Details
| Autor | Arnold, Thomas; Fuchs, Thomas |
|---|---|
| Verlag | Suhrkamp |
| Auflage/ Erscheinungsjahr | 11.03.2026 |
| Format | 20.8 × 13.4 cm |
| Einbandart/ Medium/ Ausstattung | Hardcover |
| Seiten/ Spieldauer | 200 Seiten |
| Gewicht | 388 |
| ISBN | 9783518588475 |
Zu diesem Beitrag
Narzissmus ist allgegenwärtig – als Modewort, moralischer Vorwurf, Gesellschaftsdiagnose oder klinischer Befund. Doch was verbirgt sich dahinter? Und warum sind narzisstische Menschen nicht zufriedenzustellen – unersättlich? Thomas Arnold und Thomas Fuchs entwerfen in ihrem grundlegenden Buch eine neue, phänomenologisch-existenziale Sicht des Narzissmus. Das narzisstische Selbst- und Weltverhältnis erweist sich hier als Ausdruck einer existenziellen Leere: eines leiblich gespürten Mangels an Selbstwert, der durch äußere Bestätigung, Attraktivität oder Macht nie dauerhaft gestillt werden kann.
Zugleich ist der Narzissmus ein Spiegel der spätmodernen Seele, und gerade in einer Kultur der Individualisierung – von Social Media bis Therapie, von Echo bis Instagram – gilt es zu verstehen, warum Bestätigung von außen niemals satt macht. Arnold und Fuchs führen philosophische, soziologische, psychologische und psychodynamische Erkenntnisse zusammen, um zu einem tieferen Verständnis für die Strukturen narzisstischer Subjektivität in Individuum und Gesellschaft zu gelangen. Gibt es auch gesunden Narzissmus? Wieso sind echte Begegnungen für Narzissten so schwierig? Und was haben Virtualität, Verschwörungstheorien und extreme Politik mit Narzissmus zu tun? Ein hochaktuelles Buch, das uns den Spiegel vorhält.
Aus dem Vowort
"(...) Unser Interesse an dem Thema hat dabei mehrere Ursprünge Einerseits speist es sich aus dem praktischen Bedürfnis, klinische Zusammenhänge phänomenologisch besser zu begreifen.Andererseits ist die zunehmende gesellschaftliche Bedeutung des Narzissmus (unabhängig von seiner Epidemiologie) nicht zu leugnen. Er mag ein Modethema sein, das viele mehr oder weniger fundierte Beiträge stimuliert, doch das dahinterliegende Bedürfnis, eine Subjektivierungsform besser zu verstehen, die unsere Zeit wesentlich zu prägen scheint, teilen wir.Die grundlegende narzisstische Problematik des Selbstwerts und Status, der an das leibliche Erleben und Erscheinen gebunden ist, betrifft uns darüber hinaus alle auf existenzielle Weise: Unser Selbstwert ist wesentlich ein leiblich-affektives Selbstverhältnis, das unser Leben ursprünglich prägt und bestimmt. Zugleich hat kein Mensch einen völlig stabilen Selbstwert - und niemand von uns geht mit dessen Schwankungen immer optimal um: Auch Menschen ohne narzisstische Persönlichkeitsstörung greifen mitunter zu narzisstischen Strategien der Bewältigung von Selbstwertmangel. Es ist nicht immer leicht, wirklich »mit sich selbst befreundet zu sein«, wie Aristoteles es ausdrückte. Mit anderen Worten: Die narzisstische Problematik betrifft uns als Menschen – und daher ist sie auch zwischen den Fächern angesiedelt. Sie gehört weder der Philosophie, der Psychologie, der Psychiatrie noch der Soziologie alleine an. So betrachten wir die folgenden Ausführungen auch als den Versuch, den Narzissmus »an der Wurzel zu fassen«, nämlich ihn aus einer leibphänomenologisch-existenziellen Perspektive zu verstehen, die in den Blick nimmt, was uns letztlich allen gemeinsam ist. (...)"
Inhalt
Vorwort
Einleitung: Theoretische Fülle und tiefer Mangel
Überblick
1. Ovid und der Spiegel des Narziss
- 1.1 Der Mythos
- 1.2 Phänomenologie des Spiegelbildes
- 1.3 Der entfremdende Spiegel
- 1.4 Narziss und die anderen
- 1.5 Narzissten vor und nach Narzis
2. Narzissmus als existenzielle Leere
- 2.1 Selbstliebe oder Selbstleere?
- 2.2 Flucht nach vorne
- 2.3 Idealität
3. Normaler Narzissmus?
- 3.1 Gesunder Narzissmus
- 3.2 Primärer Narzissmus
- 3.3 Das Ozeanisch-Paradiesische
4. Leiblichkeit
- 4.1 Leiblicher Selbstbezug – was ist Selbstwert?
- 4.2 Leere und Verzweiflung
- 4.3 Der Leib als Schauplatz des narzisstischen Konflikts
- 4.4 Vulnerabilität und Sterblichkeit
5. Zeitlichkeit
- 5.1 Ungeduld
- 5.2 Langeweile
- 5.3 Die drei Zeitdimensionen
- 5.4 Der narzisstische Suizid
- 5.5 Maskenwechsel
- 5.6 Lüge und Narrativ
6. Intersubjektivität
- 6.1 Spiegelungen
- 6.2 Gescheiterte Dezentrierung
- 6.3 Brüche und Scherben
- 6.4 Eltern
7. Narzissmus und Geschlecht
- 7.1 Differenzen in Theorie und Wirklichkeit
- 7.2 Narzisstische Selbst-Regime
- 7.3 Zwischen Natur und Kultur
8. Kultur und Gesellschaft
- 8.1 Mangel, Konsum und Beschleunigung
- 8.2 Singularisierung
- 8.3 Virtualisierung und Subjektivierung
- 8.4 Narzisstische Polarisierungen
- 8.5 Spiritualität, Religiosität und Positivität
- 8.6 Narzissmus als Grundfigur der Gegenwart
9. Therapeutische Möglichkeiten
- 9.1 Bedingungen und Wandlung
- 9.2 Wege und Übergänge
10. Schluss
Anmerkungen
Literaturverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Namenregister
Die Autoren
- Thomas Arnold ist Akademischer Rat am Philosophischen Seminar der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg.
- Thomas Fuchs ist Karl-Jaspers-Professor für Philosophische Grundlagen der Psychiatrie und Psychotherapie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Für sein Werk wurde er u. a. mit dem Erich-Fromm-Preis ausgezeichnet.
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