Details

Autor Mächtlinger, Veronica
Herausgeber Becker, David; Baethe, Birgit (Hg.)
Verlag Psychosozial-Verlag
Auflage/ Erscheinungsjahr 02.2023
Format 21 × 14.8 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Paperback
Seiten/ Spieldauer 368 Seiten
Gewicht 532
ISBN 9783837932294

Zu diesem Band

Veronica Mächtlingers Weg aus Südafrika nach London zu Anna Freud, zurück nach Südafrika und schließlich nach Berlin dokumentiert den häufig unterschätzten Beitrag von Analytiker*innen, die im Rahmen kolonialer und postkolonialer Lebensrealitäten ihre Perspektive auf die Psychoanalyse entwickelt haben. Mächtlingers Arbeiten zeichnen sich insbesondere durch zwei Schwerpunktsetzungen aus: die Notwendigkeit des genauen Hinschauens in seinen vielfältigen Bedeutungen sowie die Heraushebung der äußeren Realität als entscheidende Einflussquelle der psychischen Entwicklung. Diese beiden Faktoren weisen unmittelbar auf ihre Ausbildung zur Kinderanalytikerin bei Anna Freud hin.

Neben eigenem Fallmaterial reflektiert die Autorin in ihren Texten theoretisch und psychoanalytisch-historisch den Beitrag der Anna-Freud-Schule und setzt diesen mit der Kinder- und Erwachsenenanalyse in Bezug, wobei immer wieder die Verarbeitung traumatischer Erfahrungen im Mittelpunkt steht. Ein biografisches Interview der Herausgeber*innen mit der Autorin, das es ermöglicht, ihre Texte aus der Perspektive der Lebenserfahrung noch einmal zu reflektieren, und ein Nachwort von Ludger M. Hermanns beschließen den Band.

Aus dem Vorwort der Herausgeber

"(...) Im Laufe dieses lebensgeschichtlichen Interviews, das wir in mehreren Begegnungen mit Veronica Mächtlinger führten und das somit der eigentliche Ausgangspunkt des vorliegenden Buches ist, wurde uns deutlich, welche thematischen Linien es da zu verfolgen gab, die sich wie ein roter Faden durch ihr Denken und ihre Arbeiten ziehen. Themen, von denen wir denken, dass sie neben ihrer geschichtlichen Bedeutung durchaus auch für den heutigen analytischen Diskurs Relevanz besitzen und zu mancher Kontroverse einladen. Zwei dieser ihr zentralen Themen in der Arbeit mit PatientInnen sind die Notwendigkeit des genauen Hinschauens sowie die Bedeutung der äußeren Realität. Diese Gewichtung verweist natürlich unmittelbar auf die Schule, durch die Veronica Mächtlinger gegangen ist, als sie bei Anna Freud die Ausbildung zur Kinderanalytikerin absolvierte. Anna Freud entwickelte ihre theoretischen Überlegungen (auch in Bezug auf erwachsene PatientInnen) auf der Basis vielfältiger und genauer Studien kindlichen Verhaltens, die sie und ihre MitarbeiterInnen in Wien und später in England durchführten. Auch Veronica Mächtlinger hebt die Relevanz genauer Kinderbeobachtung hervor, mehrfach auch in Abgrenzung zu Melanie Klein und deren primärer Beschäftigung mit den Inhalten eines sehr frühen unbewussten Fantasielebens des Kindes. Macht und Wirksamkeit innerpsychischer Konflikte werden in dieser Setzung nicht vernachlässigt, aber die Aufmerksamkeit gilt zunächst immer der Wahrnehmung des spezifischen Entwicklungsstandes des Kindes. Der Blick richtet sich somit einerseits auf das Kind, seine Äußerungen und sein Tun, andererseits auch auf den sozialen Kontext, die von Winnicott eingeforderte fördernde Umwelt, die mit diesem Kind interagiert, es unterstützt oder behindert. Es geht also immer um die Bedingungen, unter denen Entwicklung gelingen kann. Entwicklung wird dabei nicht verstanden als etwas, das irgendwann abgeschlossen ist, sondern als fortlaufender Prozess. Ein drittes Thema, das mit den bereits erwähnten in engem Bezug steht, ist die Behandlung von Kindern mit !ühen Störungen und gravierenden psychischen Beeinträchtigungen aufgrund komplexer Traumatisierungen. Auch hier gibt es wieder den unmittelbaren Bezug zu Anna Freud und ihrem Konzept der Entwicklungshilfe, ursprünglich wohl gedacht als einer der »eigentlichen« analytischen (Deutungs-)Arbeit vorgelagerten Hilfe, die das Kind befähigen soll, die nötige Ich-Entwicklung zu meistern und eine seinem Alter angemessene psychische Struktur zu entwickeln. Erst später wurde diese schwierige, großes therapeutisches Können voraussetzende Arbeit als Anfangsphase und integraler Bestandteil kinderanalytischer Behandlungen von Frühstörungen und Traumatisierungen begriffen, was sowohl in seiner historischen Bedeutung als auch in seinen theoretischen und praktischen Implikationen von der Autorin wiederholt aufgegriffen wird. (...)"

Inhalt

  • Birgit Baethe & David Becker: Einführung
  • 1 Die Auswirkungen abrupten Abstillens (1953)
  • 2 Sprechen über Freud (1967)
  • 3 Psychoanalytische Theorie:
  • präödipale und ödipale Phasen, unter besonderer Berücksichtigung des Vaters (1976)
  • 4 Die Rolle des Vaters als Unterstützung der Entwicklung und Konsolidierung einer differenzierten Geschlechtsidentität von Mädchen in der phallisch-narzisstischen Phase (1984)
  • 5 Anna Freud – Einige persönliche Eindrücke (1984)
  • 6 Analytisches Arbeiten mit Kindern und Erwachsenen (1987)
  • 7 Die Auswirkungen früher Entwicklungsstörungen
  • auf die Ziele von Kinder- und Erwachsenenanalysen:
  • Symbolisierung und das Herstellen des Arbeitsbündnisses (1990)
  • 8 Karl Abraham: In Memoriam (1991)
  • 9 Einleitung zu S. Freud: Analyse der Phobie eines fünfj.hrigen Knaben (1995)
  • 10 Karl Abraham und Giovanni Segantini - Ein psychoanalytischer Versuch (1997)
  • 11 Falldarstellung einer hochfrequenten Kinderanalyse (2005)
  • 12 Resilienz: Psychoanalytische Überlegungen zur späteren Entwicklung der sechs Kinder, die als Kleinkinder Theresienstadt überlebt haben - Die Kinder von Bulldogs Bank (2012)
  • 13 Die Entwicklungstheorien Anna Freuds: eine Würdigung (2012)
  • 14 Die Entwicklung der Kinderträume (2013)
  • 15 Veronica Mächtlinger im biografischen Gespräch (2014): »Aber im Grunde ist es überall, wo ich bin, ähnlich, ich meine, dass ich immer ein Stück außerhalb bin.«
  • Oder: »Ist es nicht Zeit, dass wir ein Glas Wein trinken?«
  • »Die Vergangenheit ist ein fremdes Land: dort geht es anders zu«
  • Ein Nachwort
  • Ludger M. Hermanns
  • Danksagung

Die Autorin

Veronica Mächtlinger wurde 1930 in Dannhauser/Südafrika geboren, studierte Psychologie an der University of Natal, absolvierte danach ihre kinderanalytische Ausbildung bei Anna Freud in London und zog 1973 nach längerer Berufstätigkeit in Südafrika nach Berlin. Dort war sie in eigener psychoanalytischer Praxis für Erwachsene und Kinder sowie als Lehranalytikerin am Karl-Abraham-Institut bis 2012 tätig.

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