Details

Herausgeber Marcus Coelen, Camilla Croce, Judith Kasper, Arnd Wedemeyer, Mai Wegener (Hg.)
Verlag Selbstverlag
Auflage/ Erscheinungsjahr 2026
Format 19 × 12.5 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Paperback
Seiten/ Spieldauer 336 Seiten
Abbildungen Mit Abb.
Gewicht 394
Reihe RISS, Band 101
SFB Artikelnummer (SFB_ID) SFB-010938_RISS_101

Aus dem Editorial zu dieser Ausgabe

"Johann Peter Hebels bekannte Kalendergeschichte Kannitverstan (1809) zeigt auf, dass aus der Situation des Antworten-müssens - in die die Leser des literarischen Textes sich gestellt sehen wie mutatis mutandis die Psychiater gegenüber den Patienten und im Ausbildungszusammenhang die Lernenden - nicht auch die Fähigkeit des Antwortenkönnens folgt, so wenig wie das Verstehen in dem Sinne auf das Nichtverstehen folgt, dass es dieses gleichsam restlos ersetzte. Gerade wenn der Text, der Analysant, der Lerngegenstand kein Fremder (mehr) ist, weil wir angefangen haben,ihn zu verstehen, bleibt er doch ein Anderer. Anders gesagt: In dem Maße, wie wir ihn verstehen, verstehen wir ihn auch nicht (und nicht etwa nur noch nicht) - wir missverstehen ihn nicht, sondern er entzieht sich radikal unserem Verstehen. »[A]uf dem seltsamsten Umweg kam ein deutscher Handwerksbursche in Amsterdam durch den Irrtum zur Wahrheit und zu ihrer Erkenntnis.« So fasst der Autor von Kannitverstan selbst dessen Inhalt im zweiten Satz zusammen. In der folgenden Geschichte, die die Wahrheitssuche des Lehrlings beschreibt, entspricht - so scheint es zumindest - der Wissenszuwachs des Protagonisten (jene nachweisliche, d. h. messbare Einsicht, zu der er im Laufe der Erzählung gelangt) ziemlich genau der idealtypischen Erkenntnis im Sinne einer dem hermeneutischen Paradigma Jaspers’scher (und anderer) Prägung verpflichteten Psychotherapie: (....)"

Die Beiträge dieser Ausgabe

R.Boelderl, PeterWidmer: Editorial: Lacanitverstan? Lehren nach Lacan

Die Beiträge

  • PeterWidmer: Didaktik und Deixis
  • Jean-Marie Weber: Schulabbrecher im Zweischritt
  • UlrikeKad: Von der Codevermittlungzur ÜbersetzungLacan lehren – nicht ohne Laplanche
  • GabrielTupinambá: Es gibt keinen WisstriebEmanzipation undInstitutionalisierung vonJacques Rancière bis SlavojŽižek
  • Beat Manz: Schule, Begehren, Gesetz
  • Jonas Borer: Wo ist der Klassenfeind? Ein filmanalytischer Zugang zu einer pädagogischen Ethik des Realen
  • Karl-Josef Pazzini: Es zeigt sich 

Rezensionen

  • Sergio Benvenuto: Lacan, Kris and the Psychoanalytic Legacy. The Brain Eater; rezensiert von Steffen Krüger
  • Cynthia Fleury: Hier liegt Bitterkeit begraben. Ressentiments und ihre Heilung, rezensiert von Alissa Geffert
  • Avgi Saketopoulou, Sexuality beyond Consent.Risk, Race, Traumatophilia, rezensiert von Hannes Halter
  • Siegfried Zepf; DietmarSeel: Von der Gesellschaftim Subjekt. Historischer Materialismus und Psychoanalyse, rezensiert von Hauke Kromminga
  • Kai Rugenstein: Übertragung, rezensiert von Karl-JosefPazzini
  • Abstracts / Autor*innen / Heftankündigungt

Zum Konzept dieser Zeitschrift

RISS. Zeitschrift für Psychoanalyse, bisweilen mit dem Namenszusatz »(Freud – Lacan)« veröffentlicht, wurde von Peter Widmer und anderen 1986 in der Schweiz als internationale Zeitschrift des deutschsprachigen lacanianischen Feldes gegründet und erschien zuerst im Selbstverlag des Autors. Später (zwischen 1998 und 2013) fand sich im Wiener Verlag Turia + Kant, der sich der Publikation insbesondere kultur- und kunstwissenschaftlicher Bücher und denen von und zu Jacques Lacan verschrieben hat, ein erstrangiger Fachverlag. Nach einem kurzen und aufgrund des wenig praktischen Standortes in der Schweiz gescheiterten Intermezzos war der RISS zuletzt (2018–2023) beim Verlag Textem in Hamburg erschienen. - Es sah so aus, als sei die Ära für die Printausgaben dieser Zeitschrift damit an ihr Ende gekommen, denn solche (kosten-)aufwendigen Projekte benötigen eine solide und umfassende Finanzierung, sprich: einen finanzkräftigen Verlag und insbesondere hinreichend große Käufer- und AbonnentInnenzahlen.

»Sein oder Nichtsein?« Das war vor den ökonomischen Realitäten des Projektes eigentlich keine Frage mehr. Die Redaktion, die Gruppe der Autorinnen und Autoren und andere haben sich vor diesem ernüchternen Befund jetzt gleichwohl dafür entschieden, ›back to the roots‹ zu gehen, die Zeitschrift also wieder unter eigener Regie im Selbstverlag herauszugeben und auf eine nennenswerte Bezahlung ihrer Arbeit weitestgehend zu verzichten. - So konnte das Jubiläumsheft des RISS mit der Nr. 100 Anfang des Jahres nun doch als gedruckte Ausgabe erscheinen und das nächste Heft ist bereits ebenfalls in Arbeit.

​Als Leserinnen und Leser wünschen sich die HerausgeberInenn "neben praktizierenden Psychoanalytikern jene, die dort arbeiten, wo etwas unerhört ist. Nicht nur Sprachwissenschaftler, Philosophen, Künstler, Kulturschaffende, Pädagogen, Historiker, Ethnologen, sondern alle, die an Grenzen leben oder arbeiten. RISS ist weltweit in vielen Bibliotheken online oder physisch erhältlich und bleibt als Arbeitsinstrument weit über das Erscheinungsdatum hinaus aktuell."

Bezugshinweise

Die Ausgaben der Zeitschrift RISS können bei der SFB jederzeit zur Fortsetzung bezogen werden. Lt Redaktion erscheinen derzeit zwei Ausgaben p. a.

Zurückliegende, zum Teil rare Ausgaben des RISS, welche bis einschließlich Band 99 zuletzt im Verlag Textem erschienen sind, finden Sie zum Sichten und Bestellen auf SFB-Online in der Rubrik Fachzeitschriften HIER

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