Details
| Autor | Ogden, Thomas H. |
|---|---|
| Verlag | Psychosozial-Verlag |
| Auflage/ Erscheinungsjahr | 11.2025 |
| Format | 21 × 14.8 cm |
| Einbandart/ Medium/ Ausstattung | Paperback |
| Seiten/ Spieldauer | 270 Seiten |
| Reihe | Bibliothek der Psychoanalyse |
| ISBN | 9783837933598 |
Zu diesem Beitrag des Autors
Psychoanalytisches Arbeiten im Felde der Behandlung von PatientInnen geht weit über die Ebene von Wissen und Verstehen hinaus.
In Auseinandersetzung mit Winnicott und Bion entwirft Thomas Ogden das Psychische als lebendigen Prozess, der Sein und Werden des Einzelnen in den Vordergrund stellt. Die Psyche wird so erfahrbar als Erlebnisraum eines kreativen und träumenden Ichs, mit dem Analytiker*innen in schöpferischer Weise umgehen. Fundiert hergeleitet und eingebettet in eine Fülle klinischer Fallbeispiele entwickelt Ogden Grundlagen einer ontologischen Psychoanalyse, die vermittelt, was es heißt, Psychoanalytiker*in zu sein und immer wieder neu zu werden.
Inhalt
Vorwort - Einleitung. Bemerkungen zum Sein und Werden
- 1 Ontologische Psychoanalyse oder: »Was willst Du werden, wenn Du mal groß bist?«
- 2 Das Gefühl des Realen. Über Winnicotts »Die Frage des Mitteilens und des Nicht-Mitteilens führt zu einer Untersuchung gewisser Gegensätze«
- 3 Wie ich mit meinen Patienten spreche
- 4 Noch einmal: Zum Konzept der Destruktion. Zu Winnicotts »Objektverwendung und Identifizierung«
- 5 Die analytische Stunde träumen. Ein klinischer Essay
- 6 Eine Überarbeitung von analytischem Denken und analytischer Praxis. Die Entwicklung einer analytischen Theorie der Psyche
- 7 Sprache und Wahrheit in der Psychoanalyse
- 8 Die Dichtung von Robert Frost und Emily Dickinson erleben
- 9 Analytisches Schreiben als eine Form der Fiktion
Aus dem Vorwort des Autors
"Dieses Buch beschreibt als Ganzes eine Strömung in der aktuellen Psychoanalyse, eine Bewegung hin zu einem neuen und fruchtbaren analytischen Sich-Einstimmen, um aufnehmen und fassen zu können, was in der analytischen Stunde geschieht. Dieses Sich-Einstimmen fördert bei Patient oder Patientin und Analytiker oder Analytikerin die Entfaltung psychischer Verfassungen, durch deren Auftauchen im analytischen Prozess sie lebendiger sein und werden können. Dieses neue Sich-Einstimmen lässt sich als Wechselspiel zweier nicht zu trennender Dimensionen psychoanalytischen Denkens und Arbeitens zeigen. Eine dieser Dimensionen, die ich epistemologische Psychoanalyse nenne (die mit Wissen und Verstehen zu tun hat) wurde von Freud und Klein eingeführt; für die andere, die ontologische Psychoanalyse (die mit Sein und Werden zu tun hat), haben Bion und Winnicott bahnbrechende Arbeit getan und sie ausgearbeitet (Einführung und Kapitel 1). Bions und Winnicotts Verschiebungen des Schwerpunkts vom Epistemologischen hin zum Ontologischen stehen für einen revolutionären Wandel in der psychoanalytischen Theorie und Praxis. Ziel der ontologischen Psychoanalyse ist es, die Erfahrung des Patienten oder der Patientin zu fördern, sich kreativ selbst zu entdecken, von mehr Lebendigkeit erfüllt zu sein oder zu werden, mehr er oder sie selbst zu sein.Ich bringe meine »kreativen Lesarten« (Kapitel 2 und 4) von zwei von Winnicotts schöpferischen Arbeiten ein - »Die Frage des Mitteilens und Nicht-Mitteilens führt zu einer Untersuchung gewisser Gegensätze« (2006) und »Objektverwendung und Identifizierung« (2010) –, die beide damit befasst sind, was dazugehört, damit Erfahrung »alles Gefühl des Realen« (Ogden, 2020, S. 71) in sich tragen kann. Obwohl diese Arbeiten vor mehr als 50 Jahren geschrieben wurden, kommt ihnen für die Bewegung in der Psychoanalyse, die mich in diesem Buch beschäftigt, eine
Schlüsselbedeutung zu.
Zwei Kapitel (Kapitel 3 und 5) widmen sich der Art und Weise, wie ich als Psychoanalytiker arbeite. Ich versuche hier, den Lesern einen Eindruck von dem zu vermitteln, was gemeint ist, wenn ich sage, wir müssten die Psychoanalyse für jeden Patienten und jede Patientin neu erfinden. Ganz spontan finde ich mit jedem Analysanden einen anderen Ton, wie wir mit Mutter, Vater, Bruder, Schwester oder einem nahen Freund ganz unmittelbar verschieden sprechen. Im Gespräch mit einer Patientin bin ich lebendig da in dem Geschehen, mit ihr die Aspekte ihres Lebens zu erleben, die sie bisher nicht zu leben vermochte. Wenn ich mit einem Patienten spreche, beschreibe ich das, was nach meinem Empfinden geschieht, und erkläre wenig. Ein »Nicht-dabei-Sein« in einer Sitzung verstehe ich nicht als mein Versagen, sondern als eine Chance.
Psychoanalyse ist für mich ein ko-kreativer Prozess von Analytiker und Patient auf einer unbewussten Ebene, bei dem man auf die Reverie, das Wachträumen, nicht verzichten kann. Meine Reverien gehören für mich zu den lebendigsten, realsten, überraschendsten, am meisten wachstumsfördernden, schwierigsten und schmerzhaftesten Teilen der Sitzung. Die beiden folgenden Kapitel (Kapitel 6 und 7) erkunden zwei Entwicklungen der analytischen Theorie: den Wandel der analytischen Konzeption der Geburt der Psyche und die Rolle, die die Sprache beim intuitiven Erfassen dessen spielt, was in der analytischen Stunde geschieht. Was die analytische Theorie der Psyche (Kapitel 6) anlangt, sehe ich eine entscheidende Wendung im analytischen Denken zwischen Freuds, Kleins und Fairbairns Konzeption der Psyche als »Denkapparat«, und der von Winnicott und Bion entwickelten Konzeption der Psyche als einem lebendigen Prozess, der seinen Ort im Geschehen der Erfahrung selbst hat. Bedenke ich den Umgang mit Sprache, ist es die Kontur des analytischen Dialogs mit den Kontinuitäten und Diskontinuitäten, den tangentialen Berührungen und den non sequitur-Figuren, die ein Medium darstellen, damit Patientin und Analytikerin etwas austauschen können, was in anderer Weise nicht sagbar ist.
Ich beende dieses Buch mit der Einladung an die Lesenden, mir auf meinen Streifzügen in Sphären zu folgen, in denen Träumen und Erleben, Sein und Werden seit jeher im Zentrum stehen. In diesem Sinn befasse ich mich zunächst mit der Lyrik von Robert Frost und Emily Dickinson (Kapitel 8) und wende mich dann der Erfahrung psychoanalytischen Schreibens
zu (Kapitel 9)." - Thomas Ogden
Der Autor
Thomas H. Ogden arbeitet als Psychoanalytiker und Schriftsteller in San Francisco. Mehr als 25 Jahre war er Direktor des Center for the Advanced Study of the Psychoses in San Francisco und über mehr als 30 Jahre Mitherausgeber des International Journal of Psychoanalysis. Nach wie vor ist er als Supervisor und Psychoanalytiker am Psychoanalytic Institute of Northern California tätig.
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