Details

Autor Mannoni, Maud
Verlag Walter Verlag, Freiburg /Olten
Auflage/ Erscheinungsjahr 1973, dt. EA
Format 23.5 × 16 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Okart.
Seiten/ Spieldauer 190 Seiten
SFB Artikelnummer (SFB_ID) SFB-010965_MA

»Gewidmet Jacques Lacan»

Zu dieser Ausgabe

(...) "Daß es den Wahnsinn tatsächlich gibt, leugne ich nicht", schreibt die Autorin,"ich kritisiere aber, daß man ihn einer Krankheit gleichsetzt. Diese Gleichsetzung verführt den Psychiater dazu, eine Unregelmäßigkeit in der Person zu lokalisieren, die zweifellos woanders aufzusuchen ist: nämlich auf der Ebene symbolischer Vorfälle, wie sie den familiären Diskurs geprägt haben, aus dem das Subjekt hervorgegangen ist." Der Protest gegen die Medizinisierung des Nichtmedizinischen, vor Mannoni von Thomas Szasz formuliert und radikalisiert von den englischen Antipsychiatern und Franco Basagli wird hier mit dem theoretischen Rüstzeug und in der Sprache der strukturalistischen Psychoanalyse Lacans artikuliert.

Pessimistisch beurteilt die Autorin die Möglichkeit psychoanalytischer Arbeit innerhalb der Psychiatrie - nicht nur, weil der Rahmen der Anstalt die psychoanalytische Situation verfälscht ("Das Gefängnis ist nicht der Ort , an dem es erlaubt wäre, ein freies Sprechen zu propagieren"), sondern auch, weil die Psychoanalyse selber längst zu einer anpassenden Psycho-technik degeneriere und als Wissenschaft vor ihrem Untergang stehe. (...) (Quelle: Hans Krieger. Die Zeit)

Inhalt

  • Vorwort

I. WAHNSINN UND PSYCHIATRISCHE INSTITUTION

  • 1. Die Absonderung der Unvernunft durch die Psychiatrie 
  • 2. Der Wahnsinn als gesellschaftlich verfügter Status
  • 3. Wahnsinn und Psychiatrie

II. PSYCHIATRISCHE INSTITUTION UND PSYCHOANALYSE

  • 4. Die Psychoanalyse als Institution und die Institution der Anstalt
    Die Rede des Paranoikers
  • 5. Der «Schizophrene» zwischen seiner Familie und der Anstalt
  • 6 . Die Institution als Refugium vor der Angst
    Geschichte einer mentalen Anorexie

III. PSYCHOANALYSE UND ANTI-PSYCHIATRIE

  • 7. Anti-Psychiatrie und Psychoanalyse 
    I. Theoretische Auseinandersetzung 
    II. klinischen Praxis der Anti-Psychiatrie 
  • 8. Die Lehranalyse und die Psychoanalyse als Institution 
    I. Zur Geschichte
    II. Der Vorgang der Analyse
    III. Psychoanalyse, Lehranalyse und Institution 
    IV. Auswahl und Ausbildung der Kandidaten für die Psychoanalyse 

Zusammenfassung

Statt eines Anhangs

  • I. Brief einer Krankenschwester
  • II. Die Versuchsschule in Bonneuil-sur-Marne

Anmerkungen
Bibliographie
Index

Die Autorin

Maud Mannoni, geb. Magdalena van der Spoel (* 23. Oktober 1923 in Kortrijk; † 15. März 1998 in Paris), war eine belgische Kriminologin und Psychoanalytikerin. Maud Mannoni wuchs die ersten zehn Jahre ihrer Kindheit in der damaligen niederländischen Kolonie Ceylon auf. Anschließend besuchte sie ein Gymnasium in Amsterdam sowie in Antwerpen. Sie studierte Psychiatrie und Kriminologie in Brüssel. Von Françoise Dolto wurde sie in die Kinderanalyse eingeführt. 1948 ging Mannoni nach Paris und lernte dort das Werk von Jacques Lacan kennen.

Mannoni spezialisierte sich auf psychische Krankheiten bei Kindern und Jugendlichen, insbesondere auf Psychosen und kindliche Defizite. Im Jahr 1969 gründete sie gemeinsam mit Robert Lefort eine alternativ-psychiatrische Einrichtung in der französischen Gemeinde Bonneuil-sur-Marne für Kinder und Jugendliche in Not. Es war ein Ort zum Leben und für experimentelle Strukturen für autistische, psychotische oder zurückgebliebene Kinder und Jugendliche. Dort praktizierte Mannoni eine Therapieform, in der die Gemeinschaft eine zentrale Bedeutung hatte. Sie selbst nannte es ein Konzept gesprengter Institutionen. Ihre Arbeit orientierte sich an alternativen Therapiemöglichkeiten, wie sie beispielsweise Fernand Deligny in den Cevennen entwickelt hatte. - Unter den Schülern von Jacques Lacan nimmt Mannoni - bezogen auf das Feld der Antipsychiatrie - eine herausragende Position ein. Verheiratet war sie mit Octave Mannoni, der auch eine Biografie über Sigmund Freud verfasst hat. - Maud Mannoni war Mitglied der École Freudienne in Paris. (Quelle: Gekürzt aus Wikipedia)

Erhaltungszustand

Im Modernen Fachantiquariat der SFB ist diese grundlegende Arbeit der französischen Kinderpsychoanalytikerin als ein wohlerhaltenes Exemplar der leinengebundenen Ausgabe und mit dem Schutzumschlag verfügba; offenbar ungelesen, entsprechend ohne Anmerkungen, Anstreichungen; mit geringen lagerungsbedingten Läsuren am Schutzumschlag. - Selten.

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