Details

Autor Baberowski, Jörg
Verlag C.H.Beck
Auflage/ Erscheinungsjahr 20.02.2026
Format 21.7 × 13.9 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Hardcover
Seiten/ Spieldauer 208 Seiten
Gewicht 358
ISBN 9783406844324

«Wenn es Menschen gibt, die eine traditionelle Meinung bestreiten oder
das tun wollen mit Billigung des Gesetzes oder der Öffentlichkeit: lasst
uns ihnen danken, unseren Geist sich öffnen und lauschen! Freuen wir
uns, daß noch jemand da ist, der für uns tut, was wir eigentlich mit viel
größerer Mühe selbst tun müssten, sofern uns an der Gewißheit und der
Lebenskraft unserer Überzeugungen etwas gelegen ist.»

aus: John Stuart Mill, Über die Freiheit

Zu diesem Beitrag des renommierten Historikers

Zunehmend wird in den öffentlichen Diskursen über eine ›Krise der Demokratie‹ gesprochen. - Aber was ist denn (ideal-)typischerweise gemeint, wenn von ´Demokratie` die Rede ist? Offenbar gibt es keine hinreichende Kurzdefinition und daher auch keinen Konsens bezüglich der Frage, was sie denn sei, ausmache und wie sie beschaffen sein müsse, um (nicht nur) die Erwartungen derjenigen zu erfüllen, die ihren schleichenden Verfall beklagen.

Der renommierte Historiker Jörg Baberowski erzählt eine andere Geschichte der Demokratie. Eine, die hinter die Kulissen, in ihre Maschinenäume blickt und zahleiche Schwachstellen und Illusionen offenlegt. Dazu gehört etwa die Erkenntnis, dass alle Beziehungen zwischen Menschen immer von Macht und Abhängigkeitsverhältnisse durchzogen sind; so auch in der Demokratie, und nicht zuletzt die banale Tatsache, dass das Volk zwar der Souverän sein mag, sich aber eben nicht selbst regieren kann und also - nach klaren und transparenten Regeln - repräsentiert werden muß. Und diejenigen,die sich gerne und so wortreich auf das Wahlvolk berufen, sehen sich zunehmender Skepsis und dem kritischen Blick jener gegenüber, welche sie doch zu vertreten vermeinen oder dies zumindest vorgeben. Im Modell demokratischer Repräsentation ist der Populismus daher als Möglichkeit immer schon enthalten.

Statt das Murren, den Widerspruch von unten als lästige Regung eines begriffstutzigen oder führungsbedürftigen «Pöbels» zu sehen, sollten sich die gewählten VertreterInnen an die größte Stärke der Demokratie erinnern: dass sie es erlaubt, auch im Streit mit anderen im Einklang zu sein. Gegner dürfen nicht zu unerbittlichen Feinden werden, die Demokratie sollte unbequemen Meinungen deshalb einen weiten Raum zu ihrer Entfaltung geben.

Aus der Einleitung

"Die Demokratie ist in der Krise, heißt es allenthalben, und jeder würde dieser Diagnose sofort zustimmen. In einer repräsentativen Umfrage aus dem Jahr 2023 beklagten mehr als die Hälfte der Bürger in Deutschland, daß die Demokratie nicht mehr leiste, wozu sie einst auf die Welt gekommen sei. Und nur zwanzig Prozent der Befragten gaben bekannt, noch Vertrauen zum Parlament zu haben. Offenbar trauen die Bürger der repräsentativen Demokratie in ihrem gegenwärtigen Zustand nicht länger zu, die allgegenwärtige Krise zu bewältigen. Populistische Bewegungen feiern ungeahnte Triumphe, in den USA und in Italien haben sie erfolgreich nach der Macht gegriffen, andere Staaten könnten ihrem Beispiel folgen. Manche sprechen inzwischen vom Verfall der Demokratie, die zur Beute einer entrückten, unkontrollierbaren Elite geworden und nicht mehr zu retten sei, andere warnen vor Populisten und der autoritären Versuchung.1 Was tun? Eine Entscheidung ist fällig, aber noch nicht gefallen, die gewohnte Ordnung scheint nicht mehr zu leisten, was man sich von ihr erwartet, Neues aber ist noch nicht in Sicht. Ein Gefühl der Unsicherheit und des Unbehagens legt sich über das Leben. Die Demokratie ist in einem kritischen Zustand, sie kann überleben oder sterben. In jedem Fall aber scheint sie nicht bleiben zu können, was sie ist. Es muss etwas geschehen. (...)"

Inhalt

  • 1. Am Volk vorbei? Demokratie und Populismus 9
  • 2. Macht, Herrschaft, Staat 17
  • 3. Was ist Demokratie? 27
  • 4. Souveränität und Repräsentation 39
  • 5. Demokratie im Zeitalter der Massen 59
  • 6. Alles Ständische und Stehende verdampft. 77
  • 7. Die Krise der repräsentativen Demokratie 95
  • 8. Der Kampf um Anerkennung 113
  • 9. Die Wiedergewinnung der Souveränität 139

Anmerkungen 163 / Literaturverzeichnis 189 / Personenregister 207

Der Autor

Jörg Baberowski ist Professor für die Geschichte Osteuropas an der Humboldt-Universität zu Berlin und Autor zahlreicher Bücher und Aufsätze zur russischen und sowjetischen Geschichte. 2012 erhielt er für sein Werk "Verbrannte Erde. Stalins Herrschaft der Gewalt" den Preis der Leipziger Buchmesse. Bei C.H.Beck sind von ihm lieferbar: "Der Sinn der Geschichte" (3. Aflg. 2014), "Verbrannte Erde" (4. Aflg. 2022), "Der sterbliche Gott" (2024) und "Die letzte Fahrt des Zaren" (2. Aflg. 2025).

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