Details

Autor Siebert, Karl
Verlag Braumüller Verlag
Auflage/ Erscheinungsjahr 1932, EA
Format 23,8 × 15,9 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Obrosch.
Seiten/ Spieldauer VII, 179 Seiten
SFB Artikelnummer (SFB_ID) SFB-001246_AQ

Aus dem Vorwort des Autors

„Das vorliegende Buch stellt die Frucht einer zirka fünfjährigen, nahezu ausschließlich der Traumforschung gewidmeten wissenschaftlichen Arbeit dar. Unter Berücksichtigung der gesamten neueren Literatur wurden hier an der Hand selbst gesammelten Materials und psychologischer Experimente, deren Ermöglichung vor allem der Leitung des Psychologischen Instituts der Universität Wien, Herrn und Frau Professor Bühler zu danken ist, neue Tatsachen und Gesetzmäßigkeiten aufgezeigt, die geeignet scheinen, die bisherigen Anschauungen von wissenschaftlicher Traumdeutung, speziell die einschlägigen Theorien Freuds einer einschneidenden Korrektur zu unterziehen.

Vor allem soll die bisherige Regellosigkeit der Traumdeutung, beziehungsweise ihre Überfruchtbarkeit an Regeln, die gegenseitig oft im krassen Widerspruch standen, ich verweise hierbei auf mein Buch „Freuds Theorien in ihrer Entwicklung", einer systematischen Behandlung dieses Gebietes weichen.

Eine solche erforderte immerhin eine weitergehende Einführung des Lesers, den ich nicht nur in wissenschaftlichen Kreisen suche, in wissenschaftliehe Methodik und moderne Psychologie. In den einführenden Kapiteln habe ich daher alles zusammengestellt, was zum Verständnis des Folgenden notwendig ist. Aber schon da werde ich auch mit Dingen kommen, die speziell neu sind und daher auch vom Fachpsychologen nicht übersehen werden dürfen. Vor allem schien es mir notwendig, das Gebiet der Fehlleistungen des Alltags eingehender zu behandeln, da sich aus dem Verständnis dieser Fehlleistungen besonders viel für den Traum, den ich in den meisten Fällen auch als eine Art Fehlleistung betrachte, gewinnen läßt.

Ich übersehe durchaus nicht die Schwierigkeiten eines Eindringens in die Tiefen des Unbewußten, in die bisher unerforschten Geheimnisse der Seele. Wenn man aber weiterkommen will, was durchaus meine Absicht ist, so kann es nur auf dem Wege einer systematischen, vorurteilslosen Arbeit sein. Wie sich meine Leser hoffentlich überzeugen werden, bin ich von „Widerständen", die meinen wissenschaftlichen Blick trüben könnten, ziemlich frei, erkenne auch voll die Rolle der Sexualität im Traume an. Es soll einem jeden Leser mit diesem Buch die Möglichkeit gegeben werden, seine oder die Träume anderer, wenn diese und ihre Begleiterscheinungen richtig festgelegt sind, wissenschaftlich nach festen Regeln, die der Intuition noch immer genug Spielraum lassen, zu deuten und die sich daraus ergebenden Folgerungen zu ziehen.“

Inhalt

Vorwort des Verfassers

Erster Teil

  • Gibt es Wissenschaft vom unbewußten Seelenleben?
  • Der Mensch als Automat

Zweiter Teil

  • Die Fehlleistungen des Alltags
    Das Vergessen
    Die Fehlerinnerungen
    Das Versprechen
    Verschreiben und Vergreifen
    Verlesen und Verhören
    Folgerungen aus dem zweiten Teil

Dritter Teil

  • Wissenschaftliche Traumdeutung
  1. Kapitel: Der Traum als Fehlleistung
  2. Kapitel: Primäre Traumformen
    Sinnesreizträume
    Leibreizträume
    Wunschträume
    Erwartungsträume
    Perseverationsträume
    Plastisch-anschauliche Traumbilde
  3. Kapitel: Sekundäre Traumformen
    Eidetische Traumbilder
    Im Traum entstandene Wünsche und Absichten
    Unbewußt erwartete Fortsetzungen
    Erweiterungsträume
    Affektreaktionen
  4. Kapitel: Übersicht
    Die Deutung ganzer Träume
    Prophetische Träume
    Telepathische und Hellsehträum

Stimmen zum Buch

"Hier wird wieder einmal dem Unbewußten die Sinnhaltigkeit abgesprochen: Man „beweist“, Unbewußtes sei lediglich „undiszipliniert“, indem man das Entstehen von Fehlleistungen und Träumen - aus den Unvollkommenheiten der psychischen Funktionen (mangelnde Aufmerksamkeit, Unklarheit der Willensentschlüsse, Ausschaltung der Urteilsfähigkeit usw.) ableitet. Warum der Autor nicht merkt, daß er die Armut mit der Pauvreté erklärt und sich damit in grotesker Weise um das eigentliche Problem herumdrückt, verrät er uns sehr hübsch in einer seiner „Traumanalysen“:

„Ich befinde mich in einem Universitätshörsaal in München und hale den Eindruck der Vorlesung eines mir bekannten Professors, des Saales und der Studenten, so wie ihn mir damals alltäglich die Wirklichkeit bot. Plötzlich höre ich einige Studenten vor der Tür pfeifen. Ich gehe darauf zur Türe und schließe sie. Ich bemerke hier, daß diesem Traum kein wirkliches Erlebnis entsprach. Das einzige von wirklichen Erlebnissen, woran bei diesem Traum zu denken war, war eine Bemerkung Freuds, die ich in seinen „Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse“ gelesen hatte. Er verglich dort störende Studenten vor dem Hörsaal mit den andrängenden Komplexen. Wie der gewöhnliche Mensch andrängende Komplexe einfach verdrängt, so würde auch der Naive die Türe vor den lärmenden Studenten zusperren, ohne davon einen Erfolg zu haben, statt hinauszugehen und mit ihnen zu verhandeln …“

Gustav  Bally (Zürich) in der: Imago, 1933 Jg 19(1), S.142

Rezensoiert wurde diese Arbeit auch in der Zeitschrift "Die psychoanalytische Bewegung", Ausgabe Heft 4/1932

Erhaltungszustand

Im Klassischen Fachantiquarit der SFB ist diese inzwischen selten zu findene Ausgabe als ein wohlerhaltenes Exemplar verfügbar; innen frisch und ohne Anmerkungen oder Anstreichungen. Der empfindliche Broschureinband mit leichten alterungs- und gebrauchsbedingten Spuren und minimalen Läsuren, noch unbeschnitten und unaufgeschnitten, papierbedingt leicht gebräunt. - Selten!

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