Details

Autor Sloterdijk, Peter
Verlag Suhrkamp
Auflage/ Erscheinungsjahr 24.03.2026
Format 20.4 × 12.4 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Paperback
Seiten/ Spieldauer 189
Gewicht 198
ISBN 9783518001363

Zu diesem Beitrag

Alexander habe Achill nachgeahmt und Caesar den Alexander – doch wen haben sich die starken Männer der Gegenwart zum Vorbild genommen? Caligula, Napoleon III., Mao? »Be careful what you wish for«, so ein englisches Sprichwort: Vielleicht hätten die Heutigen vorsichtiger sein sollen, als sie sich in den postpolitischen Jahren Staats- und Regierungschefs mit mehr Charisma wünschten.

»I am the chosen one«, wusste Donald Trump 2019 über sich zu berichten. Seit Wiederamtsantritt lebt er die Madman-Theorie aus, die ein moderner Machiavelli erdacht haben könnte: Wer als unkalkulierbar gilt, macht die besten Deals. Auf der anderen Seite der Erdkugel sammelt der »Überragende Führer« Xi Zar Putin und Narendra Modi um sich, der einem Vorbild die höchste Statue der Welt errichten ließ.

Ein Fürst, der sich behaupten wolle, statuierte Machiavelli, müsse lernen, nicht gut zu sein. Diese Lektion haben die neuen Autokraten gelernt. Peter Sloterdijk schwingt sich nicht zu ihrem Berater auf, sondern erweist sich als so kühler wie hellsichtiger Analytiker des neuen Typs Fürst. In ihm reaktualisiert sich für Sloterdijk die Frage, ob die moderne Welt über die im Königtum gefundene Lösung für die Verkörperung der Macht in Einzelpersonen hinausgekommen sei.

Aus den Vorüberlegungen des Autors

"Warum wieder vom »Fürsten« reden ? Von den zahlreichen Fragen, die seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts das zeitgenössische Publikum an vielen Denk- und Brennpunkten der Welt beunruhigen, scheint keine sich leichter beantworten zu lassen als diese. Die Fürsten, so möchte man meinen, sind vielerorts wieder da, manche schon an der Macht, andere auf dem Sprung, förmlicher Krönungen nicht bedürftig, von Unterwürfigkeit getragen wie seit frühen Zeiten, der Schwäche ihrer Gegner allzu bewußt. Jede einfache Antwort jedoch, sieht man näher zu, erweist sich als Eingang zu einem Labyrinth aus unbequemen und abstoßenden Folgerungen. Die einfachste Auskunft ergibt sich aus dem Hinweis auf die Existenz von politischen Figuren wie Vladimir Putin und Donald Trump. Die bloße Tatsache ihrer zeitweilig synchronen Präsenz auf der Weltbühne bedeutet einen Skandal für all jene, die überzeugt waren, moderne Gesellschaften seien lernende Systeme, die irgendwann aus dem imperialistischen Trotzalter herauswachsen sollten. Auch durch Gestalten wie Xi Jinping, Narendra Modi, Recep Tayyip Erdoğan und zahlreiche andere Akteure auf den Szenen der Tyrannei – neuerdings etwas vornehmer als »Autokratie« betitelt – reaktualisiert sich auf breiter Front die Sorge, die zeitgenössische Welt sei nicht wirklich entscheidend hinausgekommen über die vormals im Königtum gefundene Lösung der Aufgabe, die legitime Macht und die Herrschaft des guten Rechts solle sich in einer Einzelperson und ihren Beauftragten, ob man sie Minister oder Kommissare nenne,  verkörpern. Man redet wieder vom Fürsten – gelegentlich sogar von einem »verrückten König« – , aus begreiflichen, wenn auch eher erschreckenden Gründen. Die Standardhypothese der neueren Zeit, daß nach den Königen unter normalen »demokratischen« oder »republikanischen« Bedingungen die Präsidenten, die Premierminister oder die Generalsekretäre kommen müßten, läßt sich mit den Erfahrungen der Gegenwart wie auch denen der beiden nach 1789 abgelaufenen Jahrhunderte nur sehr unvollkommen zur Deckung bringen.

Nicht wenige Episoden in den weitverbreiteten Erzählungen, die vom Übergang von der Monarchie in die Demokratie handeln, werden, wie man mehr und mehr begreift, gemäß dem Cliffhanger-Schema verfaßt. Ist erst einmal ein König gestürzt, geköpft oder emigriert, zeigt sich : Kein Gesetz der Nachfolge stellt sicher, daß der Mann, der seinen Platz einnehmen wird, sich mit den Aufgaben und Qualitäten eines ersten Ministers, eines Präsidenten oder Kanzlers begnügt. In der nächsten Episode zeigt sich nicht selten, daß der neue erste Mann im Staat ein umgekleideter und reformatierter König ist und sich als solcher gebärdet. Nur relativ selten wurde der Neue auf Anhieb zu einem paßgenau ins Amt eingefügten Präsidenten – zu einem Mann, der bereit war, von den ersten Tagen an die Anzüge der demokratischen Gewöhnlichkeit zu tragen. (...)"

Inhalt

  • Vorüberlegung: Machiavellis Buch vom Fürsten - noch einmal aufgeblättert
  • Potere essere non buono: Vom Sündenfall zum Absturz in den Staat
  • Anthropologische Lektionen für das politische Tier
  • 1. Zeichen von oben: Charismatische Macht
  • 2. Das Paradox der Souveränität
  • Zwischenbemerkung: Die heilige Ordnung des Oberen und Unteren
  • 3. Verwilderte Vertikalität
  • 4. Das Große und das Absurde
  • Nachwort: Telemalignität – oder : Was Machiavelli vielleicht über die Kunst des Nicht-gut-Seins im Zeitalter der Raketenartillerie gesagt hätte 

Der Autor

Peter Sloterdijk wurde am 26. Juni 1947 als Sohn einer Deutschen und eines Niederländers geboren. Von 1968 bis 1974 studierte er in München und an der Universität Hamburg Philosophie, Geschichte und Germanistik. 1971 erstellte Sloterdijk seine Magisterarbeit mit dem Titel Strukturalismus als poetische Hermeneutik. In den Jahren 1972/73 folgten ein Essay über Michel Foucaults strukturale Theorie der Geschichte sowie eine Studie mit dem Titel Die Ökonomie der Sprachspiele. Zur Kritik der linguistischen Gegenstandskonstitution. Im Jahre 1976 wurde Peter Sloterdijk von Professor Klaus Briegleb zum Thema Literatur und Organisation von Lebenserfahrung. Gattungstheorie und Gattungsgeschichte der Autobiographie der Weimarer Republik 1918–1933 promoviert. Zwischen 1978 und 1980 hielt sich Sloterdijk im Ashram von Bhagwan Shree Rajneesh (später Osho) im indischen Pune auf. Seit den 1980er Jahren arbeitet Sloterdijk als freier Schriftsteller. Das 1983 im Suhrkamp Verlag publizierte Buch Kritik der zynischen Vernunft zählt zu den meistverkauften philosophischen Büchern des 20. Jahrhunderts. 1987 legte er seinen ersten Roman Der Zauberbaum vor. Sloterdijk ist emeritierter Professor für Philosophie und Ästhetik der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe und war in Nachfolge von Heinrich Klotz von 2001 bis 2015 deren Rektor. (Verlagstext)

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