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Herausgeber Oesterle, Günter (Hg.)
Verlag Brill Deutschland
Auflage/ Erscheinungsjahr 10.2003
Format 20.4 × 12.4 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Paperback
Seiten/ Spieldauer 371 Seiten
Abbildungen Mit 19 schwarz-weiße Abbildungen
SFB Artikelnummer (SFB_ID) SFB-003752_AC

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Das Déjà-vu gehört zu den Grundfiguren der Moderne. Erlebnisse von Wiederholung und Verdopplung irritieren und faszinieren in ihrer Kultur der Distanz. Ausgehend von der Genese des Déjà-vu-Begriffs in der Psychologie des späten 19. Jahrhunderts blicken die Beiträge auf die lange Tradition des Phänomens zurück, reflektieren dessen Konjunktur in der Literatur und Philosophie der Moderne und folgen seinen Spuren und Wandlungen bis in die Techniken digitaler Kunst und aktueller Medienkultur. Das Zusammenspiel von Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen und Nationen ermöglichte einen Band, der erstmals ein Kompendium der Geschichte des Déjà-vu-Phänomens in seinen Spielarten bietet und zugleich als Instrumentarium zur Analyse der Gegenwartskultur gelesen werden kann.

Stimmen zu diesem Buch

"(...)Der Sache nach ist das Deja-vu ein Phänomen, das sich bereits in der antiken Philosophie bei Aristoteles findet, anderen Interpretationen zufolge aber schon in der Anamnesis-Lehre Platons (,,alles Lernen ist Wiedererinnerung") ausgemacht werden kann. Bei Aristoteles stehen die Überlegungen zum Deja-vu im Zusammenhang der Untersuchung von ekstatischen Erfahrungen, die heute häufig als epileptische Anfälle gedeutet werden. Eine Definition leistet allerdings erst die mechanistische Psychologie des ausgehenden 19. Jahrhunderts, die es als Problem des falschen Gedächtnisses vor allem in pathologischer Hinsicht untersucht. Die prägende philosophische Interpretation liefert Henri Bergsan, durch die das Deja-vu zur grundlegenden Figur menschlicher Erfahrung avanciert. Dessen Uberlegungen führen Walter Benjamin und Ernst Bloch weiter, unterstreichen die Nähe dieses Phänomens zu den Künsten, insbesondere zur Literatur, und erheben es „zum privilegierten Modus [... ] moderner Erfahrung" (S.7).

Das umfangreichste Kapitel des Buches ist das zweite, ,,Kulturgeschichte des Deja-vu" überschrieben. Hier wird die Erfahrung des Deja-vu, wie sie in Literatur und Philosophie figuriert, in den Mittelpunkt gestellt, wobei es viele Rückbindungen an geistesgeschichtliche Ansätze gibt. So führt Manfred Schneider einen Parforceritt durch die Philosophiegeschichte vor. Gerhard Neumann richtet ,,die Frage nach dem Deja-vu auf die Liebesbegegnung und ihre Erkenntnisfunktion" (S.80) aus und zieht als Beispiele u.a. Stendhals Le rouge et le noir (1830) und Lolita (1950) von Nabokov heran. Harald Neumeyer zeigt, wie Tieck im Märchen ´Der blonde Eckbert` die paradoxe Figur einsetzt, um die Grenzziehung zwischen
Vergangenheit und Zukunft zu unterlaufen - so erscheint jegliche Wahrnehmung als Deja-vu und durch diese Oszillation von Erinnerung und Ahnung wird „der Wahrnehmungsmodus des Deja-vu als Normalität auf Dauer gestellt" (S.149). Neben der Literatur der Romantik stellt die der Moderne einen weiteren Schwer punkt dar: In gleich drei Aufsätzen werden Texte Walter Benjamins analysiert (Gabriele Brandstetter, Peter Utz, Harald Tausch). Wurde besonders in der Modeme das Erlebnis vermeintlicher Bekanntheit als poetologische Figur verwendet, so wird im dritten Kapitel "Vom Deja-vu zur Wound Culture") die Frage gestellt, ob dies auch für die Postmoderne und ihre utopielose, posttraumatische Gesellschaft noch gelten kann: Hier sind so unterschiedliche Facetten versammelt wie Ausführungen zur differentia specifica der neuen Medien (Timothy Murray), das Ereignis des 11. Septembers und dessen vielfache Verdoppelung (Rebecca Schneider) sowie die Auffassung der postmodernen Kultur als ,Wound Culture' wie sie sich laut Mark Seltzer im Berliner Städtebau zeigt. (...)"
 

Nina Riedler: Günter Oesterle (Hg.): Déjà-vu in Literatur und bildender Kunst. In: MEDIENwissenschaft: Rezensionen | Reviews, Jg. 22 (2005) Nr. 3, S. 328–330

Der Autor

Günter Oesterle war bis zu seiner Emeritierung Professor für Neuere deutsche Literatur an der Universität Gießen mit dem Schwerpunkt Kulturpoetik der Romantik.

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