Details
| Autor | Mitscherlich, Alexander (Text); Tàpies, Antoni (Original-Grafiken) |
|---|---|
| Herausgeber | Larese, Franz (Hg.) |
| Verlag | Erker |
| Auflage/ Erscheinungsjahr | 1978 |
| Format | 46 × 34,5 cm |
| Einbandart/ Medium/ Ausstattung | Halbleinen in Kassette |
| Seiten/ Spieldauer | 21 Seiten + 8 S. (Schutzumschlag) |
| Abbildungen | 4 doppelblattgroße Originallithographien sowie 1 Lithographie des Künstlers auf dem Titel |
| SFB Artikelnummer (SFB_ID) | SFB-000452_VZ |
Eines von 200 (Gesamtauflage 240) Exemplaren der von Alexander Mitscherlich (1908-1982) und Antoni Tàpies (1923-2012) im Impressum signierten bibliophilen Ausgabe auf Rives-Bütten, hier die ganz frühe Ausgabennummer 008. - Die anliegende Schallplatte (LP) mit dem von Alexander Mitscherlich gesprochenen Text seines Vortrags „Sinnieren über den Schmutz", die er 1974 anläßlich des „Erker-Treffen 2" in St. Gallen hielt und für die vorliegende Ausgabe eigenhändig auf Stein schrieb, liegt dieser Edition an.
Details zu dieser limitierten Lünstleredition:
Diese bibliophile und in einer Kleinauflage von 200 Exemplaren im Handdruck erschienenen Edition bietet und umfaßt:
- Acht farbige Original-Lithografien Antoni Tàpies, davon eine auf dem Umschlag sowie eine einfarbige auf dem Titel,
- zudem drei doppelblattgroße Original-Grafiken des Künstlers mit Papierapplikationen;
- sowie eine Langspielplatte (LP) Mit dem O-Ton des Textes aus dem Munde Alexander Mitscherlichs.
- Format der Mappe: 46,0 x 34,0 cm.
- Inhalt: 15 Doppelbogen, lose im Original-Umschlag.
- Mappe aus Pappe mit Rückentitel und geborgen in einem stabilen Schuber in Halbleinwand.
- Auflage: 240 Exemplare, von denen 200 arabisch (1/200 - 200/200) und 40 römisch (I/XL -XL/XL) nummeriert sind.
- Druck: Werkstätten der Erker-Presse, Franz Larese und Jürg Janett (St. Gallen) auf Rives-Bütten.
- Erscheinungsdatum: 1976/78
- Werkverzeichnis Galfetti 647-655
- Im Druckvermerk von Künstler und Autor signiert.
Hintergrund des Projektes und Details:
"Sinnieren über Schmutz" lautet der Titel einer Rede von Alexander Mitscherlich, die er anlässlich des "Erker-Treffen 2" 1974 in St. Gallen hielt. Für die vorliegende Galerieausgabe hat Alexaander Mitscherlich den Text seiner Rede eigenhändig auf Stein geschrieben. Antoni Tàpies schuf dazu die oben erwähnten 9 Original-Lithografien.
Alle Exemplare dieser Edition sind im Impressum vom Autor und vom Künstler signiert und jedem ist eine Schallplatte beigelegt, auf der Alexander Mitscherlich im O-Ton seinen Text spricht. Die rückseitige Plattenhülle zeigt ganzseitig eine Porträtfotografie Alexander Mitscherlichs.
Weitere Hintergrundinformationen zu diesem Projekt der ERKER-Galerie:
"Bei dem Erker-Treffen 2 . hatte Alexander Mitscherlich eine Rede gehalten mit dem Titel 'Sinnieren über Schmutz'. Vier Jahre später spiegelt Antoni Tapies diesen Text in einer Folge von acht Lithografien, geschaffen in einer innovativen, Aspekte von Collage und Frottage aufgreifenden Technik, und antwortet Mitscherlichs Gedanken mit einer Evokation seiner eigenen Welt der einfachen und armen Dinge des Alltags."
M. Bärmann, ´Der gelebte Traum von Wort und Bild. Der Erker zu St. Gallen und die Bibliophilen Bücher`. In: Librarium 2008/1. Seiten 46 ff.
Punlikationsgeschichte von ´Sinnieren über Schmutz`
Die Vorarbeiten zu diesem in St. Gallen gehaltenen Vortrag und der nachfolgend entstandenen Vorzugsausgabe publizierte Alexander Mitscherlich in einem gleichnamigen Beitrag ´Sinnieren über Schmutz` bereits im Jahr 1970 in der Ausgabe 271 der Zeitschrift Merkur.
Hier eine Textprobe dieses Beitrages:
"Schmutz, Unordnung und Anarchie gegenüber kann man nicht unparteiisch bleiben. Hier scheiden sich die Geister, und zwar, wie man weiß, auf die heftigste Weise. Schmutz entzieht sich aber auch systematischem Denken, das ist eine andere seiner Tücken. Man steht neben der Kommode, schräger Lichteinfall, der Grauschleier des Staubs wird sichtbar, wir wischen mit dem Finger, eine Spur. Uber die Kommode läßt sich reden, sie ist niederrheinischer Barock, Nußbaum. Aber Schmutz ist zufällig. Er fällt aus der Luft, gleichmäßig und ungerufen. Er ist beleidigend. Er ist herausfordernd: wisch das mal ab. Beim Frühstück der Eierfleck auf der Weste: Ist das eigentlich Schmutz oder bloß ein Malheur? Ich habe das Ei unfreiwillig auf die Weste gebracht. Aber abends beim Heimkommen, der Kaugummi am Absatz oder das Schmieröl auf dem hellen Regenmantel, das ist Schmutz. Ich weiß nicht, wie er hinkam, er hat sich abgesetzt und angeklebt. Schmutz macht Ärger, Reinigung kostet Zeit und Geld. Wo er ist, ist Unordnung. Meine Nachbarin nimmt morgens einen Schnaps und dann das Staubtuch. Sie haßt Unordnung, sie haßt Leidenschaft. Davon sieht sie nur den Schmutz, den diese machen könnte. Rückbleibsel von Exzeß und Orgie. Entsprechend ist Politik für sie Polizei und Kampf gegen den Schmutz auf allen Schauplätzen. So allein ist sie mit ihrer Meinung nicht. Heller Wintermittag, glasig zersprungenes Eis auf den Wegen, Glätte. Mir geht die Hausaufgabe nicht aus dem. Sinn: Was hat es mit dem Schmutz auf sich in dieser hygienischen Zeit? Schmutz wird beseitigt, bekämpft, verhindert oder vermehrt, vertuscht. Man kann ihn durch die Fingerprobe, wie beschrieben, nachweisen, aber manchmal hält er sich unsichtbar. Wie Korruption, bei der Geld statt Schmutz an den Fingern kleben bleibt. Er kann gezielte Aktion auslösen: Großreinemachen, auch politisches. Mich stürzt er in Ratlosigkeit. Heller Wintermittag. Das Licht ist fast grell auf dem vereisten Schnee. Da sagt M. mit ausholender Bewegving: Diese Klarheit muß dich doch stören, wenn du über den Schmutz sinnierst? Wir waren auf dem Rückweg unseres Neujahrsbesuches bei einem afrikanischen Flußpferd, das sich unfreiwilligerweise in unserer Nachbarschaft aufhält. Wie man weiß, nimmt das Flußpferd Besitz von seinem Territorium durch Absetzen von Kot. Im eignen Kotwasser fühlt es sich wohl — im sauberen geht es ein. Saubermann als Zoodirektor hat das erfahren müssen. Trotz Sonnenschein waren wir übrigens traurig, denn das weibliche Flußpferd war seit unserem letzten Besuch verstorben. Unvernünftige Besucher hatten es mit Unverträglichem gefüttert. Die Einstellung kann ich mir gut zusammenreimen: Das Vieh in seinem Dreck, das kann doch alles fressen. Elende Schmutzignoranten waren das. (...)"
Der Autor
Alexander Mitscherlich, geboren am 20. September 1908 in München, gehört zu den großen kritischen Gelehrten der Bundesrepublik Deutschland. Von 1960 bis 1976 leitete der Mediziner und Psychoanalytiker das von ihm gegründete Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt am Main. Seine Bücher ´Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft` (1963), ´Krankheit als Konflikt` (1966) und ´Die Unfähigkeit zu trauern` (zusammen mit Margarete Mitscherlich-Nielsen, 1967) lösten tiefgreifende Diskussionen aus. 1969 erhielt Alexander Mitscherlich den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Alexander Mitscherlich starb am 26. Juni 1982 in Frankfurt am Main.
Der Künstler
Der katalanische Maler, Grafiker und Bildhauer Antoni Tàpies (1923-2012) zählt zu den bekanntesten Künstlern des Informel. Zunächst fand seine Malerei Inspiration bei Künstlern wie Vincent van Gogh und Pablo Picasso, später wurde seine Kunst dann auch von Surrealisten wie Miró, Ernst und Klee beeinflusst. Mit gewöhnlichen Naturprodukten wie Erde, Metallen oder auch Sand sowie unterschiedlicher Vervielfältigungstechniken schaffte er einzigartige Werke, die von besonderer Materialhaftigkeit zeugen.
Internationalen Ruhm erlangte Tàpies in den fünfziger Jahren. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, weltweit in großen Museen ausgestellt und lernte in New York Künstler wie Franz Kline und Willem de Kooning kennen. Später stellte er dort auch mit Joseph Beuys, Yves Klein, Piero Manzoni, Jean Tinguely und Günther Uecker gemeinsam aus. Hierfür arbeitete er z.B. 1965 36 Lithografien für das Künstlerbuch „Nouvel-la“. 1984 gründete er in Barcelona die Stiftung Fundació Antoni Tàpies zur Förderung der modernen Kunst und Kultur, die noch heute Ausstellungen, Symposien und Filmreihen verbindet und über eine der vollständigsten Tàpies-Sammlungen verfügt. Sie widmet sich in wechselnden Austellungen auch Werken anderer zeitgenössischer Künstler.
Heute gehören Tàpies' Arbeiten mit zu den begehrtesten seiner Zeit und erzielen weltweit hohe Preise. Für den Tápoes war Geld indes nie von Wichtigkeit. Zeitlebens orientierte er sich an einer buddhistischen Haltung und wandte sich mit der Klage von einer modernen Gesellschaft ab, dass in ihr nur von Geld die Rede sei. Sich selbst betrachtete er als Realist, der versucht, die Wirklichkeit einzufangen und für andere begreifbarer zu machen, während bekannte Kunstkritiker ihn als großes Genie der Abstraktion würdigten. Seine Druckgrafiken nehmen bis heute den Großteil seines Oeuvres ein und sind viel gefragt.
Zu dieser Kassette
Das Werk bietet einerseits den von Alexander Mitscherlich eigenhändig in Stein geschriebenen und auf Rives Bütten gedruckten Text eines Vortrages aus dem Jahre 1978, in dem er sich ungewohnt temperamentvoll im Vortrag des Themas ›Schmutz‹ unter psychoanalytischer Perspektive annimmt.
Mitscherlichs Text wird dabei kongenial illustriert durch acht Originallithographien von Antoni Tàpies, die dieser in enger Abstimmung mit dem Autor eigens für diese Edition geschaffen hat. Der Kassette liegt ferner eine Schallplatte bei, auf der Alexander Mitscherlich seinen Text in beeindruckender Weise vorträgt.
Auszüge aus einer Pressemitteilung des Goethe-Instituts Barcelona ANTONI TÀPIES. SINNIEREN ÜBER SCHMUTZ – EINE ANNÄHERUNG AN DIE EDITIONEN DES KÜNSTLERS (o.J.):
"(...) Antoni Tàpies war wie viele Katalanen seiner Generation ein passionierter Leser und Bücherfan. Immer wieder sind anspruchsvolle bibliophile Projekte des Künstlers entstanden. Hierfür hat Tàpies mit zahlreichen berühmten Autoren, Dichtern und Philosophen zusammengearbeitet. Tàpies liebte die deutsche Kultur, doch verstand er die Sprache nicht genau, was zunächst engere Kooperationen erschwerte. Im Zentrum des Vortrags steht daher die Zusammenarbeit des Künstlers mit dem deutschen Psychoanalytiker und Schriftsteller Alexander Mitscherlich.
Alexander Mitscherlich (1908 - 1982) war ein deutscher Arzt, Psychoanalytiker, Hochschullehrer und Schriftsteller. Vor allem sein Werk „Die Unfähigkeit zu trauern“, das er 1967 zusammen mit seiner Ehefrau Margarete Mitscherlich veröffentlichte, prägte die Debatten zum Umgang mit dem Erbe des Nationalsozialismus und der eigenen und kollektiven Verstrickung in Schuld und Zerstörung in Deutschland.
Zwischen 1976 und 1978 entstand das wunderbare Projekt mit Tàpies Sinnieren über Schmutz mit dem selbigen Text von Alexander Mitscherlich. Dieses Projekt erschien in der Erker-Presse in St. Gallen. Entstanden sind drei verschiedenen Editionen des Werkes. Neun Lithografien steuerte Tàpies zum Buch bei (Abb.54) bei, zehn für die zugehörige Mappe (Abb.55) mit losen Blättern. - Zudem entstand eine Tonaufnahme, die 1979 als Langspielplatte vertrieben wurde. Sie bietet im O-Ton den beeindruckenden Vortrag ´Sinnieren über Schmutz` an, in dem Alexander Mitscherlich ihn selbst spricht und sich auf faszinierende Weise und in ungewohnt temperamentvollem Vortrag des Themas ´Schmutz` unter psychoanalytischer Perspektive annimmt. (...)"
Aus der Ankündigung des Goethe-Instituts eines gleichnamigen Vortrags der Kunsthistorikerin Dr. Sabine Maria Schmidtor, Chemnitz
Lieferbarkeit und Erhaltungszustand
Die SFB Kunstabteilung verfügt über ein ausgezeichnet erhaltenes Exemplar dieses Mappenwerkes mit einer ganz frühen Ausgabe-Nummer (No 008), stammend aus einer renommierten Privatsammlung. Der stabile Pappschuber ist mit Blick auf sein Alter in einem sehr gutem Erhaltungszustand, mit allenfalls minimalen Lagerungsspuren. Die Bögen mit den Originalgarfiken und dem handschriftlich von Alexander Mitscherlich niedergeschriebenen Text seines Vortrage sind ebenfalls von ausgezeihneter Erhaltung, die Druckbögen sind frisch und die Farbwiedergabe der Grafiken ausgezeichnet.- Eine gesuchte und inzwischen extrem seltene Ausgabe. Für KunstfreundInnen und an der Psychoanalyse Interessierte gleichermaßen ein ästhetischer und inhaltlicher Genuß; zudem ein wertstabiles Invest.
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