Details

Autor Pohlen, Manfred (1930-2024); Bautz-Holzherr, Margarethe
Verlag Suhrkamp
Auflage/ Erscheinungsjahr 22.10.2001
Format 17,6 × 10,8 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Paperback
Seiten/ Spieldauer 529 Seiten, mit Register
Gewicht 325 g
Reihe stw, Band 1547
SFB Artikelnummer (SFB_ID) SFB-000565_AC

Zu dieser Ausgabe

Dieses Buch eines der wohl hellsten und eigenwilligsten Köpfe der zeitgenössischen deutschsprachigen Psychoanalyse verfolgt mit den Mitteln psychoanalytischer Erkenntnis den Weg durch ihre eigene Geschichte, Theorie und Praxis, durch die Bildung ihrer Schulen und Bewegungen.

Die Freudsche Psychoanalyse wird vom Autor in den Blick genommen als quasi unterirdische Schöpfungsgeschichte des Subjekts, die damit der oberirdisch herrschenden eindimensionalen Ordnung mit ihrer letztlich infantilen Rationalität entgegengestellt wird. Wie Nietzsche ziele die Psychoanalyse Freuds auf eine Wiedereinführung des verlorenen konnaturalen Denkens und habe letztendlich ihre Berechtigung, insofern sie wirkmächtiges Programm der Selbstbemächtigung des Subjekts sein könne - sofern denn ihre eigenen Adepten dies verstünden.

Aus einer Laudatio für Manfred Pohlen von seiner Kollegin und Partnerin

"(…) Erkenntnisinteresse zeichnet seine ganze klinische Forschungstätigkeit aus: die Entwicklung einer psychotherapeutischen Kommunikations- und Einflusstheorie als Basistheorem für eine fundierte klinische Praxis – entgegen den theorielosen, ekklektizistischen Konzepten in der medizinischen Psychotherapie.

Die Selbstaufklärung des wissenschaftlichen Korpus und der Konvention der Psychoanalyse im Zusammenhang der Analyse des westlichen Aufklärungsdiskurses und seiner konstitutiven Bedingungen und die Neuschöpfung psychodynamischer Theorie und Praxis sind als wissenschaftliche und klinische Hauptwerke in umfassenden Monographien dokumentiert.

Pohlen verstand sich als Psychoanalytiker immer auch als Diagnostiker der Kultur. Auch wenn die psychodynamische Therapie Grundthema seiner Forschung war, so war sein klinisches Denken und Handeln nicht ohne die kritische Reflexion der sozialen Pathologien des modernen Menschen denkbar. In ideologiekritischen Studien analysierte er die Zurichtung des Menschen durch die herrschende Rationalität der Lebenswelt, ihre Befriedung in Sozialagenturen durch gesellschaftskonforme Glücksversprechen in Selbstverwirklichungsidealen. In einer subtilen Analytik der Macht untersuchte er die psychotherapeutische Beziehung. Nicht zuletzt lieferte er eine aufsehenerregende psychohistorische Analyse der Genealogie des Faschismus. Die Aufklärung der dialektischen Antagonismen in seinen intellektuellen Zeit- und Kulturdiagnosen nimmt die eigene Disziplin nicht aus, die er mit den fachimmanenten Erkenntnismitteln analysierte, deren wissenschaftstheoretischen Standort er bestimmte und auf deren Fragen an Psychotherapie als Wissenschaft er Antworten gab, die neue erkenntnistheoretische Dimensionen für die Psychotherapie erschlossen. (…)

Der Lehrer und Therapeut: Der Horizont dieses forscherischen Geistes übte eine besondere intellektuelle Faszination auf alle aus, die Pohlen hörten, Mitarbeiter wie Studenten. Das kritische Element seines unabhängigen Denkens, der Blick aufs Entlegene in der Suche nach dem Unabgegriffenen waren Wohltat und Ermutigung, Chancen für neue Gedanken. Und die Erfahrung seiner spontan-überraschenden Einfälle im Denken, das den Funken immer von der Klinik in die Theorie und von der Theorie in die Praxis springen ließ, hat ein Denken sichtbar gemacht, das seine Bodenhaftung nie verliert: Manfred Pohlen war ein Lehrer des leibhaftigen Denkens. Seine Absage ans herrschende Unwesen konformistischer Wissenschaftsgläubigkeit und das Vorbild seines Denkens aus dem Widerspruchsgeist, das den normativen Gehalt jeder Praxis hinterfragte, war eine Schule der Wahrnehmung."

 Margarethe Bautz-Holzherr, aus einer Würdigung der Universität Marburg anläßlich Pohlens 70. Geburtstag

Der Autor

Manfred Pohlen, Prof. Dr., (1930-2024), war Psychoanalytiker und Direktor der Klinik für Psychotherapie der Philipps-Universität Marburg. "Freuds Analyse" ist der letzte und entscheidende Schritt zur Selbstaufklärung der Psychoanalyse nach den vorausgehenden Veröffentlichungen (mit Margarethe Bautz-Holzherr) über den Charakter und das Schicksal der Psychoanalyse und ihres Gründers (Eine andere Aufklärung - das Freudsche Subjekt in der Analyse, 1991; Psychoanalyse - das Ende einer Deutungsmacht, 1995; Eine andere Psychodynamik - Psychotherapie als Programm zur Selbstbemächtigung des Subjekts, 2001)."Freuds Analyse" gibt erstmals den Blick frei auf die Erfahrungsgrundlagen psychoanalytischer Praxis, aus der seine Theorien entstanden sind.Prof. Dr. Ernst Blum absolvierte im Alter von 30 Jahren eine Lehranalyse bei Freud, arbeitete als Professor an der Berner Poliklinik für Psychiatrie und später in eigener Praxis als Analytiker. Seine Publikationen bewegen sich im Grenzbereich zwischen Anthropologie, Philosophie und Psychoanalyse. Manfred Pohlen verstarb am 11.10.2024.

Lieferbarkeit / Erhaltungszustand

Das Archiv der SFB verfügt über eine Anzahl verlagfrischer Exemplaredieser grundlegenden Arbeit des Autors mit allenfalls minimalen Lagerungsspuren; beim Verlag vergriffen.

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