Details
| Autor | Canetti, Elias (1905-1994) |
|---|---|
| Verlag | Claassen |
| Auflage/ Erscheinungsjahr | 1960, EA |
| Format | 22,0 × 14,0 cm |
| Einbandart/ Medium/ Ausstattung | OBrosch. |
| Seiten/ Spieldauer | 568 (1) Seiten |
| SFB Artikelnummer (SFB_ID) | SFB-011383_AQ |
Wilpert/Gühring - WG 2,7 - Einbandgestaltung von Ute Zeiger. Gesetzt auf der Burgis-Linotype-Baskerville
Zu dieser Erstausgabe
„Nichts fürchtet der Mensch mehr als die Berührung durch Unbekanntes. Man will sehen, was nach einem greift, man will es erkennen oder zumindest einreihen können […] Alle Abstände, die die Menschen um sich geschaffen haben, sind von dieser Berührungsfurcht diktiert. […] Es ist die Masse allein, in der der Mensch von seiner Berührungsfurcht erlöst werden kann.“
Diese ersten Sätze aus Masse und Macht besagen nichts anderes, als daß der Mensch von Natur aus kein soziales Wesen sei. Nicht Empathie charakterisiert den Menschen, vielmehr die Furcht vor der Berührung diktiert sein Leben von Anbeginn. Befindet sich der Mensch in der Öffentlichkeit, verlangen zufällige Berührungen mit anderen Menschen nach einer Entschuldigung. Steht der Mensch im Aufzug, drängt er sich in eine Ecke, um nicht in Kontakt mit den Anderen zu geraten. Und das Einschließen in seine Häuser erscheint in dem Licht als ein Versuch des Menschen, sich dem bedrohlichen Fremden der Welt zu entziehen.
Kein Buch trifft die Problematik der gegenwärtigen Gesellschaft so zentral wie Masse und Macht. Auf die Fragen: »Was ist Macht und was ist Masse? Wie verhalten sich beide zueinander?« gibt Canettis umfassende, aus schier unendlichem Material – anthropologischen, soziologischen und historischen Quellen – erwachsene Untersuchung in unabhängigen, kühnen Thesen Antwort – in bester Kenntnis der Psychoanalyse, aber hier durchaus tiefer und weiterdringend.
»Den Plan zu einem Buch über ›Die Masse‹ faßte ich schon 1925, als ich 20 war, also lange vor der ›Blendung‹. Ich schrieb mir schon damals viel dazu auf und sammelte von überallher Material. 1931 erkannte ich, daß ein solches Buch ohne eine ergänzende Studie der Macht wertlos bleiben müßte, und erweiterte den Plan. So hat das Buch mich eigentlich 35 Jahre begleitet und 20 davon, in England, habe ich mich ausschließlich darauf konzentriert.« (Elias Canetti)
Hintergrund / Entstehungsgeschichte
"Canettis Zugang zu Massenphänomenen waren seine eigenen, prägenden Massenerlebnisse, die ihn zu dem Gedanken führten, dass es im Menschen einen Massentrieb gibt, der im Widerstreit zum Persönlichkeitstrieb steht. Rückblickend schrieb er in seiner Lebensgeschichte: „Daß etwas die Menschen dazu zwinge, zu Masse zu werden, schien mir offenkundig und unwiderlegbar, daß die Masse zu Einzelnen zerfiel, hatte nicht weniger Evidenz, ebenso daß diese Einzelnen wieder Masse werden wollten. [...] Was die Masse aber selbst wirklich war, das wußte ich nicht, es war ein Rätsel, das zu lösen ich mir vornahm.“ - Die Entstehungsgeschichte von Masse und Macht beginnt 1922 zu Anfangszeiten der Weimarer Republik. Anlässlich eines Demonstrationsmarsches nach der Ermordung des deutschen Außenministers Walther Rathenau hat der junge Elias Canetti sein erstes Massenerlebnis. Noch prägender sind ein Jahr später die erniedrigenden Erfahrungen der Inflation, von denen er rückblickend in Masse und Macht schreibt: „Die Inflation ist ein Massenphänomen im eigentlichsten und engsten Sinne des Wortes.[3] [...] In diesem Vorgang findet sich jene Eigenschaft wieder, die ich als besonders wichtig und auffallend bezeichnet habe: die Lust am rapiden und unbegrenzten Wachstum. Aber dieses Wachstum ist ins Negative gewendet.“ (...) - [Gekützt aus Wikipedia]
Der Autor
Elias Canetti wurde 1905 in Rustschuk / Bulgarien geboren, 1911 zog seine Familie nach England und 1913, nach dem Tod des Vaters, nach Wien. Hier studierte Canetti bis 1929 Naturwissenschaften und promovierte in Philosophie. Er lebte bis zu seinem Tod im Jahre 1994 als freier Schriftsteller in Zürich. Sein Werk wurde mit zahlreichen internationalen Preisen bedacht. 1981 wurde ihm der Nobelpreis für Literatur verliehen. Zu seinen herausragenden Werken zählt neben dem Roman Die Blendung seine Autobiographie, die in den Bänden Die gerettete Zunge, Die Fackel im Ohr und Das Augenspiel erschien, sowie seine gesammelten Aufzeichnungen aus den Jahren 1942 bis 1993, die in den Bänden Die Provinz des Menschen, Das Geheimherz der Uhr, Die Fliegenpein, Nachträge aus Hampstead und Aufzeichnungen 1992–1993 vorliegen.
Zum Erhaltungszustand
Das Klassische Fachantiquariat der SFB verfügt über ein sehr gut erhaltenes Exemplar der deutschsprachigen Erstausgabe in der inzwischen extrem seltenen Broschurvariante der EA. Unser Exemplar aus dem Vorbesitz eines Sammlers und offenbar allenfalls vorsichtig angelesen, innen ganz frisch. Auch der Bucheinband ist für das Alter ausnehmend gut. Am unteren Buchschnitt mit minimalen Lagerungsspuren. - Sehr selten
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