Details

Autor Blom, Philipp
Verlag Hanser, Carl
Auflage/ Erscheinungsjahr 23.09.2024
Format 21.1 × 13.4 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Hardcover
Seiten/ Spieldauer 184 Seiten
Gewicht 294
ISBN 9783446281356

Zu diesem Beitrag

Es ist noch nicht lange her, da stand die Zukunft für eine bessere Welt. Inzwischen haben wir uns angewöhnt, mit dem Schlimmsten zu rechnen, und mussten oft genug erleben, dass es noch schlimmer kam. Gibt es wirklich keinen vernünftigen Grund mehr, zu hoffen? Philipp Blom findet die Ursprünge der Hoffnung in einem religiösen Weltverständnis, mit dem die Gegenwart nicht mehr viel anfangen kann: Das Dasein war sinnvoll, weil es in ein ewiges Leben münden würde. Heute könnte uns das Bedürfnis nach Hoffnung dazu treiben, ein sinnvolles Leben zu führen, indem wir Ziele für eine bessere Welt verfolgen: Gerechtigkeit etwa oder Nachhaltigkeit. Das wäre das Gegenteil von naivem Optimismus, das wäre eine vernünftige Haltung zur Welt. Sie ist nötiger denn je.

Aus der Einleitung des Autors

"Warum noch hoffen? - Den ganzen Tag hat es gedauert, bis ich mich nun endlich hinsetzen kann, um dir zu schreiben. Deine Frage ist mir nicht aus dem Kopf gegangen. In all dem Trubel musste ich dir die Antwort schuldig bleiben. Jetzt bin ich wieder unterwegs, und mein Leben ist auf das reduziert, was in meine Tasche passt, und auf einige Adressen und Telefonnummern in meinem Handy: Hotels, Termine, Kontaktpersonen. Jetzt bewegen sich die Gedanken wieder, nehmen sich den Raum, aus dem sie sonst verscheucht werden.

Also komme ich zurück auf deine Frage. Warum noch hoffen? Kann man überhaupt noch hoffen in dieser Zeit?

Den ganzen Tag hat es gedauert, bis ich mich nun endlich hinsetzen kann, um dir zu schreiben. Deine Frage ist mir nicht aus dem Kopf gegangen. In all dem Trubel musste ich dir die Antwort schuldig bleiben. Jetzt bin ich wieder unterwegs, und mein Leben ist auf das reduziert, was in meine Tasche passt, und auf einige Adressen und Telefonnummern in meinem Handy: Hotels, Termine, Kontaktpersonen. Jetzt bewegen sich die Gedanken wieder, nehmen sich den Raum, aus dem sie sonst verscheucht werden.
Also komme ich zurück auf deine Frage. Warum noch hoffen? Kann man überhaupt noch hoffen in dieser Zeit? Wie kann ich dir darauf antworten? Du fürchtest dich vor Dingen, vor denen man sich fürchten sollte, vor Entwicklungen, die jegliches menschliche Maß übersteigen. Wir leben in einer Zeit, in der eine Ordnung zusammenbricht und eine neue noch nicht entstanden ist und vielleicht so bald nicht entstehen wird. Jede Generation glaubt von sich, einzigartig zu sein und vor dem Ende der Welt zu stehen, vor der Apokalypse, schon immer liefen Propheten umher, die so etwas predigten — aber diesmal ist es wahr.
Ist es also alles nur erbauliches Gerede, wenn die Leute immer noch über Hoffnung sprechen? Ein Teil der großen Illusionsmaschine und ein Trostpflaster für Trottel? Ist es nicht idiotisch, irgendwelchen Hoffnungen hinterherzulaufen, der Idee, dass irgendwie alles sich schon zurechtrütteln wird, dass alle hässlichen Unkenrufe ignoriert werden können und rettende Technologien vor der Tür stehen, dass wir uns zwar Gedanken machen, aber nicht verzweifeln müssen, weil wir innovativ sind und flexibel und bis jetzt noch immer eine Lösung gefunden haben und ...

Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft ich vor meinen Vorträgen (darüber nämlich, was die Klimakrise, das Artensterben und die künstliche Intelligenz für die Zukunft von Demokratien und liberalen Gesellschaften bedeuten werden) darum gebeten werde, doch bitte auch etwas Optimistisches zu sagen, vielleicht mit einer hoffnungsvollen Note zu enden, nicht mit einem Downer. Als hätte man mich für eine garantiert glückliche Zukunft eingeladen. Anscheinend fühlen wir uns in der Kommunikation miteinander zum Optimismus verpflichtet und wollen uns auch angesichts der schrecklichsten Neuigkeiten gerne noch an einem Silberstreif am Horizont erfreuen. Sag doch noch etwas Nettes, Verbindliches. Mach ihnen Hoffnung! (...)"

Stimmen zu  diesem Buch

»Historiker Philipp Blom erkundet in Briefform die Komplexität des Hoffens in einer Welt voller Krisen. Ein eindrucksvolles Plädoyer für intellektuelle Redlichkeit und gegen trügerischen Optimismus.«

Oliver Pfohlmann, auf SWR . Buchkritik, 03.12.24

»Indem Blom unsere Vorstellung von Hoffnung neu justiert, verleiht er so manchem Irrtum unserer Zeit Konturen.«

Johannes Bruggaier, im Südkurier, 15.10.24

Der Autor

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