Details
| Autor | Heller, Frank (d.i. Martin Gunnar Serner) |
|---|---|
| Verlag | Grethlein & Co. Vlg, Leipzig - Zürich |
| Auflage/ Erscheinungsjahr | 1929, dt. EA |
| Format | 19 × 11,5 cm |
| Einbandart/ Medium/ Ausstattung | OLn. mit geprägtem Titel |
| Seiten/ Spieldauer | 243 Seiten |
| SFB Artikelnummer (SFB_ID) | SFB-011625_AQ |
Der Text ist in Frakturschrift gedruckt
Zu diesem Roman
Astrologie und Psychoanalyse treten zur Aufklärung eines „Falles" in friedlichen, wenn auch atemberaubenden Wettstreit. Erst ist es nur der Diebstahl eines Buches, daraus aber wird das Geheimnis um den Schatz, den Marco Polo vor 600 Jahren hinterlassen haben soll. Von der Nordsee bis Venedig jagt Dr. Zimmertür, der liebenswerte Amsterdamer Arzt, seinem Nebenbuhler, den Millionen und einer schönen Frau nach.
So beginnt dieser Roman
"An diesem Tage beschloß Dr. Joseph Zimmertür, Amsterdam, Heerengracht 124, ein Bad zu nehmen.
Seit einer Woche lagerte ein unerbittlicher Nebel über Holland. Er war so weiß wie Watte, er schmiegte sich dicht, dicht um rote Hausgiebel und grüne Kupferdächer, er ringelte sich um die Pappeln der Landstraßen und breitete sich wie eine Decke über die schlummernden Tulpenfelder. Man konnte glauben, daß ganz Holland ein Spielzeugland war, in Nürnberg verfertigt und für die Expedition mit der Weihnachtspost in Watte verpackt. Aber Weihnachten war längst vorbei. Wenn der Kalender recht hatte, war der weiße Nebel ein Dunstschirm, in dessen Schutz der Frühling gegen seinen Todfeind, den Winter, anrückte. Aber der Dunstschirm war kalt wie Eis, und die Bevölkerung an den Kanälen, die die Niederlage des Frühlings und neue Attacken von Rheumatismus fürchtete, trank sich nach der Väter Weise holländischen Mut an, teils aus schweren Tonkrügen mit der Inschrift Wacholder, teils aus tulpenförmigen Gläsern mit süßem, grünem Likör.
Was Dr. Zimmertür betrifft, so beschloß er, ein Bad zu nehmen.
Keiner von den 689 200 Einwohnern Amsterdams hatte an diesem Tage das Bedürfnis verspürt, sein Seelenleben analysieren zu lassen. Möglicherweise ließ das triste Wetter sie daran zweifeln, daß sie ein Seelenleben hatten, oder es trieb sie dazu, es auf eigene Faust mit Hilfe des Wacholders zu analysieren. Der Doktor schloß die Türe zu seinem leeren Ordinationszimmer und machte sich zur Badeanstalt auf.
Das Wetter war zu düster! Der Nebel lag wie ein Leichenkleid um Häuser und Menschen; er erstickte alle Laute und alles Licht; man konnte sich in den grauen Hades der Griechen versetzt glauben. Welches Land, dachte der Doktor, welches Land! Da wäre der Hades noch vorzuziehen, denn dort versammeln sich doch wenigstens berühmte Schatten, aber an diesen stygischen Gestaden versammeln sich nur Diamantenhändler, und über das Wasser dieser Kanäle werden keine Geister geführt, nur Edamer Käse. Eine schöne Frau würde in diesem Nebel wie eine Feuersäule aufleuchten, das ganze Volk würde ihr folgen, mit mir an der Spitze. Aber daß ich eine schöne Frau sah, ist ebensolange her, wie daß ich die Sonne sah. (...)"
Der Doktor rieb seine kleinen gepolsterten Hände, um das Blut in Bewegung zu bringen, und stampfte mit zwei kurzen Beinen auf den Boden, um sich zu erwärmen. – Die Sonne ist eine Mythe, und es ist eine Fabel, daß es schöne Frauen unter der Sonne gibt. Aber noch während er so schwarze Gedanken in seinem Herzen wälzte, kam das Dementi.
Der Autor
Frank Heller, eigentlich Martin Gunnar Serner, (* 20. Juli 1886 in Lösen Blekinge; † 14. Oktober 1947 in Malmö) war ein schwedischer Schriftsteller, der als erster erfolgreicher Krimiautor seines Landes gilt.
Heller besuchte das Gymnasium in Lund und studierte danach englische Philologie an der Universität Lund. 1910 folgt die Promotion über Algernon Swinburne. Nach einigen Betrugsversuchen wurde er als Verbrecher gesucht und floh aus seiner Heimat. Dabei legte er sich unter anderen das Pseudonym Frank Heller zu. Nachdem er das unrechtmäßig erworbene Geld beim Glücksspiel in Monte Carlo verlor, begann er seinen Lebensunterhalt als Schriftsteller zu verdienen. 1914 erschien die Kurzgeschichtensammlung Herrn Collins Abenteuer (Herr Collins affärer i London). Der Titelheld Filip Collin ist teilweise autobiographisch angelegt: Herr Collin flieht wegen Bankbetrugs nach London und betätigt sich dort als erfolgreicher Trickbetrüger. Es folgen weitere Geschichten um Filip Collin. Ein anderer Seriencharakter Hellers ist der jüdische Psychoanalytiker und Hobbydetektiv Dr. Joseph Zimmertür, der in Amsterdam Kriminalfälle löst.
1919 war Heller in der Lage, seine Schulden zu bezahlen, und konnte daher die Straffreiheit zurückerlangen. Im folgenden Jahr heiratete er die dänische Krankenschwester Annie Krag und lebte mit ihr an verschiedenen Orten, u.a. in als Zeitungskorrespondent in Rom sowie in Menton und auf Bornholm.
Quelle: Wikipedia
Zum Erhaltungszustand
Das Antiquariat der SFB verfügt von diesem Roman über ein wohlerhaltenes Exemplar der deutschsprachigen Erstausgabe aus dem Jahr 1929. Innen ist das Buch ausnehmend frisch und sehr gut; keine Anmerkungen, Anstreichungen etc. - Der orangefarbene Leineneinband mit geringen alterungs- und gebrauchsbedingten Spuren; minimal schiefgelesen. - Selten!
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