Details
| Autor | Onetti, Juan Carlos (1909-1994) |
|---|---|
| Verlag | Suhrkamp |
| Auflage/ Erscheinungsjahr | 07.11.2015 |
| Format | 30 × 24 cm |
| Seiten/ Spieldauer | zusammen 3.035 Seiten |
| Gewicht | 3400 |
| ISBN | 9783518417003 |
»Wer der gängigen Kulturware überdrüssig ist, sollte sich diese fünf Bände anschaffen. Schreiben und Lesen ist vielleicht immer, hier aber auf emphatische Weise, ein Akt der Befreiung.«
Leopold Federmair, in der Neuen Zürcher Zeitung NZZ
»Ebenso tief berührt wie inspiriert von der Vergeblichkeit unseres Tuns schreibt er so zärtlich und aufrichtig über das Dunkel des menschlichen Daseins wie kein anderer.«
Mathias Schnitzler, in der Berliner Zeitung BZ
Zu dieser Werkausgabe
Juan Carlos Onetti ist der große Solitär in der modernen lateinamerikanischen Literatur, einer der maßgeblichen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, ein Autor von künstlerischer, ästhetischer und moralischer Kompromisslosigkeit.
In gründlich revidierten Übersetzungen und zum Teil erstmals auf Deutsch bietet die Werkausgabe sämtliche vollendete Romane und Erzählungen Onettis, zusammen mit Anmerkungen und Nachworten der Herausgeber.
Am Anfang steht sein ruppiger Erstling Der Schacht von 1939 – ein unausschöpflicher, immer neu zu lesender Text. Daneben enthält Band 1 der Werkausgabe die beiden bislang noch nie auf Deutsch erschienenen frühen Romane Niemandsland (1941) und Für diese Nacht (1943).
Band 2 der Werkausgabe versammelt drei Romane: Das kurze Leben, 1950 erschienen, hat Onettis Ruhm begründet: ein herausforderndes, ebenso faszinierendes wie hartes Stück Literatur.
Noch stärker verdichtet, enigmatisch bei erster Lektüre und immer leuchtender beim Wiederlesen, sind Onettis Kurzromane Abschiede und Für ein Grab ohne Namen von 1954 und 1959.
Aus dem Spanischen von Curt Meyer-Clason und Wilhelm Muster. Herausgegeben und Überarbeitung der Übersetzungen von Jürgen Dormagen und Gerhard Poppenberg. Mit einem Nachwort von Gerhard Poppenberg. Mit einer Zeittafel zum Leben des Autors
»La vie est brève«: Chansonweisheit, nächtlich gesungen im Salon der Señora Mami in Buenos Aires. Doch »man kann viele Male leben, viele mehr oder minder lange Leben«. Juan María Brausen, illusionsloser Texter in einer Werbeagentur, macht nach einer schweren Operation seiner Frau die Erfahrung, daß er nicht zu einer einzigen Existenz verurteilt ist. Hinter der dünnen Wand der Nachbarwohnung hört er die Lebensäußerungen der Prostituierten Queca, und in Gedanken wird er zu Juan María Arce, ihrem brutalen Geliebten. Zugleich phantasiert er sich in die Gestalt des Arztes Díaz Grey, Hauptfigur eines Drehbuchs, an dem er schreibt. Als die Queca von ihrem Zuhälter ermordet wird, identifiziert Brausen sich mit dem Mörder und flieht, als Juan María Arce, nach Santa María, in die von ihm entworfene Stadt, wo sich sein Weg mit dem von Díaz Grey kreuzt. Das kurze Leben, 1950 erschienen, hat Onettis Ruhm begründet: ein herausforderndes, ebenso faszinierendes wie hartes Stück Literatur. Noch stärker verdichtet, enigmatisch bei erster Lektüre und immer leuchtender beim Wiederlesen, sind Onettis Kurzromane Abschiede und Für ein Grab ohne Namen von 1954 und 1959. Die Übersetzungen von Curt Meyer-Clason und Wilhelm Muster wurden von den Herausgebern für diese Ausgabe Satz für Satz revidiert, so daß Onetti, dieser nur scheinbar dunkle Jahrhundertautor, ganz neu zu lesen ist. Der Band enthält einen ausführlichen Anhang mit Anmerkungen, Zeittafel, Bibliographie und Nachwort.
Band 3 der Werkausgabe enthält die beiden Romane Leichensammler (1964) und Die Werft (1961), die das Herzstück des Zyklus von Santa María bilden: Mit wenigen Strichen eine Gestalt in ihrer widersprüchlichen persönlichen Wahrheit hervortreten zu lassen, eine Konstellation zweier Menschen wie eingeätzt zu umreißen, herausgelöst aus allen vorgegebenen Mustern: diese Kunst Onettis ist oft bewundert worden. - Aus dem Spanischen von Anneliese Botond. Die Werft. Aus dem Spanischen von Curt Meyer-Clason
Mit wenigen Strichen eine Gestalt in ihrer widersprüchlichen persönlichen Wahrheit hervortreten zu lassen, eine Konstellation zweier Menschen wie eingeätzt zu umreißen, herausgelöst aus allen vorgegebenen Mustern: diese Kunst Onettis (1909–1994) ist oft bewundert worden. Sein Rang erweist sich nicht zuletzt darin, daß seine Prosa im Wiederlesen immer gegenwärtiger ist, weil sie unmittelbar mit der schmerzhaften, unsauberen Erfahrung des Lebens verbunden bleibt; seine Romane und Erzählungen entfalten sich dabei in ihrer Vielschichtigkeit, ohne das Geheimnis ihrer Wirkung ganz preiszugeben. - In gründlich revidierten übersetzungen und zum Teil erstmals auf deutsch bietet die Werkausgabe sämtliche vollendeten Romane und Erzählungen Onettis, zusammen mit Anmerkungen und Nachworten der Herausgeber.
Band 4 der Werkausgabe enthält Onettis letzten Romane, in ihnen steigt er tief hinab in den Schacht seiner Erfahrung des Lebens – aber wie unterschiedlich ist das, was er als Erzähler schreibend hervorholt: vier Romane, ›reife‹ und ›späte‹, die verschiedener nicht sein könnten und die in je eigener Form und Sprache eine besondere Geschichte erzählen. - Aus dem Spanischen von Anneliese Botond, Jürgen Dormagen und Rudolf Wittkopf. Herausgegeben und Überarbeitung der Übersetzungen von Jürgen Dormagen und Gerhard Poppenberg
In seinen letzten Romanen steigt Onetti tief hinab in den Schacht seiner Erfahrung des Lebens – aber wie unterschiedlich ist das, was er als Erzähler schreibend hervorholt: vier Romane, ›reife‹ und ›späte‹, die verschiedener nicht sein könnten und die in je eigener Form und Sprache eine besondere Geschichte erzählen. - Der Tod und das Mädchen gehört zu den kleinen Meisterwerken der Weltliteratur. Es ist die Chronik eines angekündigten und perfide geplanten natürlichen Todes. Mit der Intensität von Kammermusik, auf dichtestem Raum, erzählt Onetti hier eine rätselhafte, unergründliche Geschichte. Wenn damals evoziert die geheimnisvolle Gestalt einer Frau, Magda, einer legendären Figur des Nachtlebens von Buenos Aires. Es ist der ruppig-sehnende Tonfall des Tangos, der diesen gelöstesten Roman Onettis prägt.
In Wenn es nicht mehr wichtig ist kommt Carr, ein mit Gleichmut Gescheiterter, mit einer absurden Aufgabe in einen grell ausgeleuchteten Randbereich von Schmuggel, Lebensbeharrung und ätzender Selbstbefragung. Seine Aufzeichnungen zeigen ihn als ein ironisch verzeichnetes Alter Ego des Autors. Das letzte Werk Onettis, ein Jahr vor seinem Tod erschienen, ist ein später, lakonischer Bogenschlag zu seinem atmosphärisch so ganz anderen Erstling Der Schacht.
"Vor einer Weile ging ich durchs Zimmer, und plötzlich fiel mir auf, daß ich es zum erstenmal sah. Es gibt darin zwei Pritschen, schiefbeinige Stühle ohne Sitzfläche, von der Sonne vergilbte, monatealte Zeitungen, die statt Scheiben vor das Fenster geheftet sind.
Ich ging mit nacktem Oberkörper auf und ab, überdrüssig, seit dem Mittag so dazuliegen und in der verfluchten Hitze zu schnaufen, die sich unter dem Dach sammelt und die sich jetzt, immer gegen Abend, ins Zimmer ergießt. Ich ging mit den Händen auf dem Rücken, hörte die Schlappen auf den Fliesen klatschen und roch abwechselnd an meinen beiden Achselhöhlen. Ich bewegte den Kopf von einer Seite zur anderen, sog die Luft ein, und das ließ auf meinem Gesicht, ich fühlte es, einen angeekelten Ausdruck entstehen. Das unrasierte Kinn schabte über die Schultern.
"(...) Mit diesen ersten Sätzen in »Der Schacht« ist der spröde, lakonische Onetti-Ton angestimmt, wird der Leser in den psychischen Brunnenschacht des Ich-Erzählers hineingezogen. Am Vorabend seines 40. Geburtstags beschließt Eladio Linacero, allein mit sich in einem stickigen, verwahrlosten Raum, seine »Erinnerungen« aufzuschreiben, keine Autobiographie im konventionellen Sinn, sondern »die Geschichte einer Seele": Abenteuerphantasien von einem anderen Leben - und die Erinnerung an die Gewalt, die er als Halbwüchsiger einem Mädchen angetan hat.
In einer hitzeflirrenden, mondlosen Silvesternacht, die im Leben des Helden ein Vierteljahrhundert zurückliegt, lockt er die 18jährige Ana MarIa in ein Gärtnerhäuschen und demütigt sie sexuell, ohne freilich das mindeste Verlangen zu empfinden. In kalkuliert schmuckloser, minutiös protokollierender Sprache berichtet der Täter von der Reaktion seines Opfers. (...)" - Aus einer Rezension von Rainer Traub, veröffentlicht untzer dem Titel ´Die Welt als geschlossene Anstalt, in DER SPIEGEL, vom 2.07.1989
Band 5 der Werkausgabe: Onetti hat ein Leben lang auch Geschichten geschrieben. Erstmals sind in diesem Band sämtliche Erzählungen auf Deutsch versammelt. Aus dem Spanischen von Svenja Becker, Anneliese Botond, Jürgen Dormagen, Wilhelm Muster, Gerhard Poppenberg und René Strien. Herausgegeben und Überarbeitung der Übersetzungen von Svenja Becker und Jürgen Dormagen
Mit wenigen Strichen eine Gestalt in ihrer widersprüchlichen persönlichen Wahrheit hervortreten zu lassen, die Konstellation zweier Menschen wie eingeätzt zu umreißen, herausgelöst aus allen vorgegebenen Mustern: das ist die unverwechselbare Kunst Onettis, seine an William Faulkner geschulte atmosphärische Präsenz.
Die Geschichten des Uruguayers scheinen einer umfassenden Schwärze abgewonnen. Die Themen jedenfalls sind zumeist auf der Nachtseite zu finden: Liebe und Sexualität in ihren dunklen, unglücklichen Formen, unentrinnbare Einsamkeit von Mann und Frau, Scheitern als Grundform der menschlichen Existenz. Und doch ist Onettis Prosa dicht an Glücksmomenten ganz eigener Art: den Augenblicken sinnlich erfahrbarer Erkenntnis, die verknüpft bleibt mit der schmerzhaften, unsauberen Erfahrung des Lebens – und diese letztlich transzendiert.
Die in diesem Band versammelten Erzählungen: Avenida de Mayo – Diagonal – Avenida de Mayo- Das Hindernis - Der mögliche Baldi - Genesung - Ein verwirklichter Traum - Maskerade - Ausflug - Willkommen, Bob - Die lange Geschichte - Neunter Juli - Zurück in den Süden - Esbjerg, an der Küste - Das Haus in den Dünen - Das Album - Die Geschichte vom Rosenkavalier und der schwangeren Jungfrau, die aus Liliput kam - Die so gefürchtete Hölle - Das Gesicht des Unglücks - Jacob und der andere - So traurig wie sie - Ausgerechnet am Einunddreißigsten - Die geraubte Braut - Matías der Funker - Die Zwillingsschwestern - Auch für den Hund kommt der Tag - Dasein - Die Freunde - Seife
Der Kater - Der Markt - Das Schweinchen - Vollmond - Morgen ist auch ein Tag - Der Baum - Montaigne - Ki no Tsurayuki - Die Flinte - Sie - Die Araukarie - Drei Uhr morgens - Der Hochstapler - Die Küsse - Die Hand - Hin und zurück - Tu me dai la cosa me, io te do la cosa te - Verfluchter Frühling - Bichicome - Der Besuch - Heiliger Josef - Fragmente - Die Kinder im Wald - Der letzte Freitag.
Der Autor
Juan Carlos Onetti (*1909 in Montevideo, Uruguay, †1994 in Madrid, Spanien) ist vielfach und zu Recht als einer der bedeutendsten lateinamerikanischen Schriftsteller bezeichnet worden. 1932 erschien im Rahmen eines Literaturwettbewerbs eine Erzählung von ihm in der argentinischen Tageszeitung La Prensa. Sein erster Roman, El Pozo (dt. Der Schacht, 1989), folgte 1939 in einer Auflage von 500 Exemplaren. Er veröffentlichte insgesamt elf Romane und zahlreiche Erzählungen sowie zwei Sammlungen von Artikeln, von denen die Mehrzahl ins Deutsche übersetzt wurde.
Bis 1975 lebte er abwechselnd in Buenos Aires und Montevideo, arbeitete unter anderem für die Nachrichtenagentur Reuters, war lange Jahre als Direktor der städtischen Bibliotheken in Montevideo tätig und publizierte regelmäßig in verschiedenen uruguayischen Zeitschriften. Erst mit dem Roman La vida breve (1950, dt. Das kurze Leben, 1978) erlangte er einen gewissen Bekanntheitsgrad, blieb aber noch viele Jahre lang eine Art »Geheimtipp« und erst in relativ hohem Alter wurden ihm Ruhm und Achtung zuteil. In La vida breve erschuf er den fiktiven Kosmos um die Stadt Santa María, der in vielen weiteren Romanen und Erzählungen auftauchen sollte. (Quelle: Suhrkamp Vlg)
Während der Diktatur, die seit 1973 in Uruguay herrschte, wurde Onetti einige Monate lang in Haft gehalten. 1975 ging er mit seiner vierten Frau, der Geigerin Dorothea Muhr, ins Exil nach Madrid, wo er bis zu seinem Tod blieb und die Romane Dejemos hablar al viento (dt. Lassen wir den Wind sprechen, 1986), Cuando entonces (dt. Magda, 1989) und Cuando ya no importe (dt. Wenn es nicht mehr wichtig ist, 1996) veröffentlichte.
Der uruguayische Nationalpreis für Literatur wurde ihm gleich zweimal verliehen: 1962 und nach der Rückkehr der Demokratie noch einmal 1985. Außerdem erhielt er 1980 den wichtigsten Literaturpreis der spanischsprachigen Welt: den Cervantes-Preis. 1994 erschien die erste Ausgabe der Cuentos completos (dt. Willkommen, Bob. Gesammelte Erzählungen, 1999) in Buenos Aires. Am 30. Mai desselben Jahres starb Juan Carlos Onetti 84-jährig in Madrid.
Fast alle großen Autoren Lateinamerikas erkennen Onettis Einfluss auf ihr eigenes Werk an, und von vielen wird er für den größten lateinamerikanischen Schriftsteller gehalten.
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