Details
| Herausgeber | Liebrand, Claudia; Neumeyer, Harald; Wortmann, Thomas (Hg.) |
|---|---|
| Verlag | Erich Schmidt Verlag |
| Auflage/ Erscheinungsjahr | 29.11.2022 |
| Format | 23.5 × 15.8 cm |
| Einbandart/ Medium/ Ausstattung | Paperback |
| Seiten/ Spieldauer | 148 Seiten |
| Gewicht | 270 |
| ISBN | 9783503211456 |
Zu diesem Band der Jahrbuchreihe
Der 30. Band des E.T.A. Hoffmann-Jahrbuchs beginnt mit einem Beitrag zum „Fräulein von Scuderi“, der eine innovative Perspektivierung auf die Cardillac’sche Urszene vorschlägt. Hoffmanns juristische Schriften und Streitvorgänge sowie deren Literarisierungen im „Meister Floh“ und den „Lebens-Ansichten des Katers Murr“ erschließt der folgende Beitrag unter Einbezug literar-juristischer Aspekte.
Weitere Aufsätze widmen sich der Rezeption E.T.A. Hoffmanns in China sowie einer psychoanalytischen Untersuchung der Poetik des Unheimlichen in den „Elixieren des Teufels“. Die „Elixiere des Teufels“ und der „Kater Murr“ geraten darüber hinaus in Bezug auf Handschriftlichkeit und deren Materialität in den Blick. Um frühromantische Einflüsse in Form des triadischen Geschichtsmodells von Novalis auf Hoffmanns Kindermärchen „Das fremde Kind“ geht es in einem weiteren Aufsatz.
Das eigene Seelenleben interessiert die Menschen nicht erst seit der Moderne. Schon in der Epoche der Romantik nutzen Autoren psychologische Motive, um das Unterbewusste oder auch ‚das Unheimliche‘, wie Sigmund Freud es ungefähr 100 Jahre später formulieren wird, offenzulegen. E.T.A. Hoffmann, einer der bekanntesten Vertreter der Epoche, kombiniert in seinen Texten oft fantastische und psychologische Elemente. Noch heutzutage faszinieren uns seine Erzählungen und Romane, die eine dichte Atmosphäre des Unheimlichen erzeugen.
Textausschnitt aus dem in deiesem Band u. a. publizierten Beitrag von Inna Sergeeva-Chernykh ´Poetik des Unheimlichen in E.T.A. Hoffmanns Roman Die Elixiere des Teufels im Kontext des psychoanalytischen Diskurses`:
„Das Wechselspiel zwischen Psychoanalyse und Literatur entstand fast gleichzeitig mit der Geburt der Psychoanalyse selbst. Es wäre keine Übertreibung zu behaupten, dass das Unheimliche bei E.T.A. Hoffmann und Sigmund Freud im Mittelpunkt dieses Wechselspiels steht. Das Unheimliche vermag mit seiner Erscheinung bekanntlich etwas enthüllen, was sonst verdrängt geblieben wäre. Vielleicht ist deshalb das Verhältnis zwischen Psychoanalyse und Literatur, das das Unheimliche in seinen Ursprüngen prägt, so komplex.
Das Unheimliche als Wiederkehr des Verdrängten ist nicht leidlos und zwingt die LeserInnen und ForscherInnen literarischer Texte, jenseits des Schleiers der imaginären Objektivität zu blicken und sich die gleichen Fragen zu stellen, denen sich der Mönch Medardus im Roman Die Elixiere des Teufels gegenübersieht. Es geht hier um das Begehren und deshalb auch um die Angst und die Phantasie, also um einige der wichtigsten Fragen der menschlichen Psyche.
Es kann mehrere Ausgangspunkte für eine Untersuchung von Hoffmanns Roman geben. Auch wenn die Wahl eines solchen Ausgangspunktes von irgendeiner wissenschaftlichen Theorie beeinflusst wird, ist diese Entscheidung dennoch zu einem erheblichen Teil eine Frage der persönlichen Präferenz der ForscherInnen. Dabei ist es sowohl aus literaturwissenschaftlicher als auch aus psychoanalytischer Perspektive wichtig, beim Studium des Unheimlichen in Hoffmanns Roman dem Erzähler und dem Text zu folgen. Von hoher Bedeutung ist, zunächst das Unheimliche im Text wörtlich zu suchen. Es ist bekannt, dass die Psychoanalyse sehr auf die Sprache achtet, insbesondere auf Wiederholungen. Sie zeigen die Wichtigkeit von dem an, das wiederholt wird. In den Elixieren des Teufels wird das Wort „unheimlich“ mehr als zwanzigmal verwendet, was relativ viel ist, wenn man dieses Ergebnis mit der Verwendung dieses Wortes bei Hoffmanns Zeitgenossen vergleicht. Es ist bemerkenswert, dass Freud seine eigene Arbeit mit dem Wort „unheimlich“ initiierte. Darüber hinaus geht aus der weiteren Untersuchung hervor, dass das Wort „unheimlich“ in den Szenen verwendet wird, die sich für die Aufdeckung der psychischen Wahrheit des Unheimlichen und das Begehren der Hauptfigur des Romans als entscheidend erweisen. […]
Die Herausgeber
- Claudia Liebrand, Professorin an der Universität zu Köln am Institut für Deutsche Sprache und Literatur. Habilitation 1995 über E.T.A. Hoffmann. Publikationen zur europäischen Literatur des 18. bis 20. Jahrhunderts, zu Geschlechterdifferenz, Psychoanalyse und Film.
- Harald Neumeyer, Professor für Neuere Deutsche Literaturgeschichte an der Universität Erlangen-Nürnberg. Lehr- und Forschungsschwerpunkte zu Franz Kafka, E.T.A. Hoffmann, Literatur und Wissenschaft zwischen 1700 und 2000.
- Thomas Wortmann, Professor für neuere deutsche Literatur und qualitative Medienanalyse an der Universität Mannheim. Lehr- und Forschungsschwerpunkte zu Annette von Droste-Hülshoff, E.T.A. Hoffmann, Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts, Drama und Theater der Gegenwart, Gender Studies und zum Film.
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