Details

Autor Marcuse, Herbert (1898-1978)
Herausgeber Jansen, Peter-Erwin (Hg.)
Verlag zu Klampen Verlag
Auflage/ Erscheinungsjahr 19.08.2014
Format 20.5 × 12.5 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Paperback
Seiten/ Spieldauer 296 Seiten
Gewicht 327
ISBN 9783866742390

»Die gegenwärtige industrielle Zivilisation beweist, daß sie die Stufe erreicht hat, auf der ›die freie Gesellschaft‹ in den traditionellen Begriffen ökonomischer, politischer, und geistiger Freiheit nicht mehr angemessen bestimmt werden kann; nicht weil diese Freiheiten bedeutungslos geworden sind, sondern weil sie zu bedeutsam sind, um auf die traditionellen Formen begrenzt zu bleiben. Entsprechend den neuen Fähigkeiten der Gesellschaft bedarf es neue Weisen der Verwirklichung.«

Herbert Marcuse, Der eindimensionale Mensch

Aus dem umfassenden Vorwort des Autors, abschließende Bemerkungen:

"(...) Angesichts der totalitären Züge dieser Gesellschaft läßt sich der traditionelle Begriff der »Neutralität« der Technik nicht mehr aufrechterhalten. Technik als solche kann nicht von dem Gebrauch abgelöst werden, der von ihr gemacht wird; die technologische Gesellschaft ist ein Herrschaftssystem, das bereits im Begriff und Aufbau der Techniken am Werke ist.

Die Weise, in der eine Gesellschaft das Leben ihrer Mitglieder organisiert, schließt eine ursprüngliche Wahl zwischen geschichtlichen Alternativen ein, die vom überkommenen Niveau der materiellen und geistigen Kultur bestimmt sind. Die Wahl selbst ergibt sich aus dem Spiel der herrschenden Interessen. Sie antizipiert besondere Weisen, Mensch und Natur zu verändern und nutzbar zu machen und verwirft andere. Sie ist ein »Entwurf« von Verwirklichung unter anderen. Aber ist der Entwurf einmal in den grundlegenden Institutionen und Verhältnissen wirksam geworden, so tendiert er dazu, exklusiv zu werden und die Entwicklung der Gesellschaft als Ganzes zu bestimmen. Als ein technologisches Universum ist die fortgeschrittene Industriegesellschaft ein politisches Universum - die späteste Stufe der Verwirklichung eines spezifischen geschichtlichen Entwurfs - nämlich die Erfahrung, Umgestaltung und Organisation der Natur als des bloßen Stoffs von Herrschaft. Der Terminus »Entwurf« (Projekt) hebt das Element von Freiheit und Verantwortung in der geschichtlichen Determination hervor: er verknüpft Autonomie und Kontingenz. In diesem Sinne wird er im Werk von Jean-Paul Sartre verwandt. Zur weiteren Diskussion. Indem der Entwurf sich entfaltet, modelt er das gesamte Universum von Sprache und Handeln, von geistiger und materieller Kultur. Im Medium der Technik verschmelzen Kultur, Politik und Wirtschaft zu einem allgegenwärtigen System, das alle Alternativen in sich aufnimmt oder abstößt. Produktivität und Wachstumspotential dieses Systems stabilisieren die Gesellschaft und halten den technischen Fortschritt im Rahmen von Herrschaft. Technologische Rationalität ist zu politischer Rationalität geworden. (...)"

Inhalt

  • Vorrede:
  • Die Paralyse der Kritik: eine Gesellschaft ohne Opposition
  • Die eindimensionale Gesellschaft
  • 1 Die neuen Formen der Kontrolle
  • 2 Die Abriegelung des Politischen
  • 3 Der Sieg über das unglückliche Bewußtsein: repressive Entsublimierung
  • 4 Die Absperrung des Universums der Rede
  • Das eindimensionale Denken
  • 5 Negatives Denken: die besiegte Logik des Protests
  • 6 Vom negativen zum positiven Denken: technologische Rationalität und die Logik der Herrschaft
  • 7 Der Triumph des positiven Denkens: eindimensionale Philosophie
  • Die Chance der Alternativen 215
  • 8 Das geschichtliche Engagement der Philosophie 215
  • 9 Die Katastrophe der Befreiung 236
  • 10 Beschluß 258
  • Verzeichnisse

Stimmen zu diesem Beitrag

»Marcuses Studien sind trotz ihrer Prägnanz nur ein Anfang. (...) Plastisch, intelligent und radikal sind die Ausführungen, und in ihrer erschreckenden Aktualität – hoffentlich endlich – ein Weckruf.«

Daphne Tokas in: literaturkritik.de, 21. November 2016

»Wer also Marcuse heute zur Hand nimmt, kann erstaunliche Einsichten in unsere Gegenwart gewinnen und zwar genau in jene Grundlagen der Eindimensionalität, die Marcuse herausgearbeitet hat.«

Fritz Rebeis ´Widerspruch`, veröffentlicht in: Münchner Zeitung für Philosophie, Nr. 60, 2015

Der Autor

Herbert Marcuse, geboren am 19.Juli 1898 in Berlin, wird nach dem Militärdienst im 1. Weltkrieg für kurze Zeit Mitglied eines Soldatenrates in Berlin. Ab 1919 studiert er Literaturwissenschaft und Philosophie in Freiburg/Breisgau (u.a. bei Husserl und Heidegger). 1932 wird er Mitarbeiter des Frankfurter Instituts für Sozialforschung und emigriert 1934 nach New York, wo er am Institute of Social Research tätig ist und Mitbegründer der Kritischen Theorie der Gesellschaft wird. Während des 2. Weltkriegs arbeitet Marcuse für den amerikanischen Geheimdienst, um die Kriegsanstrengungen der Aliierten gegen Nazideutschland zu unterstützen. Nach dem Ende des Krieges kehrt er nicht, wie Horkheimer und Adorno, nach Europa zurück, sondern lehrt an verschiedenen renommierten Universitäten der USA: An der Harvard University, der Brandeis University, der Princeton University, der University of California. Hier verfaßt er seine großen Werke 'Triebstruktur und Gesellschaft', 'Vernunft und Revolution', 'Der eindimensionale Mensch', die zu den grundlegenden Texten für die Studentenbewegung der sechziger und siebziger Jahre werden. Am 29. Juli 1979 stirbt Herbert Marcuse während eines Deutschlandaufenthalts in Starnberg.

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