Details

Autor Ludwig, Emil
Herausgeber Chotjewitz, Peter O. (Hg.)
Verlag März Verlag
Auflage/ Erscheinungsjahr Neuausgabe 1968
Format 20,3 × 13,5 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung OBrosch.
Seiten/ Spieldauer 209 Seiten, incl. Anhang
SFB Artikelnummer (SFB_ID) SFB-011462_AQ

Vorabdruck der kommentierten Neuausgabe des Buches aus 1986 in einer für die Presse und das Feuilleton bestimmten Sonderedition, die nicht für den Verkauf bestimmt war.

„»Wie konnten Sie das tun! Sie haben ja so gute Augen!« David aber sah ihr ins Gesicht und erwiderte: »Ich bin ein Jude, Das sollte genügen«.“

Zu diesem Buch

Am 4.2.1936 erschoß der jüdische Student David Frankfurter, in Davos den »Leiter der Landesgruppe Schweiz der NSDAP«, Wilhelm Gustloff. Frankfurter wurde in Chur zu achtzehn Jahren Zuchthaus verurteilt und 1945 nach Kriegsende entlassen. Er wanderte nach Palästina aus, wurde in Israel Staatsbeamter, Ehemann, Vater und Großvater« und starb 1982. Das Attentat und der anschließende Prozeß erregten großes internationales Aufsehen. Trotzdem ist der Fall Frankfurter/ Gustloff heute in Deutschland weithin vergessen.

Stimmen und Einordnungen zu dieser Veröffentlichung

"(...) Die Streitschrift beschäftigt sich mit dem politischen Mord David Frankfurters an Wilhelm Gustloff vom 04.02.1936. Das Attentat und der darauffolgende Prozess erhielten international eine hohe Beachtung. Emil Ludwig schrieb daraufhin sehr schnell das Werk Der Mord in Davos, in welchem der damals sehr bekannte Schriftsteller für den Angeklagten David Frankfurter eintritt. 1936 erschien das Werk erstmals im Querido Verlag in Amsterdam. Dieser Verlag gehört zu einem der bekanntesten Verlage, der Exilliteratur herausbrachte. Zu dieser Zeit durfte das Werk Ludwigs jedoch weder in die Schweiz noch in Deutschland eingeführt werden. 1945 erschien dann eine erweiterte Ausgabe unter dem Titel David gegen Goliath in der Schweiz. Diese Ausgabe ist im Vergleich zu dem Erstdruck um ein Vorwort und einen Epilog ergänzt. Auch diese Ausgabe konnte in Deutschland jedoch nicht erworben werden. Ein zusätzlicher Neudruck erschien 1986 durch den Herausgeber Helmut Kreuzer. Diese besteht sowohl aus dem Text von Emil Ludwig als auch aus einem Text von Peter O. Chotjewitz zum Attentatsfall David Frankfurters auf Wilhelm Gustloffs.

Der Text Ludwigs umfasst fünf Kapitel, die sich Stück für Stück, fast chronologisch, dem Attentat auf Wilhelm Gustloff nähern. In dem später ergänzten Vorwort erklärt Ludwig, warum er ein Werk zu diesem Attentat verfasst hat. Bereits zu Beginn dieses Vorwort stellt er klar, dass er Sympathien für den Mörder hegt, sodass dem Leser bereits zu Beginn die Richtung des Textes klar wird.

Das erste Kapitel trägt den Titel David und befasst sich intensiv mit der Person, die hinter dem Attentäter David Frankfurter steckt. Ein besonderer Fokus wird hier auf seine Kindheit gelegt. David Frankfurter war zu Zeit des Attentates im Jahr 1936 ein jüdischer Student, der in der Schweiz lebte. Frankfurter stammt aus Jugoslawien, ist Sohn eines Rabbiners und wurde deshalb früh in dem jüdischen Glauben erzogen. Das Kapitel macht deutlich, dass seine Religion bereits in seiner Kindheit einen hohen Stellenwert eingenommen hat und seine Religion ihn schon früh mit Stolz erfüllte. Besonders jüdische Feste wie der Sabbat wurden in seiner Familie groß zelebriert. Weiterhin werden in diesem Kapitel viele Vergleiche zwischen dem jungen David Frankfurter und dem biblischen David aus der alttestamentlichen Geschichte David gegen Goliath hergestellt. (...)"

Laura Drauschke, Annika Hohnhorst, auf: https://www.remarque.uni-osnabrueck.de/emil%20ludwig/Werke/Der%20Mord%20in%20Davos.htm

"Der Beifall, den das Buch bei seinem Erscheinen fand, und die Kontroverse, die es – auch außerhalb Nazi-Deutschlands, vor allem in der Schweiz und der Judenschaft – auslöste, zeigen, dass hier keine juristische, sondern eine moralische und politische Stellungnahme abgegeben wurde." 

Peter O. Chotjewitz in seinem Nachwort zur Neuausgabe dieses Buches im berühmten MÄRZ-Verlag (1989)

Weitere Informationen zu diesem Buchprojekt des Autors

"Emil Ludwig führte in den Jahren 1916 bis mindestens 1937 in kleinformatigen, ledergebundenen Agenden Tagebuch in Stenografieschrift. Seinem Sohn Gordon Ludwig ist es zu verdanken, dass heute zu sämtlichen der 29 im Schweizerischen Literaturarchiv erhaltenen «Diaries» sorgfältig angefertigte Transkriptionen vorliegen. Der hier in Rede stehende Eintrag belegt, dass Ludwig schon kurze Zeit nach dem tödlichen Attentat des jüdischen Studenten David Frankfurter an Wilhelm Gustloff, Leiter der Schweizer Landesgruppe der NSDAP, in Davos vom 4. Februar 1936 die Absicht hegte, ein Buch über diesen aufsehenerregenden Fall zu schreiben: «Früh Idee für den Mörder: seine Verteidigungsrede werde ich schreiben.» Die innerhalb weniger Monate zu Papier gebrachte Schrift Mord in Davos erschien noch im selben Jahr bei Querido, wurde jedoch nicht nur in Deutschland, sondern tatsächlich auch in der Schweiz aufgrund eines entsprechenden Verdikts des Bundesanwalts bis Kriegsende verboten. Man fürchtete offensichtlich die aussenpolitische Auseinandersetzung mit NS-Deutschland. Dass Ludwigs öffentliches Eintreten für Frankfurter in der zur Neutralität verpflichteten Schweiz Irritationen und offenbar auch eine gewisse Nervosität hervorrief, belegt unter anderem auch ein Brief des dem Autor sonst sehr gewogenen Bundesrats Giuseppe Motta vom 11. November 1936, in dem dieser schreibt: «Leider kann ich die Idee und den Zweck Ihres Buches nicht billigen. Sein Erscheinen kurze Zeit vor dem Prozess gegen Frankfurter ist […] vom Standpunkt unserer Landesinteressen eher zu bedauern.» (Nachlass Emil Ludwig, Schweizerisches Literaturarchiv SL

Quelle: https://kuenste-im-exil.de/KIE/Content/DE/Objekte/ludwig-emil-tagebuch.html?single=1

Der Autor

Emil Ludwig war mit seinen der "Historischen Belletristik" verpflichteten Biographien über Goethe, Napoleon, Bismarck, Wil-helm II und auch Sigmund Freud einer der bekanntesten und erfolgreichsten Autoren der Weimarer Republik und weltweit. Seine Werke wurden in 28 Sprachen übersetzt. Heut ist er unverständlicherweise vergessen. 1881 in Breslau als Sohn eines bekannten jüdischen Augenarztes geboren, studierte er Jura in Berlin und wurde aber nach der Promotion freier Schriftsteller und Journalist. Ludwig war u.a. mit Gerhart Hauptmann, Thomas Mann, Walter Rathenau und Erich Maria Remarque befreundet. Wegen des preußischen Militarismus übersiedelte er Anfang des 20.Jahrhunderts mit seiner Frau in die Schweiz. Wegen seiner links-demokratischen Positionierung und seiner jüdischen Herkunft wurde er einer der bestgehassten Feinde der Nationalsozialisten, die seine Bücher verboten und verbrannten. Die mögliche. Gefährdung durch die Nationalsozialisten selbst in der Schweiz liess ihn 1940 in die USA emigrieren, wo er u.a. zum deutschlandpolitischen Berater von Präsident Roosevelt avancierte. 1945 kehrte er nach Moccia zurück und strarb dort 1948.

Erhaltungszustand

Das Klassische Fachantiquariat der SFB verfügt über ein Exemplar der extrem seltenen Erstausgabe dieses Buches in noch recht guter Erhaltung. Der empfindliche Broschureinband leicht (stock-)fleckig und  randrissig, sowie am Fuss lädiert; der Schmutztitel fehlt (wohl) - vgl Fotos. Innen ohne Anmerekungen, Anstreichungen und alterungsgemäß noch gutem Zustand. - Ausnehmend Selten!

Kaufoption

32,80 €

mit Rabatt für Stammkunden