Details
| Autor | Freud, Sigmund |
|---|---|
| Verlag | Internationaler Psychoanalytischer Vlg., Wien |
| Auflage/ Erscheinungsjahr | 1922, EA |
| Format | 17,0 × 10,0 cm |
| Einbandart/ Medium/ Ausstattung | Privater Lwd.-Band |
| Seiten/ Spieldauer | 273 Seiten |
| SFB Artikelnummer (SFB_ID) | SFB-009106_AQ |
Inhalt des Bandes
- I. Aus der Geschichte einer infantilen Neurose*) 1
- II. Zur Vorgeschichte der analytischen Technik 141
- III. Wege der psychoanalytischen Therapie 146
- IV. Über die Psychogenese eines Falles von weiblicher Homosexualität 159
- V. „Ein Kind wird geschlagen“ 195
- VI. Das Unheimliche 229
*) Diese Arbeit, die die „Vierte Folge“ der „Sammlung kleiner Schriften zur Neurosenlehre“ (1. Auflage 1918) abschloß, wurde in der zweiten Auflage (1922) der „Vierten Folge“ – mit Rücksicht auf die Handlichkeit des Bandes – weggelassen und daher in vorliegende „Fünfte Folge“ herübergenommen.
Textprobe aus ´Das Unheimliche`
I.
"Der Psychoanalytiker verspürt nur selten den Antrieb zu ästhetischen Untersuchungen, auch dann nicht, wenn man die "Ästhetik nicht auf die Lehre vom Schönen einengt, sondern sie ‚als Lehre von den Qualitäten unseres Fühlens beschreibt. Er arbeitet in anderen Schichten des Seelenlebens und hat mit den zielgehemmten, gedämpften, von so vielen begleitenden Konstellationen abhängigen Gefühlsregungen, die zumeist der Stoff . der Ästhetik sind, wenig zu tun. Hie und da trifft es sich doch, daß er sich für ein bestimmtes Gebiet der Äthetik interessieren muß, und dann ist dies gewöhnlich ein abseits liegendes, von der ästhetischen Fachliteratur vernachlässigtes.
Ein solches ist das ‚„Unheimliche“, Kein Zweifel, daß es ‘zum Schreckhaften, Angst- und Grauenerregenden gehört, und ebenso sicher ist es, daß dies Wort nicht immer in einem scharf ‚zu bestimmenden Sinne gebraucht wird, so daß es eben meist mit dem Angsterregenden überhaupt zusammenfällt. Aber man darf doch erwarten, daß ein besonderer Kern vorhanden ist, der die Verwendung eines besonderen Begriffswortes rechtfertigt. Man möchte wissen, was dieser gemeinsame Kern ist, der etwa gestattet, innerhalb des Ängstlichen ein „Unheimliches“ zu . unterscheiden. | 4 Darüber findet man nun so viel wie nichts in den ausführlichen Darstellungen der Ästhetik, die sich überhaupt lieber mit den schönen, großartigen, anziehenden, also mit den positiven Gefühlsarten, ihren Bedingungen und den Gegenständen, die sie hervorrufen, als mit den gegensätzlichen, abstoßenden, peinlichen beschäftigen. Von seiten der ärztlich-psychologischen Literatur kenne ich nur die eine, inhaltsreiche aber nicht erschöpfende, Abhandlung von E, Jentsch (Zur Psychologie des Unheimlichen, Psychiatr.-neurolog. Wochenschrift 1906, Nr, 22 u. 23). Allerdings muß ich gestehen, daß aus leicht zu erratenden, in der Zeit liegenden Gründen die Literatur zu diesem kleinen Beitrag, insbesondere die fremdsprachige, nicht gründlich herausgesucht wurde, weshalb er denn auch ohne jeden Anspruch auf Priorität vor den Leser tritt.
Als Schwierigkeit beim Studium des Unheimlichen betont Jentsch mit vollem Recht, daß die Empfindlichkeit für diese Gefühlsqualität bei verschiedenen Menschen so sehr verschieden angetroffen wird. Ja, der Autor dieser neuen Unternehmung muß sich einer besonderen Stumpfheit in dieser Sache anklagen, wo große Feinfühligkeit eher am Platze wäre. Er hat schon lange nichts erlebt oder kennen gelernt, was ihm den Eindruck des Unheimlichen gemacht hätte, muß sich erst in das Gefühl hineinversetzen, die Möglichkeit desselben in sich wachrufen. Indes sind Schwierigkeiten dieser Art auch auf vielen anderen Gebieten der Ästhetik mächtige; man braucht darum die Erwartung nicht aufzugeben, daß sich die Fälle werden herausheben lassen, in denen der fragliche Charakter von den meisten widerspruchslos anerkannt wird. -
Man kann nun zwei Wege einschlagen: nachsuchen, welche Bedeutung die Sprachentwicklung in dem Worte „unheimlich“ niedergelegt hat, oder zusammentragen, was an Personen und Dingen, Sinneseindrücken, Erlebnissen und Situationen das Gefühl des Unheimlichen in uns wachruft, und den verhüllten Charakter des Unheimlichen aus einem allen Fällen Gemeinsamen erschließen. Ich will gleich verraten, daß beide Wege zum nämlichen Ergebnis führen, das Unheimliche sei jene a Art des Schreckhaften, welche auf das Altbekannte, Länest| vertraute zurückgeht. Wie das möglich ist, unter welchen Bedingungen das Vertraute unheimlich, schreckhaft werden kann, das wird aus dem Weiteren ersichtlich werden. Ich bemerke noch, daß diese Untersuchung in Wirklichkeit den Weg über eine Sammlung von Einzelfällen genommen und erst später die Bestätigung durch die Aussage des Sprachgebrauches gefunden hat. In dieser Darstellung werde ich aber den umgekehrten Weg gehen.
Das deutsche Wort „unheimlich“ ist offenbar der Gegensatz zu heimlich, heimisch, vertraut und der Schluß liegt nahe, es sei etwas eben darum schreckhaft, weil es nicht bekannt und vertraut ist. Natürlich ist aber nicht alles schreckhaft, was neu und nicht vertraut ist; die Beziehung ist nicht umkehrbar. Man kann nur sagen, was neuartig ist, wird leicht - schreckhaft und unheimlich; einiges Neuartige ist schreckhaft, durchaus nicht alles. Zum Neuen und Nichtvertrauten muß erst etwas hinzukommen, was es zum Unheimlichen macht, (....)"
Zum Erhaltungszustand
Im Klassischen Fachantiquariat der SFB die ausnehmend seltene ledergebundene Variante der Kleinoktav-Ausgabe der Schriften Sigmund Freuds. Der Ledereinband mit schöner Patina, glänzend und mit einigen sichtbaren Gebrauchsspuren insbesondere am Buchrücken; am Vorsatz ist die Falz leicht gelöst; ihnen gut und ohne Anmerkungen, Anstreichungen oder Stempel.
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