Details
| Autor | Schmidt, Vera [Wera Fjodorowna Schmidt (1889-1937)] |
|---|---|
| Verlag | Internationaler Psychoanalytischer Verlag, Leipzig / Wien / Zürich |
| Auflage/ Erscheinungsjahr | 1924, EA |
| Format | 23,7 × 16 cm |
| Einbandart/ Medium/ Ausstattung | Obrosch. |
| Seiten/ Spieldauer | 31 (1) Seiten |
| SFB Artikelnummer (SFB_ID) | SFB-007614_AQ |
Grinstein 29966. - Erste Ausgabe
Zu dieser Ausgabe
Epochemachender Versuch eines revolutionären Erziehungsexperiments in Moskau, der innerhalb der psychoanalytischen Bewegung große Aufmerksamkeit hervorrief (besonders bei Wilhelm Reich). Wera Fjodorowna Schmidt (1889-1937) war eine der ersten sowjetischen Psychoanalytikerinnen.
Textprobe
Die äußeren Schicksale des Kinderheim-Laboratoriums
"Das Interesse für Erziehungsfragen, insbesondere für die Gemeinschaftserziehung im Kindesalter, hat sich in Rußland während der Ereignisse der letzten Jahre bedeutend gesteigert. So kam es, daß in unserem kleinen, für die Psychoanalyse interessierten Kreise der Gedanke auftauchte, ein Kinderheim zu gründen, das neben einer Gelegenheit für wissenschaftliche Beobachtung die Möglichkeit bieten sollte, auf Grund psychoanalytischer Erkenntnisse neue Wege der Erziehung zu suchen. Zu diesem Zweck wurde eine Villa zur Verfügung gestellt, das Volkskommissariat für Aufklärung gab die Geldmittel und wir konnten am 19. August 1921 das Kinderheim-Laboratorium eröffnen, das sich offiziell dem Moskauer Psychoneurologischen Institut anschloß. An der Spitze des Heimes stand Professor Krmakow, der Leiter der psychoanalytischen Bewegung in Rußland. Eis war damals in Moskau fast unmöglich, geschulte Mitarbeiter zu finden, die eine wenn auch nur theoretische Kenntnis der Psychoanalyse besaßen. So mußten wir uns damit begnügen, Pädagogen heranzuziehen, die sich für die spezielle Aufgabe des Heimes interessierten und ihre weitere Ausbildung erst im Laufe ihrer Mitarbeit erhalten sollten. - Wir nahmen dreißig Kinder auf, die wir in folgender Weise auf drei Gruppen vorteilten.
1. Gruppe 6 Kinder im Alter von 1-1,5 Jahren
2. Gruppe 9 Kinder im Alter von 2-3 Jahren3
3. Gruppe 15 Kinder im lter von 4-5 Jahren (...)"
Auswahlbibliographie
- Psychoanalytische Erziehung in Sowjetrußland. Bericht über das Kinderheim-Laboratorium in Moskau. Leipzig, Wien, Zürich 1924
- Die Bedeutung des Brustsaugens und Fingerlutschens für die psychische Entwicklung des Kindes. Imago 12 (2/3), 1926, 377-392
- Das psychoanalytische Kinderheim in Moskau. Almanach des Internationalen Psychoanalytischen Verlages 1, 1926, 110-112
- Onanie bei kleinen Kindern. Z psa Päd 2, 1927/28, 153-157
- Die Entwicklung des Wisstriebes bei einem Kind. Imago 16 (2), 1930, 246-289
- Sämtliche Werke. Freiburg 2010
Die Autorin
Vera Schmidt, geborene Wera Fjodorowna Janizkaja (1889–1937) war eine sowjetische Psychoanalytikerin.
Leben: Wera F. Janizkaja heiratete 1913 den Mathematiker Otto Juljewitsch Schmidt und begann ein Studium der Pädagogik in Kiew, das sie 1916 abschloss. Sie arbeitete nach der Oktoberrevolution von 1918 bis 1920 in der Abteilung für Schulwesen des Volkskommissariats für Bildungswesen in Moskau. 1921 eröffnete sie dort das psychoanalytische Kinderheim-Laboratorium, das sie bis 1925 leitete.
1922 war Schmidt Gründungsmitglied der Russischen Psychoanalytischen Vereinigung (RPV), die Sigmund Freud zur Verteidigung seiner Wissenschaft ins Leben gerufen hatte. (Die russische Sektion bestand von 1922–1930, wobei die letzten Jahre unter der Herrschaft Stalins ihr nur noch ein Schattendasein ermöglichten.) Von 1925 bis 1929 arbeitete Vera Schmidt am Institut für höhere Nervenfunktionen der Kommunistischen Akademie in Moskau. Nach der Auflösung der RPV 1930 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für experimentelle Defektologie der Akademie der Pädagogischen Wissenschaften der UdSSR. Sie starb im Alter von 48 Jahren an einem Schilddrüsentumor.
Bedeutsam wurde Schmidt durch die Gründung des »Psychoanalytischen Kinderheim-Laboratoriums« in Moskau, welches konsequent die Erkenntnisse Freuds im Rahmen frühkindlicher Erziehung zur Neurosenprophylaxe zu nutzen suchte (also sexuelle Lüge und Bevormundung sowie die Herstellung von Elternautorität unterließ, ein auch heute noch höchst »explosives« Programm). Obwohl das Unternehmen nach drei Jahren stalinistischer Unterdrückung zum Opfer fiel, hat es bis heute seine Faszination bei Fachleuten nicht eingebüßt. (Quellen Wikipedia und Ahrimann Vlg.)
Erhaltungszustand
Das Klassische Fachantiquariat der SFB verfügt über ein gut erhaltenes Exemplar dieser seltenen Originalausgabe. Der empfindliche Broschureinband frisch, ohne Einrisse und altersbedingt leicht gebräunt; an der unteren Einbandecke mit der Spur eines Wasserfleckchens. Innen ebenfalls gut, am Vorsatz mit einem Namenseintrag des Erstbesitzers. Die Seiten papierbedingt leicht nachgedunkelt; keine Anstreichungen, Anmerkungen im Text. - Sehr selten.
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