Details
| Autor | Safatle, Vladimir |
|---|---|
| Verlag | tentare Verlag |
| Auflage/ Erscheinungsjahr | 29.09.2026 |
| Format | 21 × 10.8 cm |
| Einbandart/ Medium/ Ausstattung | Paperback |
| Seiten/ Spieldauer | 256 Seiten |
| ISBN | 9783911804110 |
Vergangenes historisch artikulieren heißt nicht,
zu erkennen »wie es denn eigentlich gewesen ist«.
Es heißt, sich einer Erinnerung bemächtigen,
wie sie im Augenblick einer Gefahr aufblitzt.
Walter Benjamin
Der Faschismus kommt nicht von außen. Er ist eine Möglichkeit, die liberale Gesellschaften in sich tragen – und in Krisenzeiten aktivieren. So beruhen auch die neuen globalen Faschismen nicht auf Irrationalität und Irrealismus, sondern auf Subjekten, die die neoliberale Logik der Konkurrenz konsequent zu Ende denken.
Zu diesem Beitrag - aus der Einleitung
"Vladimir Safatle vertritt die These, dass den liberalen Gesellschaften ein struktureller Faschismus eigen ist, der in Zeiten simultaner Krisen - wie wir sie zur Zeit erleben - mit voller Wucht hervorbricht. Die extreme Rechte hat begriffen, dass sich diese Krisen des kapitalistischen Systems nicht mehr steuern lassen, und geht das Problem pragmatisch an: »Es gibt keine Gesellschaft für alle«; nur ein Teil der
Menschen wird ein menschenwürdiges Leben führen können. Deshalb fordert sie, die Grenzen zu schließen, Migranten abzuschieben, das Leben der Ärmsten noch weiter zu prekarisieren, sie polizeilicher Gewalt und Ausplünderung auszusetzen und sie von jedem gemeinsamen Gesellschaftsentwurf auszuschließen.
Die Originalität der Analyse liegt darin, den zeitgenössischen Faschismus ausgehend von einer internen Kritik an den traditionellen Formen der Annäherung an das Thema zu untersuchen. Anders als manche Denker des progressiven Lagers behaupten, beruht der heutige Faschismus nicht auf Irrationalität oder entfesselten Impulsen, sondern auf Subjekten, die die neoliberale Logik der allgemeinen Konkurrenz konsequent zu Ende denken - vor einem gesellschaftlichen Horizont, der einem weltweiten Bürgerkrieg immer ähnlicher wird. So katastrophal es ist: Wir müssen das rationale Kalkül begreifen, das ganze Bevölkerungen dazu bringt, sich für den Faschismus zu entscheiden. Der Fokus der Analyse richtet sich auf die Bedingungen, unter denen sich Subjektivitäten in der neoliberalen Gesellschaft bilden. Dem Autor zufolge stellt der Faschismus eine Antwort dar, die dramatisch genau zu den Widersprüchen dieser Subjektivierungsformen passt, und er schlägt vor, das Problem nicht in angeblichen individuellen ›Pathologien‹ zu suchen, sondern in jener gesellschaftlichen Normalität, die ich-zentrierte Identifikationsformen hervorbringt. Gestützt auf Lektüren von Freud, Lacan und Adorno hält Safatle fest, dass die Fokussierung auf individuelle Identität Bedingungen schafft, die den faschistischen Dynamiken günstig sind."
Inhalt
Vorwort von Patrice Maniglier
Einleitung
- 1. Endliche Krisen und unendliche Kriege
- 2. Von welchem Leiden ist der Faschismus die Heilung? Anatomie einer libidinösen Konterrevolution
- 3. Ein suizidärer Staat: Jenseits der Nekropolitik
- 4. Diskurs über die freiwillige Selbstausrottung
- 5. Lachen, Netze und Razzia
Epilog – Denken nach Gaza / Danksagungen
Literaturverzeichnis
Der Autor
VLADIMIR SAFATLE ist ordentlicher Professor der Philosophischen Fakultät der Universität São Paulo und Professor am Institut für Psychologie derselben Institution. Er war Gastprofessor an den Universitäten Ca’ Foscari (Venedig), Paris I, Paris VII, Paris VIII, Paris X, Toulouse (Frankreich), Louvain (Belgien) und Essex (England), visiting scholar an der University of California, Berkeley, sowie fellow am Stellenbosch Institute of Advanced Studies (Südafrika), bei The New Institute in Hamburg und am Institut d’études avancées (Paris). Er ist einer der Koordinatoren des Forschungslaboratoriums für Sozialtheorie, Philosophie und Psychoanalyse (Latesfip/Universidade de São Paulo) und verantwortlich für die Herausgabe der Werke Theodor Adornos in portugiesischer Sprache (Coleção Adorno, Unesp).
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