Details

Autor Bonaparte, Marie
Verlag Internationaler Psychoanalytischer Verlag, Leipzig / Wien / Zürich
Auflage/ Erscheinungsjahr 1928
Einbandart/ Medium/ Ausstattung OBrosch.
Seiten/ Spieldauer 48 Seiten
Reihe Vortrag in der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung am 30. November 1927
SFB Artikelnummer (SFB_ID) AQ-01-51-007

Zu dieser Ausgabe

Dieser seltene Sonderabdruck aus Imago, Zeitschrift für Anwendung der Psychoanalyse auf die Natur- und Geisteswissenschaften (Bd. XIV, 1928) befasst sich mit der Redensart vom "gehörnten Ehemann", den heroischen Hörnern, den magischen Hörnern, Kriegstrophäen, Jagdtrophäen, sowie den ironischen Hörnern.

- Beispieltext

Die Reedensart vom „genörnten Ehemann"

Als Ausgangspunkt wollen wir ein kleines Problem wählen, das schon seit geraumer Zeit Forschern viel Kopfzerbrechen verursacht. Schon im Altertum und noch heute, bei den meisten zivilisierten Völkern, stattet die Volksironie den betrogenen Ehemann mit Hörnern aus. Nun sind aber die Hörner ein Merkmal der Kraft, bei vielen Tiergattungen sogar das der Männlichkeit und bei vielen Religionen auch das Kennzeichen der mächtigsten Götter. Auf welchem Umwege mag dieses Attribut der Männlichkeit dazu gekommen sein, in den Augen des Volkes gerade die Schwäche, die Blindheit, das Unvermögen des betrogenen Ehemannes zu symbolisieren? Denn der Ehemann z. B., der Rache nimmt und tötet, gilt weder
dem Franzosen als ,,cocu" , noch dem Deutschen als „Hahnrei" und auch der Volksmund wird ihm keine Hörner aufsetzen. Nur den hintergangenen Ehemann trifft das Volk mit dieser Bezeichnung.

Wir stellen das Problem am besten dar, wenn wir zunächst Hermann Schrader („Der Bilderschmuck der deutschen Sprache", Artikel „Das Hörn",7. Ausgabe, S. 107 ff. Berlin 1912) zitieren. Nachdem er verschiedene Hornsymbole geschildert hat, die das Hörn mehr oder weniger als Kennzeichen der Kiafl und Macht erscheinen lassen, sagt Schrader: „Die schwierigste Deutung haben wir bis zuletzt aufgespart. Man sagt von einer Frau, welche ihrem Manne die eheliche Treue gebrochen hat, sie habe ihm Hörner aufgesetzt, ihn gehörnt, auch wohl, ihn mit einem Hirschgeweih gekrönt. Daher die Worte Hömerträger, Hömerdreher. Man hat den seltsamen Ausdruck oft recht ungeschickt zu erklären versucht, a) Körte. Der griechische Kaiser Andronicus {1183) lebte mit den schönsten Frauen seiner Residenz im vertrautesten Umgange und verlieh deren Männernn, um sie leichter zu beseitigen, die .Jagdgerechtigkeit. Dies Zeichen derselben war ein Hirschgeweih am Hause. Die Männer freuten sicli der Auszeichnung und die "Weiber verschafften sie Ihnen um so lieber. b) Wenn man junge Hähne zu Kapaunen macht, so wird ilinen der Hahnenensporn abgeschnitten und auf die Stirn versetzt. Dieser heißt dann das Hörn der Kapaunen- Dieses Bild würde aber auf eine impotentia des Mannes hindeuten - was doch hier ganz fern liept.*

c) Das Wunderlichste hat wohl Wurzbach zusammengetragen. Er sagt: ,Horn ist harte Haut. Hörn im Angelsächsischen ist hyrn, d. h, Hirn. Das Aufwachsen solcher ist Wirkung eines kranken Gehirns, (Gehörnte und Schwnchköpfe sind identisch. Das griechische Wort (Hörn) ist mit cervus (Hirsch) verwandt. Hornung bedeutete ein uneheliches und außereheliches Kind, das logisch auf einen hömertragenden Vater zurückführt. Das sieht gelehrt aus, aber es sieht bloß so aus. Er möchte sieh übrigens für die Deutung a) entscheiden.

d) Der sonst oft so scharfsinnige Dr. Brinkmann sagt: Der Grund dieser Metapher muß in folgendem Charakterzuge des Bockes zu suchen sein. Der Bock ist - sagt Buffon - ein ziemlich schönes Tier, sehr kräftig und sehr heißblütige ein einziger Bock kann wahrend zwei oder drei Monaten mehr als hundertundfünfzig Ziegen genügen; doch dauert diese Glut, die ilm verzehrt, nur drei oder vier Jahre und diese Tiere sind mit fünf oder sechs Jahren vollkommen erschöpft und ganz alt.' - Den Vergleichungspunkt findet er in dei Eifersucht. - ,Die Eifersucht aber muß um so mehr aufgeregt werden, je heißer
die Liebe war.' (...)"

Zum Erhaltungszustand

Unser Exemplar in einem guten Gesamtzustand. Bleistiftvermerke auf dem Titel, sowie ein ca. 3 cm langer blasser Bleistiftstrich auf dem Rücken. Innen ausnehmend frisch; die Seiten teils unbeschnitten und mithin ungelesen. - Sehr selten!

Kaufoption

98,00 €

mit Rabatt für Stammkunden