Details

Autor Herman, Judith
Verlag Junfermann Verlag
Auflage/ Erscheinungsjahr 29.03.2018
Format 24 × 17 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Paperback
Seiten/ Spieldauer 352 Seiten
Gewicht 601
ISBN 9783955716240

Zu diesem Buch

Dieses Buch ist das Ergebnis jahrzehntelanger Forschung und praktischer Arbeit mit Opfern sexueller und häuslicher Gewalt. Es spiegelt zudem die vielfältigen Erfahrungen der Autorin mit zahlreichen anderen traumatisierten Patienten wider, vor allem mit Kriegsveteranen und Terroropfern. 2015 fasste Judith Herman die neuesten Forschungen und Entwicklungen zusammen und ergänzte somit ihren Klassiker, der nie an Aktualität verloren hat.

Aus der Einleitung

(...) Gewalttaten verbannt man aus dem Bewusstsein - das ist eine normale Reaktion. Bestimmte Verletzungen des Gesellschaftsvertrages sind zu schrecklich, als dass man sie laut aussprechen könnte: Das ist mit dem Wort „unsagbar" gemeint.

Doch Gewalttaten lassen sich nicht einfach begraben. Dem Wunsch, etwas Schreckliches zu verleugnen, steht die Gewissheit entgegen, dass Verleugnung unmöglich ist. Viele Sagen und Märchen berichten von Geistern, die nicht in ihren Gräbern ruhen wollen, bis ihre Geschichten erzählt sind. Mord muss ans Tageslicht. Die Erinnerung an furchtbare Ereignisse und das Aussprechen der grässlichen Wahrheit sind Vorbedingungen für die Wiederherstellung der gesellschaftlichen Ordnung, für die Genesung der Opfer.

Der Konflikt zwischen dem Wunsch, schreckliche Ereignisse zu verleugnen, und dem Wunsch, sie laut auszusprechen, ist die zentrale Dialektik des psychischen Traumas. Menschen, die ein Trauma überlebt haben, erzählen davon oft so gefühlsbetont, widersprüchlich und bruchstückhaft, dass sie unglaubwürdig wirken. Damit ist ein Ausweg aus dem Dilemma gefunden, einerseits die Wahrheit sagen und andererseits Stillschweigen wahren zu müssen. Erst wenn die Wahrheit anerkannt ist. kann die Genesung des Opfers beginnen. Doch sehr viel häufiger wird das Schweigen aufrechterhalten. und die Geschichte des traumatischen Ereignisses taugt nicht als Erzählung auf, sondern als Symptom.

Die Symptome psychischen Leidens bei traumatisierten Menschen weisen auf die Existenz eines unaussprechlichen Geheimnisses hin und lenken gleichzeitig davon ab. Besonders deutlich zeigt sich dies, wenn Opfer abwechselnd in Erstarrung verfallen und das Ereignis immer wieder neu erleben. Durch die Dialektik des Traumas entstehen komplexe, manchmal unheimliche Bewusstseinsveränderungen. George Orwell, einer der engagierten Wahrsager des 20. Jahrhunderts, sprach von „Doppeldenk"; Psychiater und Psychologen prägten den sachlich präzisen Begriff „Dissoziation". Daraus ergeben sich die schillernden, dramatischen und oft bizarren Symptome der Hysterie, in denen Freud vor hundert Jahren versteckte Mitteilungen über sexuellen Missbrauch in der Kindheit erkannte.

Zeugen unterliegen der Dialektik des Traumas ebenso wie die Opfer. Es gelingt dem Beobachter kaum, ruhig zu bleiben, einen klaren Kopf zu bewahren, mehr als einige wenige Bruchstücke des Geschehens gleichzeitig zu erkennen, alle Einzelheiten aufzubewahren und richtig zusammenzusetzen. Noch schwieriger ist es. die richtigen Worte zu finden, um das Beobachtete überzeugend und umfassend zu schildern. (...) (Quelle Junfermann Verlag)

Inhalt

  • Einleitung

Teil 1: Traumatische Störungen

  • 1. Eine vergessene Geschichte
    1.1 Das heroische Zeitalter der Hysterie
    1.2 Traumatische Kriegsneurosen
    1.3 Die Kriegsneurose des Geschlechterkampfs
  • 2. Angst
    2.1 Überregung
    2.2 Intrusion
    2.3 Konstriktion
    2.4 Die Dialektik des Traumas
  • 3. Nichtzugehörigkeit
    3.1 Das zerstörte Selbst
    3.2 Verwundbarkeit und Widerstandsfähigkeit
    3.3 Unterstützung durch das soziale Umfeld
    3.4 Die Rolle der Gesellschaft
  • 4. Gefangenschaft
    4.1 Psychische Herrschaft
    4.2 Bedingungslose Kapitulation
    4.3 Die Symptome des chronischen Traumas
  • 5. Kindesmissbrauch
    5.1 Die Missbrauchssituation
    5.2 Doppeldenk
    5.3 Doppeltes Selbst
    5.4 Angriffe auf den Körper
    5.5 Wenn das Kind erwachsen ist
  • 6. Eine neue Diagnose
    6.1 Fehldiagnosen
    6.2 Die Notwendigkeit einer neuen Kategorie
    6.3 Die Opfer als Patienten in der Psychotherapie

Teil 2: Stationen der Genesung

  • 7. Eine heilende Beziehung
    7.1 Traumatische Übertragung
    7.2 Traumatische Gegenübertragung
    7.3 Der Therapievertrag
    7.4 Rückhalt bei Kollegen
  • 8. Sicherheit
    8.1 Das Problem beim Namen nennen
    8.2 Die Kontrolle wiedererlangen
    8.3 Eine sichere Umgebung schaffen
    8.4 Der Abschluss des ersten Stadiums
  • 9. Erinnern und Trauern
    9.1 Die Rekonstruktion des Traumas
    9.2 Die Transformation der traumatischen Erinnerungen
    9.3 Trauer um Verlorenes
  • 10. Wiederanknüpfung
    10.1 Kämpfen lernen
    10.2 Die Versöhnung mit sich selbst
    10.3 Neue Bindungen
    10.4 Als Opfer eine Aufgabe finden
    10.5 Die Auflösung des Traumas
  • 11. Die therapeutische Gruppe
    11.1 Gruppen zur Schaffung von Sicherheit
    11.2 Gruppen für die Phase des Erinnerns und Trauerns
    11.3 Gruppen zur Wiedereingliederung
  • Danksagung
  • Nachwort: Die Dialektik des Traumas setzt sich fort
  • Epilog zur Ausgabe von 2015
    Teil 1: Trauma
    Teil 2: Genesung
  • Anmerkungen
  • Index

Stimmen zum Buch

"Das Buch von Judith Herman ist eines der wichtigsten und gleichzeitig lesbarsten Bücher der modernen Traumaforschung. Es sollte in allen universitären Seminaren zum Thema psychische Traumatisierungen zur Pflichtlektüre gehören." - Dr. Arne Hofmann

Die Autorin

Judith Herman ist Professorin an der Harvard Medical School und leitet ein Programm über Opfer von Gewalttaten am Cambridge Hospital. Seit mehr als 30 Jahren beschäftigt sie sich mit Opfern von Kindesmissbrauch, Vergewaltigung und häuslicher Gewalt.

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