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Autor Freud, Sigmund
Herausgeber Hirschmüller, Albrecht (Hg.)
Verlag FISCHER Taschenbuch
Auflage/ Erscheinungsjahr 4. Aufl. 01.07.1996
Format 19 × 12,6 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Paperback
Seiten/ Spieldauer 192 Seiten
Gewicht 149
ISBN 9783596104581

»Wehe, Prinzesschen, wenn ich komme. Ich küsse Dich ganz rot und füttere Dich ganz dick, und wenn Du unartig bist, wirst Du sehen, wer stärker ist, ein kleines, sanftes Mädchen, das nicht isst, oder ein großer, wilder Mann, der Cocain im Leib hat. In meiner letzten schweren Verstimmung habe ich wieder Coca genommen und mich mit einer Kleinigkeit wunderbar auf die Höhe gehoben. Ich bin eben beschäftigt, für das Loblied auf dieses Zaubermittel Literatur zu sammeln.«

Der 28jährige Sigmund Freud in einem Brief an seine Verlobte Martha Bernays vom 2. Juni 1884:

Zu diesem Büchlein

Die zwischen 1884 und 1887 veröffentlichten Kokain-Schriften Freuds gehören zu seinen Frühwerken. Sie sind in einer krisenhaften Lebenszeit entstanden: dem in seiner beruflichen Existenz noch nicht gesicherten jungen Arzt war daran gelegen, mit einer aufsehenerregenden Leistung sich rasch einen Namen zu machen, um sich niederlassen, heiraten und einen Hausstand gründen zu können.

Freud begann daher, mit dem damals in Europa noch weithin unbekannten Alkaloid Kokain Versuche an sich selbst und anderen zu machen und es bei Patienten für die Bekämpfung von Schwäche- und Verstimmungszuständen sowie bei der Morphiumentziehung einzusetzen. Zunächst anscheinend mit Erfolg, bald aber wurde ihm vorgeworfen, er habe die gefährlichen süchtigmachenden Eigenschaften des Kokains verkannt. Bis auf die erste hat Freud seine Kokain-Veröffentlichungen später selbst äußerst kritisch betrachtet; er sprach von 'Allotrion' und 'Jugendsünden'.

In der Sekundärliteratur werden sie als der vielleicht umstrittenste Teil des Oeuvres kontrovers diskutiert. Es gibt Autoren, die in den Freudschen Selbstversuchen Vorstudien zu der in der späteren Selbstanalyse geübten Introspektion erkennen - die dosierte Einnahme der Droge habe überdies den Zugang zum eigenen Unbewußten erleichtert -; andere entdecken im Freud der Kokain-Phase einen der Begründer der modernen Psychopharmakologie. Gerade in jüngster Zeit hat es aber an vehementen Attacken nicht gefehlt: Freud habe in dieser Zeit wissenschaftlich unsolide gearbeitet und klinisch voreilig gehandelt.

Der renommierte Medizinhistoriker Albrecht Hirschmüller hat die im Originalwortlaut bisher verstreuten und teilweise nie mehr nachgedruckten Kokain-Schriften nicht nur erstmals kritisch ediert; in seiner Einleitung hat er den historischen Hintergrund, auf dem Freud seine Kokain-Forschungen betrieb, so sorgsam rekonstruiert, daß es dem Leser ermöglicht wird, sich ein ausgewogenes eigenes Urteil zu bilden.

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