Details

Autor Jaspers, Karl; Hannah Arendt
Verlag Piper
Auflage/ Erscheinungsjahr 1958, erste Buchausgabe
Format 15 × 22 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Obrosch.
Seiten/ Spieldauer 40 Seiten
SFB Artikelnummer (SFB_ID) SFB-000191_AQ

So beginnt Karl Jaspers seine Rede, die er 1958 anläßlich der Verleihung des Friedenspreis es Deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche unter der Überschrift ›Wahrheit, Freiheit und Friede‹ gehalten hat:

"Die mir verliehene Auszeichnung bedeutet eine hohe Ehre. Denn der deutsche Buchhandel ist eine unabhängige Instanz und durch seine Leistungen seit Jahrhunderten legitimiert.

Unsere Zeit zwingt zur Verwandlung des Verlegers in einen Warenproduzenten, des Sortimenters in einen Verkäufer. In der Tat aber werden beide unsere Bundesgenossen. Gemeinsam schaffen Schriftsteller und Buchhandel den öffentlichen Raum des Geistes, in dem durch das Chaos die Wahrheit sich hervortreibt, und bewirken die wachsende Teilnahme einer lesenden Bevölkerung. Unsere Verleger und Buchhändler sind nicht schon befriedigt durch die abschätzbaren Bedürfnisse eines Publikums und durch die notwendigen Kalkulationen. Sie sind hellhörig, der eine hier, der andere dort, für die Kraft in Gedanke und Dichtung, für die Bereitschaften im Verborgenen, für die Möglichkeiten des Alten und des Neuen, für das, was erhellen, ermutigen, beschwingen kann. Sie bringen Schriften heraus, weil sie wollen, daß deren Denkungsart in der Welt sei. Von dieser Instanz wird mir die Auszeichnung verliehen, die »Friedenspreis« heißt. Es scheint angemessen, bei seinem Empfang vom Frieden zu sprechen.

Wir alle wollen den Frieden, den äußeren Frieden, daß kein Krieg sei und daß die Massenvernichtungswaffen nie mehr zur Anwendung kommen und daß das Ende durch die Atombombe ausbleibe. Dieser Friede ist nur möglich als Weltfriede. Heute aber treten die großen farbigen Völker auf, die an Menschenzahl und Bodenschätzen durch ihre schnell fortschreitende Technisierung in wenigen Jahrzehnten dem Abendland überlegen sein werden. Heute ist ferner eine neue, erst im technischen Zeitalter möglich gewordene Staatsform, die totale Herrschaft, entstanden. In dieser Weltlage ist der äußere Friede nur möglich in Gemeinschaft mit jenen gewaltigen Völkern und nur im Umgang mit der totalen Herrschaft. Friedenspolitik ist Weltpolitik. Diese Weltpolitik kann nur Erfolg haben unter Voraussetzungen, die jeder in sich selbst, die wir im eigenen Staate verwirklichen. In dem Maße, in dem wir dies tun, dürfen wir hoffen, daß die anderen uns entgegenkommen.

Nie wird uns der äußere Friede als Geschenk durch bloße politische Operationen zuteil werden. Nicht von der Friedenspolitik als Weltpolitik möchte ich sprechen, sondern von diesen Voraussetzungen. Erstens: Kein äußerer Friede ist ohne den inneren Frieden der Menschen zu halten. Zweitens: Friede ist allein durch Freiheit. Drittens: Freiheit ist allein durch Wahrheit.

1. Kein äußerer Friede ohne den inneren

Friede ist nicht Kampflosigkeit. Aber der Mensch kann den Kampf verwandeln aus gewaltsamem Kampf in den geistigen und in den liebenden Kampf. Der gewaltsame Kampf erlischt in der Kommunikation. Statt Überlegenheit im Sieg ist das Ergebnis die gemeinschaftliche Wahrheit. Durch solchen Kampf miteinander kommt erst jeder zu sich selbst. Der liebende Kampf stellt alle Mittel der Gewalt, auch die Mittel der intellektuellen Gewaltsamkeit, die als stärkere Rationalität der stärkeren Muskelkraft entspricht, dem Partner in gleicher Weise wie sich selbst zur Verfügung und hebt damit ihre tödliche Wirkung auf. Was einst im Kampf auf Leben und Tod Ritterlichkeit und ihre Spielregeln waren, dem sind in der täglichen Praxis der liebende Kampf und seine Ordnung zu vergleichen.

Der Friede beginnt im eigenen Haus. Der Weltfriede beginnt mit dem inneren Frieden der Staaten. (....)" 

Erhaltungszustand

Die Antiquariatsabteilung der SFB verfügt über wenige vergleichsweise gut / sehr gut erhaltene Exemplare dieses Readers. - Innen jeweils frisch, gfs mit einem kleinen Namenseintrag des Erstbesitzers auf dem Vorsatz; ohne An- und Unterstreichungen im Text.

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