Details

Autor Kreutz, Rudolf Jeremias (d.i. Rudolf Krisch)
Verlag Saturn Verlag
Auflage/ Erscheinungsjahr 1931, EA
Einbandart/ Medium/ Ausstattung OLn. mit goldgeprägtem Titel
Seiten/ Spieldauer 101 (2) Seiten
SFB Artikelnummer (SFB_ID) SFB-011683_AQ

Erste Buchausgabe von drei zwischen 1928 und 1931 erschienenen Essays des österreichischen Friedensaktivisten und entschiedenen Gegners des Nationalsozialismus  - ÖBL 4,275. 100 Seite, 2

Aus der Verlagsankündigung

»(...) In unserem Land, das Einzelgänger ohne Anlehnung, ohne "Freunderlmassage", seit je und eh mit gemütlichem Mißtrauen beargwöhnt, hat es einmal eine sogenannte Backhendelzeit gegeben. Damals, im Vormärz, sorgte ein Landesvater im Verein mit Polizei und Militär für die Erhaltung einer Untertanengeistigkeit, die in der sittlichen Forderung gipfelte, daß Ruhe die erste Bürgerpflicht sei. Ruhe, das heißt, animalisches Desinteressement an der Unzufriedenheit wirrer Köpfe, die weiter dachten als der Polizeirapport vorsah.

Zu diesem Behufe wurde Knebelung jeglicher freien Meinungsäußerung wichtigste Regierungsmaxime. Der Geist blieb, soweit er sich nicht damit begnügte, durch harmlose Zwerchfellerschütterung zur geregelten Verdauung beizutragen oder durch Zauber- und Ritterpossen einfältig zu ergötzen, - der Geist blieb unter das Schwert der Zensur gestellt. Seine Vertreiber vertrieb man in die Kasematten des Spielbergs und andere Stätten zu beschaulicher Einkehr. Es war opportun geworden, Flammenzeichen am Zeithorizont mit dem Rotstift auszulöschen. Und es war offiziell gut so. Der Bürger lebte, trächtig von der Fülle des "oben" gnädigst Verstatteten, als "Backhendelfriedhof" dahin, emsig bedacht, sich ja nicht nach etwas Anstößigem zu verschauen.(...)« (S. 27)

Briefwechsel Rudolf J. Kreutzs mit Thomas Mann

"Ihr Anerbieten", so schreibt Mann am 16. September 1931 an den österreichischen Schriftsteller Rudolf Jeremias Kreutz, "mir Ihren neuen Essayband zu schicken, ist sehr liebenswürdig, und es wird mir eine Freude sein, das Buch zu empfangen, wenn es erschienen ist. Ich bin aber, was hilfreiche Äusserungen über Bücher betrifft, lange Jahre hindurch übertrieben bereitwillig gewesen, sodass ich meine Fürsprache etwas entwertet und allerlei kritischen Spott herausgefordert habe. Ich habe mich daher entschliessen müssen, zu bremsen und vorläufig mit solchen Äusserungen zurückzuhalten [...]".

Am 19. Dezember folgt dann ein an Floskeln reicher zweiter Brief an Kreutz, dem vermutlich auch Kreutz entnahm, daß Mann seinen neuen Essayband "Die Krise des Pazifismus, des Antisemitismus, der Ironie" nicht gelesen hatte, den er aber "als wirklich dankenswerte Hilfeleistung bei der uns allen auferlegten Gedankenarbeit an den Problemen der Zeit" empfunden haben möchte: "Ich wundere mich darum auch nicht, so sehr ich mich freue, dass das Buch eine günstige Aufnahme gefunden hat und viel diskutiert wird [...]".

Quelle: Zitiert aus einem Brief Thomas Manns an Rudolf Kreutz. Der Originalbrief , welcher in 05.2026 vom Antiquariat INLIBRIS Gilhofer Nfg, Rathausstraße 19, A-1010 Wien zum Kauf angeboten wird

Inhalt

  • Die Krise der Ironie
  • Die Krise des Pazifismus 
  • Die Krise des Antisemitismus

Der Autor

"Rudolf Jeremias Kreutz, eigentlich Rudolf Krisch, geb. am 2.2.1876 in Rozdalowitz, Böhmen – gest. am 3.9.1949 in Grundlsee, Steiermark; Schriftsteller, Essayist, Satiriker, Pazifist

Nachdem er die Kadettenschule in Wien absolviert hatte, stand K. (eigentlich Rudolf Křiž) von 1894 bis 1910 als Offizier im Truppendienst, wo er bereits Satiren (Vom grinsenden Leben, 1911, Aus dem Affenkasten der Welt, 1914) verfasste und veröffentlichte. Während seiner Zeit in russischer Gefangenschaft (ab Nov. 1914 – Februar 1918) wurde er zum überzeugten Pazifisten, wovon die Romane Die große Phrase (1919, zuvor bereits 1917 auf Dänisch, Schwedisch und 1918 auf Englisch erschienen) und Die einsame Flamme (1920) sowie der Prosa-Satirenband Der vereitelte Weltuntergang (1919) eindrucksvoll Zeugnis ablegen.

Ab 1920 widmete sich K. ganz der schriftstellerischen Arbeit, wobei Themen einer idealen menschlichen Gesellschaft (Der neue Mensch, 1920), und des Friedens (Die Krise des Pazifismus, des Antisemitismus, der Ironie, 1931) im Mittelpunkt standen. Die Satire blieb seine bevorzugte Waffe im Kampf für Menschlichkeit im Sinne eines subversiven Aufrüttelns der Leserschaft. In Novellenbänden wie Menschen im Schutt (1923) und Außenseiter des Lebens (1925) stehen weniger die Protagonisten, sondern vielmehr deren gesellschaftlichen Umstände im Zentrum des Spotts. In politischer Hinsicht exponierte sich K. zeitlebens nicht und bezeichnete sich als „hoffnungslos liberal“. Daneben war er als Feuilletonist und Literaturkritiker v.a. für die Neue Freie Presse tätig und befasste sich dabei mit einem breiten Spektrum, das vom Antikriegsroman Drei Soldaten von John Dos Passos über Reisetexte von Baldur Olden und Otto Flake bis hin zu Robert Hohlbaum und dessen Die deutsche Passion reichte.

Das Engagement in subversiven Vereinigungen blieb Zeit seines Lebens ein wichtiges Anliegen K.s. So war er publizistisch für die satirische Zs. Die Muskete tätig und Mitglied in Henri Barbusses Friedensbewegung Clarté, für die er eine Reihe von Essays über Kriegsgefangenschaft und Antisemitismus verfasste. Dies fand auch Niederschlag in mehreren zeitkritischen Feuilletons, insbesondere gegen neu erstarkenden Militarismus, sichtbar etwa in Der Barde des Ruhms (1925). Seit 1926 war er Mitglied des PEN-Clubs. Im Mai 1927 wurde in der Ztg. Der Tag ein Fortsetzungsroman unter dem Titel Annemariens Komplexe angekündigt.

Seiner im Juni 1933 im Namen von 25 Schriftstellern auf der Generalversammlung des österr. PEN-Clubs eingebrachten Resolution gegen die Bücherverbrennung, gegen Unterdrückung und Freiheitsberaubung im nationalsozialistischen Deutschland folgte umgehend ein Publikationsverbot in Deutschland und ab 1938 auch in Österreich; dennoch stellte K. 1938 einen Antrag auf Aufnahme in die Reichsschrifttumskammer, dem jedoch wegen der ihm angelasteten „zersetzenden, pazifistischen und projüdischen“ Einstellung nicht stattgegeben wurde. 1944 wurde er für fünf Monate inhaftiert, hatte aber dennoch Schwierigkeiten, im Zuge der Wiedererrichtung des österr. P.E.N. 1946-47 als Unbelasteter zu gelten, wie aus dem Briefwechsel mit Robert Neumann hervorgeht. In seinem Roman Ich war ein Österreicher (1940 – 44 entstanden, 1959 veröffentlicht) weitet sich seine Ablehnung des Nationalsozialismus auf alle politischen Parteien aus.

Weitere Werke (Auswahl)

Die einsame Flamme (1920); Evas Rutschbahn. Böse Geschichten (1924); Die Krise des Pazifismus, des Antisemitismus, der Ironie (1931); Striemen. Gedichte (1932); Gesänge der Erde (1933) Ernte im Sturm (1946); Arabesken des Lebens (1947); Aus Gottes wunderlichem Garten (1947)

Quelle: Transdisziplinäre Konstellationen in der österreichischen Literatur, Kunst und Kultur der Zwischenkriegszeit, Projektleitung: Univ.-Prof. Dr. Primus-Heinz Kucher, https://litkult1920er.aau.at/litkult-lexikon/kreutz-rudolf-jeremias/

Erhaltungszustand

Das Klassische Fachantiquariat der SFB verfügt über ein ausnehmend gut /sehr gut erhaltenes Exemplar dieser seltenen Ausgabe. Innen frisch und ohne Anmerkungen, Anstreichungen, Namenseinträge. - Sehr selten!

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