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Autor Mentzos, Stavros (1930-2015)
Verlag Vandenhoeck u. Ruprecht
Auflage/ Erscheinungsjahr Nachdruck der Neufassung 12.04.2002
Format 20,5 × 12,3 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Paperback
Seiten/ Spieldauer 256 Seiten
Abbildungen Mit 6 Abb.
Gewicht 308
Reihe Sammlung Vandenhoeck
ISBN 9783525014691

Mit Blick auf die "Rückkehr des Krieges nach Europa durch den Überfall Russlands auf die Ukraine scheint es mir besonders lohnend, Mentzos’ Überlegungen zum Krieg wieder aufzugreifen. Zum Ersten geht es ihm darum, die menschliche Aggressionsneigung nicht auf einen Aggressions- oder Destruktionstrieb zurückzuführen, sondern als eine Reaktion auf die verhinderte Befriedigung narzisstischer und libidinöser Bedürfnisse – mithilfe der Mobilisierung aggressiver Affekte – zu verstehen. Des Weiteren konzentrieren sich seine Gedanken auf die psychosozialen Funktionen des Krieges, ohne dabei politisch-ökonomische Aspekte unerwähnt zu lassen. Im Rahmen seiner Überlegungen zur menschlichen Kriegsneigung diskutiert Mentzos aber durchaus auch Gesichtspunkte einer phylogenetischen Verankerung von Aggression unter Bezugnahme auf Theorien von Freud, Lorenz, Eibl-Eibesfeldt, de Waal und anderen und stellt seine Positionen zur psychosozialen, vornehmlich narzisstischen Funktion des Krieges dazu und diesen gegenüber. Das Buch endet mit Betrachtungen zu den Möglichkeiten einer Einhegung resp. Überwindung des Krieges, Erwägungen, welche er an verschiedenen Stellen einfließen ließ. (…)"

Dr. Thomas Pröll im: in: Forum der Psychoanalyse | Ausgabe 1/2023

Zu diesem Beitrag

Der renommierte Psychoanalytiker Stavros Mentzos (1930-2015) entwickelt die These, dass in kriegerischen Auseinandersetzungen narzisstische Bedürfnisse und Defizite kompensiert werden. Innere Konflikte, Identitätskrisen, Depressionen, Sinnlosigkeitsgefühle der Protagonisten werden dabei nach außen verlagert.

Entgegen der Auffassung eines Großteils von Psychoanalytikern ist für Mentzos deshalb nicht der menschliche Aggressionstrieb das zentrale Movens von Krieg, wenn er auch unterstützend für die kriegerische Handlung gebraucht wird. Richtet man den Blick auf die psychosoziale Dimension von Kriegen, so liegt genau hier auch eine Hoffnung auf eine Bewusstseinsveränderung, die zur Kriegsprävention beitragen kann, die vielleicht auch irgendwann einmal die anachronistische Institution Krieg überwinden hilft.

Und: kriegerisches Denken und Handeln findet in den konkurrenzbasierten Gesellschaften alltäglich statt; es wird unterschwellig fortwährend vermittelt und reproduziert sich unentwegt. Ebenso ist unübersehbar, daß narzisstische Gesellschaften und solche, die unterdrückt, bevormundet und in Lethargie gehalten werden, gerade solche Führer, Populisten und Despoten zulassen, tolerieren und nicht selten devot hofieren und bejubeln. - Immer aber sind Kriege exzessive Ausdrucksformen von machtpolitischen, ideologischen und ökonomischen Interessenkonflikten. Dahinter lagern entsprechend jedoch immer unbewußte sozialpsychologische Mechanismen, die einer scharfsichtigen Analyse bedürfen.

Stimmen mit Bezug auf diees Buch

"Angesichts vielzähliger Krisenherde auf der Welt, der Bürgerkriege, der terroristischen Angriffe auf Zivilgesellschaften und des militärischen Einschreitens in kriegerischen Auseinandersetzungen, stellt sich uns die Frage nach der Dynamik im Verhältnis von „Psyche und Krieg“: Wie sind militärische, politisch-ökonomische und psychosoziale Dimensionen im kriegerischen Geschehen voneinander abhängig? Und wie wirkt sich das auf Gruppen im Militär aus? Der kürzlich verstorbene Psychiater und Psychoanalytiker Stavros Mentzos hat in seinem Buch „Der Krieg und seine psychosozialen Funktionen“ (2002) herausgearbeitet, warum sich Kriege nicht durch moralische Appelle vermeiden und beenden lassen. Gesellschaftliche wie individuelle Geschichten, Zivilisationsprozesse und kulturelle Identitäten sind von Kriegen durchdrungen und von deren Wertsystemen geprägt. Menschen haben durch den Krieg „ihre inneren Konflikte externalisiert, ihre narzisstischen Defizite kompensiert, ihre Identitätskrisen bekämpft, ihre Depressivität (pseudo-) kuriert, ihre Heldenideale geformt und ihre Sinnlosigkeitsgefühle überspielt“ (Mentzos, 2002, S. 15). Über alle zweckrationalen Motive hinaus spielen in der Dynamik von Kriegen auf der politischen Bühne Emotionen, interpersonale und institutionalisierte Abwehrprozesse und unbewusste Stereotype eine entscheidende Rolle. Für Gruppenanalyse und Gruppenpsychotherapie liegt es nahe, sich mit Fragen von kollektiver Erfahrung und individuellem Leid in Zeiten des Krieges zu befassen. Ihre Anfänge sind eng verknüpft mit den Traumatisierungen von Soldaten in den beiden
Weltkriegen des 20. Jahrhunderts sowie mit den militärpsychiatrischen Herausforderungen, die psychischen Folgen traumatischer Erlebnisse der Betroffenen zur Sprache zu bringen und zu lindern. (...)"

Franziska Lamott in einem Beitrag der Zeitschrift Gruppenpsychotherapie - Gruppendynamik, Jahrgang 51 (2016), Seiten 168 - 173, unter dem Titel ´Psyche und Krieg – Gruppen im Militär` erschienen ist

Der Autor

Stavros Mentzos (1930–2015), Prof. Dr. med., war Leiter der Abteilung für Psychotherapie und Psychosomatik des Klinikums der Universität Frankfurt/Main.

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