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Die Macht der Psychotherapie im Neoliberalismus

Eine Streitschrift

Details

Verlag Mandelbaum
Auflage/ Erscheinungsjahr 22.02.2017
Format 17 × 12 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Paperback
ISBN 9783854766636

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20,00 €


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Zu diesem Buch

Angelika Grubner unterzieht ´Psychotherapie` einer machttheoretischen Überprüfung und zeigt, wie eng sie - ob bemerkt oder nicht - mit dem Neoliberalismus geradezu symbiotisch verstrickt ist. Die psychotherapeutischen Praxen sind randvoll und nähren ihre Inhaber bestens; gearbeitet wird wie am Fließband, oft genug in besonders komfortablen 30-Stunden-Behandlungseinheiten.

Auch dies: In neoliberalen Zeiten ist eigentlich alles »irgendwie psychisch«, und Unzureichendes, Fehlendes, Vermißtes oder Mangelhaftes kann, sollte oder muß psychotherapeutisch nachjustiert, optimiert, ins Lot gebracht werden. Sei es die Partnerschaft, die hippligen, bindungs- oder verhaltensgestörten Einzelkinder, sei es der fragile berufliche Erfolg, die körperliche Fitness, Beziehungsprobleme, Arbeitslosigkeit und sogar Armut - alles und jedes kann heute Gegenstand einer psychologischen Betrachtung und Behandlung werden.

So wundert es nicht, daß die verschiedenen Richtungen der Psychotherapie, je smarter sie daher kommen, um so mehr - einen nie dagewesenen Zulauf haben: Heilungs-, Heilserwartungen werden von den im gesellschaftlich verordneten Mahlstrom Eingespannten, den erschöpften Selbstoptimierern auf die post-religiösen Hohenpriester geworfen, projiziert.

Werden die maligne machenden Verhältnisse nicht etwa dadurch weiter verfestigt, indem die gesellschaftlich bedingten Kollateralschäden dem einzelnen als in dessen Verantwortung liegend gespiegelt und so dafür gesorgt wird, daß gesunde Widerstandskräfte, das Aufbegehren gegen die Systemfehler auf der gesellschaftlichen "DOS-Ebene" erst gar nicht in den Blick des an sich Leidenden geraten?

Die Autorin fragt sich, wie es kommt, daß sowohl in der Fachliteratur als auch innerhalb der psychotherapeutischen Schulen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, dem Aufstieg von neoliberaler Ideologie einerseits und dem Wandel von einer Bürger- in einer Therapie- und Infantengesellschaft kaum Aufmerksamkeit geschenkt und dieses offenbar höchst heikle Thema verleugnet und verdrängt wird. Das Gros der psychotherapeutisch Tätigen erwecke den Eindruck, als stünde es jenseits aller aktueller Macht- und Interessenverhältnisse und sei allein dafür da, bei Bedarf helfend und stützend therapeutisch zu intervenieren, ohne sich für die Geschäftsgrundlagen des andauernde Elends zu interessieren?

Unter Rückgriff auf die philosophischen Überlegungen Michel Foucaults unterzieht Angelika Grubner die Psychotherapie einer machttheoretischen Prüfung. Sie zeigt, wie sie mit dem Neoliberalismus in einer schier unentwirrbaren Liaison verstrickt ist und daß die Vorstellung eines machtfreien, nicht interessegeleiteten psychotherapeutischen Raumes eine naive und irreführende Illusion sei - mit entsprechenden Konsequenzen für die Behandlung und natürlich den Patienten.

Die Autorin

Angelika Grubner, geb. 1967, Psychotherapeutin, diplomierte Sozialarbeiterin, akademische Referentin für feministische Bildung und Politik, derzeit Studium der Philosophie an der Universität Wien. Diverse Publikationen im Spannungsfeld zwischen (feministischer) Philosophie und Psychotherapie. Lebt und arbeitet in Wien und Pitten.

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