Details

Autor Funke, Judith; Reißner, Simone; Priskil, Peter
Herausgeber Hoevels, Fritz Erik; Priskil, Peter (Hg.)
Verlag AHRIMAN-Verlag
Auflage/ Erscheinungsjahr 07.11.2025
Format 22.5 × 15.5 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Paperback
Seiten/ Spieldauer 145 Seiten
Gewicht 360
Reihe 43. Jahrgang, Heft 1/2, November 2025
ISBN 9783894847319

Die Beiträge dieser Ausgabe

  • Judith Funke: Das Unheimliche in den Erzählungen von Stephen King
    (Hauptbeitag dieser Ausgabe, Seiten 5 - 90)

Textauszug: Kapitel - Wirkweisen des Systems ubw: Überich-Aggression und Identifikation

"(...) Die nachfolgend präsentierten Zitate aus Stephen Kings (SKs) Werk illustrieren seine Meisterschaft in der Beschreibung innerpsychischer Vorgänge. Er schöpft dabei sichtlich aus eigenem Erleben, doch faßt er diese Vorgänge als gleichsam persönlichkeitsfremde Mächte auf, deren Zustandekommen er sich nicht erklären kann und denen seine Protagonisten zum Teil, auch wenn sie sich dagegen sträuben, nach heftigen Kämpfen unterliegen. »Schildern« heißt eben noch nicht »verstehen«, ist aber eine Vorstufe dazu, auf der SK freilich stehenbleibt. Die packende, drastische Art seiner Erzählweise ist dazu angetan, als »Vorlust« die in Wirklichkeit unheimlichen, angstauslösenden Abläufe »genießbar« zu machen und den Leser in der Art Anzengrubers in einer (gleichwohl tük-kischen) Sicherheit zu wiegen: »Es kann dir nichts geschehen« (denn es gibt mich, den Romanhelden, noch; cf. GW VII 2.13sq)

Da es unmöglich ist, auch nur einen Teil der Geschichten SKs im Detail zu besprechen, konzentriere ich mich auf >Shining<, weil es eine seiner bekanntesten ist. Die Idee, die SK für >Shining< hatte, war ein Gespensterhotel, in das über den Winter Vater, Mutter, Kind einziehen und am Ende des Winters die drei auch Gespenster sind. Es kam anders, wie des öfteren, wenn sich seine Figuren verselbständigen. Wer nur die Verfilmung von Stanley Kubrick kennt, die auf ihre Weise gruselig ist, weiß, daß ein zunehmend verrückter Jack Nicholson, von Anfang an eine unsympathische Figur, Frau und Sohn umbringen will, dabei aber selbst zu Tode kommt. SK nennt diesen Film ein Schwarz-auf-Schwarz-Gemälde, weil es nur das Böse gibt ohne jede Nuance, und Kubrick wollte wohl auch genau das darstellen: »Daher suchte er nach dem Bösen in den Personen und machte aus dem Film eine häusliche Tragödie«, und der Reiz für den Zuschauer besteht darin, daß der kleine Junge, hilflos, aber ausgestattet mit dem titelgebenden »Shining«, also übersinnlichen Fähigkeiten, aller Wahrscheinlichkeit zum Trotz seinem bösen Vater entkommen kann.

SK gefällt, wie offenbar vielen seiner Leser auch, die Verfilmung gar nicht. Er äußert sogar des öfteren, daß er Stanley Kubrick dafür am liebsten umbringen würde 25°, weil er die Geschichte völlig falsch dargestellt habe. Der Schwerpunkt von SKs Originalgeschichte ist ein anfangs durchaus nicht unsympathischer Vater, nebenbei Lehrer, Schriftsteller und Alkoholiker wie SK selbst. Betrunken bricht er seinem Sohn Danny, als dieser drei Jahre alt ist, den Arm, weil dieser sein Manuskript mit Bier übergossen hat - eine Szene, deren Vorbild ein Vorfall ist, in dem SKs Sohn dessen Manuskript bemalt hatte, woraufhin SK eine ähnliche Wut wie seine Romanfigur empfand, ohne den Jungen jedoch zu verletzen. Der Protagonist Jack Torrance schämt sich dessen sehr und hört wenig später mit dem Trinken auf. Bei einem weiteren Wutanfall jedoch, bei dem er nüchtern ist, prügelt er einen Schüler, was zum Verlust seines Arbeitsplatzes als Lehrer führt.

Er nimmt deshalb die Hausmeisterstelle im Overlook-Hotel über den Winter an, um dort sein Bühnenstück zu Ende zu schreiben und nach dem Winter entweder von der Schriftstellerei oder einer neuen Lehrerstelle leben zu können. Zunächst läßt sich das auch gut an: »Denn sie waren glücklich, sie hatten gelacht, und es gab keine bösen Gedanken.« Zwar ist mit Jack etwas nicht in Ordnung: »Als ob Jack Torrance etwas hatte -irgend etwas -, das er verbarg. Oder es steckte etwas so tief in ihm, daß man es nicht erreichen konnte« {p. 100), aber »hier oben war er mit sich im reinen, und die drei Jahre erschienen ihm wie ein turbulenter Alptraum. [...] Das Stück machte gute Fortschritte [...] Während der letzten sechs Monate in Stovington war er immer wieder an der Schlüsselszene zwischen Denker, dem sadistischen Rektor, und Gary, dem jugendlichen Helden des Stücks, gescheitert. [...] Aber wenn er sich an den letzten zwölf Abenden an die Schreibmaschine setzte [...], schmolzen die Schwierigkeiten wie Zuckerwatte im Mund. Fast mühelos hatte er Züge in Denkers Charakter hineingearbeitet, die früher gefehlt hatten [...]. Eine grobe Niederschrift brachte er wohl in zwei Wochen zustande, und bis Neujahr konnte er das ganze verdammte Stück im Kasten haben.« Nach und nach stellt sich heraus, daß Jack seinen Schüler verprügelt hatte, weil dieser jung, gut aussehend und aus reicher Familie war, worum er ihn beneidete, ohne es sich einzugestehen. Es handelt sich also um den sehr häßlichen Vorgang der Projektion, der fast zum Tod des Schülers führt, und Jack hat dabei einen Satz auf den Lippen, den früher sein Vater zu ihm gesagt hatte: »... wenn du es nicht anders haben willst, komm her und hol dir deine Prügel ab.« (....).«

Über den Winter wird Jack zunehmend aggressiv, entschuldigt sich aber aus ehrlichem Herzen zunächst jedes Mal: »Sein letzter Gedanke, bevor er wieder zu seiner Frau und seinem Sohn hinaufging, war ein fester Vorsatz ´Ich werde nie wieder die Beherrschung verlieren, ganz gleich, was geschieht.`« (p. 152), und versucht, die Gewalttätigkeit in den Griff zu bekommen, u.a. indem er sie zugibt: »Kurz nach Dannys Geburt wurde ich Alkoholiker. Schon als Student hatte ich mit dem Trinken Probleme gehabt. Als Wendy und ich uns kennenlernten, wurde es ein wenig besser, aber nach Dannys Geburt war es schlimmer als je zuvor, und mit der Schriftstellerei, die ich als meine eigentliche Aufgabe betrachte, klappte es auch nicht mehr [...]. Es hört sich so verdammt gemein an, wenn man es laut sagt. Als ich ihn herumriß, um ihn zu verprügeln, habe ich ihm den Arm gebrochen. Drei Monate später gab ich das Trinken auf. Ich habe seitdem nichts mehr angerührt.
Ich wollte es tun. Irgendwie im Inneren hatte ich das Gefühl, daß ich ihm das zufügen wollte. Vielleicht sogar etwas Schlimmeres.« (p. 163)
Bis zur Mitte des Buches scheinen noch alle Möglichkeiten offen. Erst als das Hotel eingeschneit ist und ein Entkommen schwierig bis unmöglich, spitzen sich die Dinge zu. Die unheimlichen Vorfälle häufen sich, und es kommt die Badezimmerszene, vor der SK sich so fürchtet: (...)"

Zudem die folgenden Beiträge:

  • Simone Reißner: Beiträge zur Psychopathologie des modernen Alltagslebens – Teil 7 Unbewußte Motive bei Pornographiekonsumenten
  • Peter Priskil: Blick in eine alte Zeitschrift – Moritz und Freud

Zum Inhalt

Judith Funke
Das Unheimliche in den Erzählungen von Stephen King

Simone Reißner
Beiträge zur Psychopathologie des modernen Alltagslebens – Teil 7
Unbewußte Motive bei Pornographiekonsumenten

Peter Priskil
Blick in eine alte Zeitschrift – Moritz und Freud

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