Details
| Autor | Biebricher, Thomas; Cooper, Melinda; Moorstedt, Tobias; Haffert, Lukas; Jäger, Anton; Weigel, Moira |
|---|---|
| Herausgeber | Geiselberger, Heinrich (Hg.) |
| Verlag | Suhrkamp |
| Auflage/ Erscheinungsjahr | 11.03.2026 |
| Format | 17.8 × 10.8 cm |
| Einbandart/ Medium/ Ausstattung | Paperback |
| Seiten/ Spieldauer | 271 Seiten |
| Gewicht | 162 |
| Reihe | edition suhrkamp - es, Band 2813 |
| ISBN | 9783518128138 |
Zu diesem Reader
Als ein Donald Trump, vormals Talkmaster und bis heute erfolgreicher Spekulant am Immobilien- und Finanzmarkt, zum ersten Mal Präsident der USA wurde, machte ein Richard Rorty zugeschriebenes Zitat die Runde: Wenn die »kulturelle Linke«, so Rorty 1998, materielle Fragen weiterhin ignoriere, werde es einen Bruch geben – »something will crack«. »Ärmere Wähler« würden einen starken Mann an die Macht bringen. - So hellsichtig diese Prognose war, hatte diese Warnung bei »woken« Linken und den als abgehoben wahrgenommenen Demokraten nicht verfangen, Diese Realitätsverleugnung sollte sich bitte bitter rächen; nicht nur in den USA.
Geht man davon aus, dass Politiker wie Trump, Tino Chrupalla oder der tschechische Ministerpräsident Andrej Babiš sich auch selbst wählen, kommt schließlich eine andere »Klassenfraktion« in den Blick: konservative Männer, die ihr eigenes Unternehmen leiten. Aus diesem Milieu stammen nicht nur Vorläufer wie Silvio Berlusconi und Christoph Blocher, sondern auch Unterstützer wie etwa Elon Musk oder Peter Thiel. Genau diese Gruppe der kleinen und großen politischen Unternehmer nehmen die Beiträge in diesem Band unter die Lupe. Verfolgt wird dabei testweise die These, dass der Rechtspopulismus nicht in erster Linie eine spontane Revolte »ärmerer Wähler« darstellt, sondern ein gezielt vorangetriebenes Projekt.
Aus der Einleitung des Herausgebers
"Der vergessene Quadrant. - Die in diesem Band versammelten Essays sollen dazu beitragen, eine Schlagseite in der öffentlichen, aber auch in der wissenschaftlichen Diskussion über den Aufstieg des Rechtspopulismus1 zu korrigieren. Die allermeisten Beiträge zu dieser Debatte, so die Ausgangsbeobachtung, stellen auf die politische »Nachfrageseite« ab: Warum wählen Menschen Politiker wie Donald Trump oder Parteien wie die AfD? Warum gibt es Nachfrage nach ihrem politischen Angebot? In den Sozialwissenschaften lassen sich dabei grob drei Erklärungsansätze unterscheiden: ein politisch-ökonomischer, wonach Wähler gegen die negativen Folgen der Globalisierung im Sinne einer Öffnung für Migration sowie Kapital- und Güterströme aufbegehren; ein im engeren Sinne politischer, der die mangelnde Responsivität des politischen Systems für die Anliegen der unteren Einkommensklassen sowie den Umstand in den Vordergrund rückt, dass Verfassungen und die Regeln internationaler Organisationen demokratisch gewählten Parlamenten immer weniger Gestaltungsspielraum lassen; und drittens ein kultureller, laut dem der Aufstieg des Rechtspopulismus einen »Backlash« gegen Liberalisierungsprozesse darstellt.
In den Medien und in der breiteren Öffentlichkeit übersetzt sich die grundsätzliche Logik dieser nachfrageorientierten Ansätze oft in das Narrativ einer Art Bürgerkrieg zwischen zwei Milieus: den »Woken«, also akademisch gebildeten urbanen Mittelschichten mit progressiven liberalen Werten, die in der englischsprachigen Welt auch als Angehörige der »professional-managerial class« (PMC) firmieren;5 und den »Verlierern« (der Globalisierung, der Liberalisierung), die gegen die moralische Arroganz der »Woken« revoltieren, wobei nicht immer ganz klar ist, welche Gruppen dieser Kategorie der »Verlierer« jeweils genau zugerechnet werden. Dies wiederum mag damit zu tun haben, dass unterschiedliche Sprachen hier unterschiedliche Wörter haben, die jeweils unterschiedliche Berufsgruppen bezeichnen (im Französischen etwa die »classes populaires«,6 im Englischen die »working class«, wobei beide Kategorieninsofernbreitersind als das deutsche »Arbeiterklasse«, als sie auch kleine Bauern, Handwerker und Einzelhändler, also das klassische »Kleinbürgertum«7 umfassen). Alternativpaare wären die »Kosmopoliten« und die »Kommunitaristen« sowie die »Anywheres« und die »Somewheres«.(...)"
Die Beiträge
- Einleitung: Der vergessene Quadrant
- Tobias Moorstedt: Heimat der Weltkleinbürger
- Moira Weigel:Elitärer Anti-Elitismus. Die lange Geschichte einer immer wieder bestechend neuen Idee
- Thomas Biebricher: Von Poujade über Berlusconi zu Trump. Eine Genealogie des libertären Patrimonialismus
- Melinda Cooper: Der Familienkapitalismus und die Revolte der Kleinunternehmer
- Lukas Haffert: Staatsabbau als Erfolgsformel. Wahlsoziologische Erkundungen im Grenzgebiet zwischen FDP und AfD
- Anton Jäger: Trumpismus als vierte Spielart kapitalistischer Ausnahmeherrschaft? Eine kurze Ideengeschichte klassentheoretischer Erklärungen
- Personenregister / Über die Beiträgerinnen und Beiträger
Die HerausgeberInnen
Thomas Biebricher ist Heisenberg-Professor für Politische Theorie, Ideengeschichte und Theorien der Ökonomie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Im Suhrkamp Verlag erschienen Die politische Theorie des Neoliberalismus und Mitte/Rechts. Die internationale Krise des Konservatismus.
Melinda Cooper ist Professorin für Soziologie an der Australian National University in Canberra. Zu Ihren Publikationen gehören die Werke Family Values: Between Neoliberalism and the New Social Conservatism, und Counterrevolution. Extravagance and Austerity in Public Finance.
Tobias Moorstedt ist freier Journalist und Mitgründer der Redaktionsagentur Nansen & Piccard. In der edition suhrkamp erschien 2008 Jeffersons Erben. Wie die digitalen Medien die Politik verändern.
Lukas Haffert ist Assoziierter Professor für vergleichende Politik am Institut für Politikwissenschaften und internationale Beziehungen der Universität Genf. In der edition suhrkamp erschien 2016 Die schwarze Null. Über die Schattenseiten ausgeglichener Haushalte. 2022 erschien bei C.H. Beckt Stadt, Land, Frust. Eine politische Vermessung.
Anton Jäger lehrt Geschichte des politischen Denkens und der politischen Theorie am Department of Politics & International Relations der University of Oxford. In der edition suhrkamp erschien 2023 Hyperpolitik. Extreme Politisierung ohne politische Folgen.
Moira Weigel ist Assistant Professor für Vergleichende Literaturwissenschaft an der Harvard University. Weigel ist Autorin des Buches Dating. Eine Kulturgeschichte und hat zusammen mit Ben Tarnoff den Band Voices from the Valley. Tech Workers Talk About What They Do – and How They Do It herausgegeben.
Heinrich Geiselberger arbeitet seit 2006 als Lektor im Suhrkamp Verlag. 2017 gab er in der edition suhrkamp den Band Die große Regression. Eine internationale Debatte über die geistige Situation der Zeit heraus.
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