Details
| Autor | Widmer, Peter |
|---|---|
| Verlag | Passagen |
| Auflage/ Erscheinungsjahr | 11.05.2026 |
| Format | 23.5 × 15.5 cm |
| Einbandart/ Medium/ Ausstattung | Paperback |
| Seiten/ Spieldauer | 208 Seiten |
| Reihe | Passagen Philosophie |
| ISBN | 9783709206515 |
Zu diesem Beitrag
„Wer ist ich und wer ist du?“, fragen Kinder. Sie wissen noch nicht, dass die Sprechsituation entscheidet: Wer spricht, ist ich, wer hört, ein Du. Sprechend stellt der Mensch eine Beziehung zu sich selbst und zu anderen her. Darin besteht die deiktische Dimension der Sprache. Sie strukturiert den psychoanalytischen Diskurs.
Der Mensch ist ein Sprechwesen, sagt Lacan. Und mit „Deixis“ bezeichnet man das Sprechen in der ersten Person. „Ich“ sagend errichtet der Mensch eine Welt, über die er verfügen will, mit ihm als Nullpunkt, als Origo, und mit anderen als „Nebenmenschen“ (Freud). Aber diese anderen tun dasselbe, auch sie machen sich zum Nabel einer Welt. Auf diese Weise birgt das welteröffnende Sprechen selbst die Gefahr für gewaltvolle Konflikte in der Welt. Peter Widmer untersucht das Konzept der Deixis auf den Gebieten Linguistik/Semiotik, Philosophie und Psychoanalyse. Dabei arbeitet er auch die Pathologien heraus, die im deiktischen Gebrauch der Sprache angelegt sind. Die Psychoanalyse gewinnt, wenn sie das Sprechen auch jenseits der objektiven Sprache als Sprechen von Subjekten hört.
Aus den abschließenden Bemerkungen des Autors in seinem ausführlichen Vorwort:
"(...) Für die Psychoanalyse wird sich die Einführung als Gewinn erweisen, sofern geklärt werden kann, ob und wie sich die Deixis mit der Berücksichtigung des Unbewussten und den Trieben vereinbaren lässt. Im Folgenden wird das Konzept der Deixis schrittweise erläutert und dabei zunehmend erweitert und differenziert. Es zeigt sich nämlich, dass es die Grenzen der Linguistik, aus der es hervorgegangen ist, sprengt – richtig bedacht, immer schon gesprengt hat – und in die Philosophie, die Anthropologie und die Semiotik reicht. Was zunächst lediglich in einem Überblick dargestellt werden kann, muss danach im Rückgang auf die Linguistik vertieft werden, das heißt in einem innerlinguistischen Abschnitt werden die Merkmale der Deixis aufgelistet. Ihre unterschiedlichen Eigenschaften und Dimensionen leiten dann von selbst auf die Philosophie über (...)"
Inhalt
Vorwort 13
I. Teil: Deixis im System der Wissenschaften – ein Überblick
- I.1. Linguistik 19
- I.2. Philosophie 29
- I.3. Anthropologie 39
- I.4. Semiotik 49
- I.5. Psychoanalyse 55
- I.6. Deixis und das cartesianische Subjekt 59
II. Teil: Merkmale des deiktischen Subjekts
- II.1. Deiktische und objektive Sprache 65
- II.2. Die besondere Tragweite der énonciation 73
- II.3. Deixis und das Selbstbewusstsein 83
- II.4. Deixis und Ichtrieb(e) 87
- II.5. Deixis aus genetischer Sicht 93
- II.6. Deixis und Destruktion 95
- II.7. Deixis und Sexuierung 101
- II.8. Symbolische Ordnung und Ordnung der Signifikanten 103
- II.9. Das Unbewusste und die Deixis 109
- II.10. Lacans Diskursmatheme deiktisch interpretiert 113
- II.11. Deixis und Zeit 127
- II.12. Deixis am Schnittpunkt von Aktivität und Passivität 141
- II.13. Deixis und Affekte 143
- II.14. Deixis und die drei Leidenschaften: Hass, Liebe, Ignoranz 147
- II.15. Kokemohrs Chinese 149
III. Teil: Pathologie und Deixis
- III.1. Ist die Deixis selbst ein pathologisches Konzept? 153
- III.2. Anthropomorphisierungen 155
- III.3. Die Weigerung, in das deiktische System einzutreten 157
- III.4. Darstellungen des deiktischen Subjekts
- (Doppelgänger, Wahrnehmungstäuschungen) 161
Annex I: Der Hass bei Freud und Lacan
- 1. Einleitung 169
- 2. Von der Schwierigkeit, über den Hass zu sprechen 173
- 3. Der Hass bei Freud 175
- 4. Der Hass bei Lacan 185
- 5. Hass und Liebe, Raum und Zeit 197
- 6. Eine Folgerung aus dem Gefangenensophisma 199
- 7. Der Hass und das Sein 201
- 8. Die Frage nach der Priorität von Liebe oder Hass 203
- 9. Verschiedene Aspekte und Funktionen des Hasses 205
- 10. Ethik und Hass 207
- 11. Offene Fragen und Erwägungen 211
Annex II: Frieden als Diskurs gegenseitiger Anerkennung
- 1. Einleitung 219
- 2. Aussagen Freuds zum Frieden 221
- 3. Frieden und der Körper: Die Befriedigung 223
- 4. Der Abendfriede (la paix du soir) 225
- 5. Friede und die Nebenmenschen 227
- 6. Zwischenstaatlicher Frieden 231
- 7. Das Sprechen 235
Anmerkungen / Literatur / Dank
Der Autor
Peter Widmer ist Psychoanalytiker, Autor zahlreicher Fachbücher sowie Initiant und Mitbegründer der Zeitschrift RISS und des Lacan Seminars Zürich.
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