Details

Autor Bodenheimer, Aron R. (1923-2011)
Verlag Reclam, Philipp
Auflage/ Erscheinungsjahr 15.02.2011
Format 18,9 × 12,0 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Paperback
Seiten/ Spieldauer 325 Seiten
SFB Artikelnummer (SFB_ID) SFB-006473_AQ

›ist das dein Knabe, Tell?‹

"Dem Fragen gehört wesenhaft Obszönität zu. Obszönität stellt sich ein an dem Ort und unter den Bedingungen, dass ein Einzelner gewisse Anteile seiner Persönlichkeit unvermittelt, unvorbereitet nach außen preisgegeben findet; Persönlichkeitsanteile, welche dieser so Exponierte anderen gegenüber, oder auch vor sich selbst bisher verborgen gehalten hat. Zu dem Wesen der als Obszönität beschriebenen Situation gehört weiterhin der Umstand, dass die Intentionen und Mittel, welche zu ihrer Herbeiführung dienen, nicht benannt, auch nicht bekannt werden, und dass daher derjenige, der Obszönität schafft, sich nicht zu stellen, also auch nicht für das zu verantworten braucht, was er da gemacht hat."

Zu diesem Beitrag

Was tut genauer betrachtet ein Fragender wenn er fragt? Und was geschieht dabei mit dem Gefragten? Welche Fragen Bodenheimer in seiner klugen Untersuchung auch immer heranzieht – von so alltäglichen wie 'Wie geht es Dir?' über 'Liebst Du mich?' bis zu so grundlegenden wie 'Existiert Gott?' – das Ergebnis bestätigt immer wieder die Grundthese des Bandes:

  • Fragen stellt den Befragten bloß, ist letztlich obszön.

Für diese Neuauflage wurde der gesamte Text des 1984 erschienenen Klassikers komplett durchgesehen und der Band um das Kapitel 'Wie konnte das geschehen? Wie konnte das ›nur‹ geschehen?' und den Abschnitt 'Wer wann wie wen fragt' ergänzt.

Inhalt

  • Vorbemerkung: Ist das dein Knabe, Tell?
  • Vom Fragen, von dem Obszönen – und von beider Verhältnis zueinander
  • Kurzer Hinweis auf die Methode dieser Abhandlung
  • Wesen und Bedeutung des Fragens und der Frage
  • Frage und Antwort – Herrschaft und Sklaverei: Menon oder Über die Tugend
  • Die Spontanmelodie des Fragens
  • Die melodische Notation des Fragens
  • Zur Choreographie des Fragens: Mimik und Gestik
  • Zur Phylogenese des Fragens: Blushing
  • Das Fragezeichen
  • Nu? – So what? – Hä? – Was? – Was sonst? Fragezeichen, in Worte gefasst
  • Zur Ethologie des Fragens: Die Ebenen des Fragespiels
  • Über den fragenden Sinn, das fragende Wesen und die Fragestellung
  • Kocht das Wasser? Kocht das Wasser nicht? – Fragen bringt die Negation zum Erlöschen
  • Wie konnte das geschehen? Wie konnte das nur geschehen? – Die Perfidie des Adverbs, durch den Fragesatz sichtbar gemacht
  • Fragen als Umgehen von Erkenntnis und Bekenntnis
  • Das Wir-Lächeln: Die vermassende Wirkung des Fragens
  • Liebst du mich? – Fragen schließt das Tun aus – Fragen verbirgt die Verantwortung – Fragen provoziert
  • Der Sirenengesang des Fragens
  • So …, soso, sag mal: Das Fragen kommt als ein Sagen herein
  • Nicht wahr? – Gell? – Das Sagen geht als ein Fragen heraus
  • Rhetorische Fragen: Die Küng-Frage und die Gretchenfrage
  • Demagogische Fragen: Mark Anton und Adolf Hitler
  • Die restaurativen Tendenzen des fragenden Sinnes
  • Wo das Fragen herkommt, und wo das Fragen hinführt
  • Vom Wesen des Wissens: Platons Theaitetos
  • Papa, warum ist der Himmel blau? – Kinder fragen
  • Warum? – Wegen oder trotz? – Weil oder obgleich? – Die Verpsychologisierung der Erkenntnis durch die Methode des Fragens
  • Der Boa-Constrictor-Effekt des Fragens
  • Das Sagen wächst nicht aus dem Fragen
  • Der Geist ist ein Wühler, kein Frager
  • Mittel gegen das Befragtwerden
  • Zur Teleologie des Fragens
  • Die reflexive oder introspektive Frage
  • Narzisstisches Fragen als Zerrform reflexiven Fragens
  • Fragen ist Besichtigen – Fragen ist Schwätzen
  • Warum spielst du mit dem Kugelschreiber? – Begründen ist Rechtfertigen
  • Wer bist du? – Was ist das für einer? – Was sind das für Leute? – Fragen zur Person
  • Wer wann wen wie fragt – Die Personalisierung von Wissenserschließung durch das Fragen
  • Wie geht es dir? – Wer das Recht hat zu fragen
  • Wie geht es dir? Gut? – Zweimal gefragt ist gut gefragt – Die Suggestivfrage
  • Schlussbemerkung: Szene im Autobus – Annäherung an eine Entobszönisierung des Fragens
  • Anmerkungen / Zur 7. Auflage / Zum Autor.

Der Autor

Aron Ronald Bodenheimer kam 1923 in Basel zur Welt. Er studierte Medizin und entschied sich für die Psychatrie und Psychoanalyse. Mit seiner Familie lebte der Professor abwechselnd in Tel Aviv und Zürich. Nach seiner Emeritierung lehrte er in Basel jüdische Studien. Einen Namen machte er sich als Lehrer, Psychoanalytiker und Autor provokanter Essays und mehrerer Bücher.

Bis ins hohe Alter meldete sich Bodenheimer querdenkend zu Wort. Seine unkonventionelle Art, vermeintliche Wahrheiten und aus einem umfassenden Bildungsreichtum schöpfen könnend, gekonnt gegen den Strich zu bürsten, war sein Markenzeichen. Bodenheimer verstarb im Jahr 2011.

Lieferbarkeit / Erhaltungszustand

Das Fachantiquariat der SFB verfügt aktuell über ein sehr gut erhaltenes Exemplare dieser gefragten Arbeit des Autors, die beim Verlag inzwischen vergriffen ist.

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