unbewussten bei Strachey

2. Parallelen zu Freud: Kindheitserinnerung und sexuelle Konstitution als Grundelemente einer gelungenen psychoanalytischen Biographie

  • Eminent Victorians (1918)
  • Queen Victoria (1921)
  • Elizabeth & Essex (1928)

Schlusswort / Anmerkungen / Bibliographie

Der Autor

Matthias Munsch, geb. 1972 in Frankfurt am Main, studierte Germanistik und Anglistik in Marburg an der Lahn und London. Gegenwärtig unterrichtet er an einem Frankfurter Gymnasium.

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