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Küchenhoff, Joachim; Pietzcker, Carl (Hg.)

Freiburger literaturpsychologische Gespräche

Band 36 (2017) - Altern

Details

Verlag Königshausen u. Neumann
Auflage/ Erscheinungsjahr 03.2017
Format 23,5 × 15,5 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Paperback
Seiten/ Spieldauer 332 Seiten
Reihe Freiburger Literaturpsychologische Gespräche, Band 36
ISBN 9783826062223

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Zu diesem Band

»Die Psychoanalyse hatte es lange Zeit schwer mit dem Alter und dem Prozess des Alterns. Das hatte mit Voreingenommenheiten in der Theorie und in der therapeutischen Praxis zu tun. Die Psychoanalyse hatte sich den frühen und immer früheren Entwicklungsperioden der Kindheit zugewandt und dabei die Entwicklungsprozesse in den verschiedenen Stadien des Erwachsenenalters vernachlässigt. Dem älteren Menschen wurde kaum eine Veränderungsbereitschaft zugetraut und daher die Fähigkeit abgesprochen, eine Analyse erfolgreich zu durchlaufen. So fehlte der Psychoanalyse in ihren Anfängen auch die klinische Empirie, die eine psychoanalytische Theorie des Alters aus der klinischen Praxis heraus zu entwickeln erlaubt hätte.
Das hat sich grundlegend geändert. Altere Menschen sind als Analysand/inn/en willkommen. Die komplexen Übertragungsmuster und vor allem die besonderen Gegenübertragungseinstellungen sind beschrieben worden. Im Deutschland der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde zudem und spezifisch die Abwehr analysiert, die die Analytiker davon abgehalten hatte, sich vertieft mit der Elterngeneration und ihrer Nazi-Geschichte zu befassen. Im Bereich der psychoanalytisch ausgerichteten Psychosomatik sind Institutionen entstanden, die sich in der Ausbildung und der Forschung mit der Psychodynamik des Alters befassen. Spezifiziescher psychoanalytisch sind die Forscherinnen und Forscher vorgegangen, die psychoanalytische Altersforschung zu ihrem wissenschaftlichen Schwerpunkt gemacht haben.
In der Literatur dagegen ist das Thema Altern niemals übersehen und immer neu bearbeitet worden. Eine Literaturliste zum Altern in der Literatur müsste sich daher über die gesamte Literaturgeschichte erstrecken. Sie könnte beginnen bei Sophokles' Odipus-Dramen und der Rolle des greisen Sehers Teiresias in der Antike, sie ginge weiter bei Cicero und seinem Lob des Alters in Cato Maior de Senectute. Montaignes Essay »Über das Alter« (1580) dürfte nicht fehlen. Die Liste lässt sich immer weiter fortschreiben.
Das Alter ist, zusammenfassend gesagt, ein Thema der Literatur, solange es sie gibt. Es ist ein wichtiges und aktuelles Thema der psychoanalytischen Theorie und Praxis geworden. Es ist in der Literaturwissenschaft präsent und auch in der Selbstreflexion von Schriftstellern und Schriftstellerinnen. Einen besonderen und aus verständlichen Gründen zunehmenden Stellenwert nimmt der Schwerpunkt Demenz in der Altersliteratur der Gegenwart ein.
Eine Zusammenführung der Bereiche stand aus. Es gibt bislang kaum eine nennenswerte psychoanalytisch-literaturwissenschaftliche Analyse der Altersliteratur. Aufgabe unserer Tagung war es, zu sichten, wo Psychoanalyse und Literaturwissenschaft heute in der Aufarbeitung des Alters bzw. der Altersliteratur stehen. Anhand von literarischen Beispielen, die aus der Uberfülle der Materialien sorgfältig ausgewählt wurden, wurde versucht, den Ertrag zu überprüfen, den die psychoanalytischen und literarischen Theorien der Gegenwart für die Lektüre von Altersliteratur erbringen.« (aus dem Vorwort)

Aus dem Inhalt

  • M. Teising: Trennungen und Kränkungen, Abschied und Aufbruch. Herausforderungen im hohen Lebensalter 
  • B. Nitzschke: Wir wollen alle in die Kindheit zurück, denn keiner will bis zum Tod voranschreiten. Über Liebessehnsüchte im Alter
  • J. Küchenhoff: Jedermann – Das Sterben in Literatur und Psychoanalyse 
  • O. Gutjahr: Radikales Altern in Nahaufnahme. Michael Hanekes Liebe 
  • I. Quindeau: Deckerinnerungen – Kindheiten in Krieg und Nationalsozialismus 
  • D. Angeloch: »Psychological Impossibilities«. Über Wilfred R. Bions The Long Week-End und George Orwells »Such, Such Were the Joys«
  • C. Walde: Selbstbildnis des Philosophen als eines alten Mannes: Senecas Briefe an Lucilius 
  • P. Strasser: Endlichkeit – Lebenslust – Verlust. Anmerkungen zu Julian Barnes’ Lebensstufen 
  • W. Wucherpfennig: Die Furcht vor dem Alter und die Sehnsucht danach: Adalbert Stifter und die Vergeblichkeit 
  • A. Muschg: Intensivstation: Drei Stimmen. 1. Diskant – Literatur- und kulturwissenschaftliche Publikationen zum Altern.

Der Band bietet zudem eine von Joachim Küchenhoff zusammengestellte Auswahlbibliographie zum Thema – Psychoanalytische Publikationen zum Altern.

Lieferbarkeitshinweis

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