Details
| Autor | Freud, Sigmund |
|---|---|
| Verlag | FISCHER Taschenbuch |
| Auflage/ Erscheinungsjahr | 01.08.2009 |
| Format | 19 × 12.5 cm |
| Einbandart/ Medium/ Ausstattung | Paperback |
| Seiten/ Spieldauer | 268 Seiten |
| Gewicht | 271 |
| ISBN | 9783596902064 |
Der Witz (...) ist die sozialste aller auf Lustgewinn zielenden seelischen Leistungen.
Das Lachen gehört zu den im hohen Grade ansteckenden Äußerungen psychischer Zustände; wenn ich den anderen durch die Mitteilung eines Witzes zum Lachen bringe, bediene ich mich seiner eigentlich, um mein eigenes Lachen zu erwecken.
Siegmund Freud
Freud fasst in einem Aufsatz von 1927 die zentrale Aussage seiner Witz-Analyse wie folgt zusammen:
„In meiner Schrift über den Witz und seine Beziehung zum Unbewussten habe ich den Humor eigentlich nur vom ökonomischen Gesichtspunkt behandelt. Es lag mir daran, die Quelle der Lust am Humor zu finden, und ich meine, ich habe gezeigt, daß der humoristische Lustgewinn aus erspartem Gefühlsaufwand hervorgeht.“
Freud sah im Witz eine Technik des Unbewussten zur Einsparung von Konflikten und zum Lustgewinn (der »ökonomische Gesichtspunkt«). Der Lustgewinn beruhe auf einer kurzzeitigen Lockerung von Verdrängungen. Durch die Solidarisierung mit Gleichgesinnten wirke der Witz gegen Autoritäten, gegen den Sinn oder auch gegen Andersdenkende. Die Gültigkeit von Freuds Argumentation hängt stark von seinem Modell der Psyche ab.
Im anschließenden Teil seiner Arbeit analysiert Freud die Komik und den Humor allgemeiner. Er schließt mit einer Zusammenfassung seiner Studie:
„Wir stehen nun am Ende unserer Aufgabe, nachdem wir den Mechanismus der humoristischen Lust auf eine analoge Formel zurückgeführt haben wie für die komische Lust und den Witz. Die Lust des Witzes schien uns aus erspartem Hemmungsaufwand hervorzugehen, die der Komik aus erspartem Vorstellungs(Besetzungs)aufwand und die des Humors aus erspartem Gefühlsaufwand. In allen drei Arbeitsweisen unseres seelischen Apparats stammt die Lust von einer Ersparung; alle drei kommen darin überein, daß sie Methoden darstellen, um aus der seelischen Tätigkeit eine Lust wiederzugewinnen, welche eigentlich erst durch die Entwicklung dieser Tätigkeit verlorengegangen ist. Denn die Euphorie, welche wir auf diesen Wegen zu erreichen streben, ist nichts anderes als die Stimmung einer Lebenszeit, in welcher wir unsere psychische Arbeit überhaupt mit geringem Aufwand zu bestreiten pflegten, die Stimmung unserer Kindheit, in der wir das Komische nicht kannten, des Witzes nicht fähig waren und den Humor nicht brauchten, um uns im Leben glücklich zu fühlen.“
–Sigmund Freud: Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten, Leipzig und Wien, Franz Deuticke, 1905, S. 204f.
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