Details
| Autor | Recalcati, Massimo |
|---|---|
| Verlag | Verlag Turia + Kant |
| Auflage/ Erscheinungsjahr | 15.12.2025 |
| Format | 24 × 16 cm |
| Einbandart/ Medium/ Ausstattung | Paperback |
| Seiten/ Spieldauer | 382 Seiten |
| Gewicht | 724 |
| ISBN | 9783985141395 |
Zu diesem Beitrag
Diese Arbeit des renommierten italienischen Psychoanalytikers handelt von der zentralen Bedeutung des Logos, meint: von der konstitutiven Dimension des Wortes, die sich sowohl in der psychoanalytischen Theorie und Praxis als auch prominent am Anfang der biblischen Erzählung findet. Vor diesem Hintergrund thematisiert der in Mailand wirkende Psychoanalytiker und Philosoph Massimo Recalcati die Notwendigkeit, über die rituellen Praktiken und die Unmenschlichkeit des Opfers hinaus zu gelangen – wovon die Geschichte Abrahams und der verhinderten Opferung seines Sohnes Isaak exemplarisch erzählt.
Bei genauerem Hinsehen enthält der biblische Text zahlreiche Erzählungen und Szenen, die tief mit den Theorien des psychoanalytischen Diskurses verwoben sind. Durch dieses Buch soll eindrücklich und nachvollziehbar gezeigt werden, wie und in welchem Maße sich Sigmund Freud und Jacques Lacan in ihrem Werk von den biblischen Erzählungen haben inspirieren lassen. Ja, mehr noch: Massimo Recalcati rekonstruiert konkret und präzise die verschiedenen Dimensionen, in denen die Psychoanalyse das »Erbe« des biblischen Denkens antritt und es in gleichsam säkularer Form fortsetzt. Das jüdisch-biblische und das psychoanalytische Denken treten somit jenseits von Klischees und Vorurteilen in einen neuen Dialog miteinander ein.
Um dieses Gespräch fruchtbar zu gestalten, muss, wie Recalcati in seiner Einleitung zu Recht betont, auf den Anspruch verzichtet werden, den biblischen Text auf krude Weise »psychoanalysieren« zu wollen; vielmehr gehe es nun darum, »die Heilige Schrift zu lesen, um die Psychoanalyse besser zu verstehen«.
Aus dem Vorwort von Hegener und Stefano Vastano
"Es mag die eine oder den anderen erstaunen, ein Buch eines Psychoanalytikers vor sich liegen zu haben, das sich auf die Bibel – in diesem Falle die Hebräische Bibel - als eine zentrale Inspirationsquelle bezieht, sie also nicht, wenn überhaupt noch, als ein bloß kulturhistorisch interessantes bzw. antiquarisches Dokument ohne jede bleibende inhaltliche Relevanz betrachtet. Diese verbreitete Haltung scheint bei vielen Psychoanalytiker:innen die geradezu logische Konsequenz eines oft kruden Atheismus zu sein, der jede religiöse Äußerungsform als pathologisch unter Verdacht stellt. Wiewohl diese Position sich wohlfeil auf Freuds scharfen Atheismus beruft, übersieht sie jedoch geflissentlich, welch einen bestimmenden Einfluss die (Hebräische) Bibel auf den Gründer der Psychoanalyse und auf diese selbst hatte. In einem seiner aus Jahr 1925 stammenden »Selbstdarstellung« hinzugefügten Satz betont Freud 1935, also nur wenige Jahre vor seinem Tod, rückblickend auf sein Leben: »Frühzeitige Vertiefung in die biblische Geschichte, kaum daß ich die Kunst des Lesens erlernt hatte, hat, wie ich erst viel später erkannte, die Richtung meines Interesses nachhaltig bestimmt«.Bemerkenswert an dieser Aussage ist Zweierlei: Zum einen hebt Freud hervor, wie stark gerade die schon früh einsetzende Beschäftigung mit der »biblischen Geschichte«, und nicht etwa seine später erworbene und oft herausgestellte klassisch-humanistische Gymnasialbildung, sein ganzes intellektuelles und emotionales Leben maßgeblich »bestimmt« hat - schon mit dieser Aussage macht Freud mithin deutlich, dass die Bibel für ihn nicht ein beliebiges Bildungsgut ist, das ihm nur zu illustrativen Zwecken gedient hat, sondern dass sie tief verbunden ist mit der Psychoanalyse selbst. Zum anderen beschreibt er mit diesen Zeilen, dass er die Macht dieses Einflusses erst mit einer charakteristischen Verspätung, also nachträglich (an-)erkennen konnte. Unterzieht man nämlich diese Aussage in einer Art Gesamtschau einer Überprüfung, so kann man tatsächlich feststellen, dass diese »Vertiefung« und Beschäftigung mit der Bibel der Entwicklung seines geistigen Lebens gleichsam einen Rahmen gegeben hat und dessen Beginn mit seinem Ende in einer zweizeitigen und rückholenden Bewegung verbindet (...)"
Inhalt
Vorwort von W. Hegener und S. Vastano
Einleitung
Kapitel I: Das Gesetz des Wortes
- Das Begehren Gottes
- Das Licht des Wortes
- Die Macht des Wortes
- Der erste Schnitt
- Der zweite Schnitt
- Der sexuelle Unterschied
- Das Gesetz des Wortes und seine Überschreitung
- Die Unterstellung der Schlange
- Nicht-Alles
- Ein Gott der Horde?
- Das tödliche Genießen
- Nacktheit und Untergang
Kapitel II: Brudermord
- Der Hass kommt vor der Liebe
- Kains Skandal
- Die zweite Übertretung: Gewalt und Neid
- Die Halluzination von Gewalt
- Das Gesetz des Wortes
- Der Eindringling: Kain und Narziss
- Die Wahl Gottes
- Die Faszination des Hasses
- Brüderlichkeit, Trauer und Verantwortung
- Das Erbe Kains
Kapitel III: Noah und der Wahnsinn der Babylonier
- Eine Theologie der Verfluchung?
- Sodom und Gomorrha
- Das Trauma der Sintflut
- Humanismus und Anthropozentrismus
- Noah: der »Rest«, der neu beginnt
- Einen Weinberg pflanzen
- Noahs Genießen
- »Geh aus deinem Land«
- Sich einen Namen machen
- Das Gesetz des Wortes als Gesetz der Übersetzung
- Die Vermehrung der Sprachen
Kapitel IV: Die Opferung Isaaks
- Eine grausame Erzählung
- »Hier bin ich!«
- Die Einsamkeit des Aktes
- Jenseits des Opfers
- Das Trauma des Namens des Vaters
- Die Opferung des Eigentums am Sohn
- Die Spaltung Gottes
Kapitel V: Jakobs Hüfte
- Blut ist nicht die Substanz der Brüderlichkeit
- Der Kampf zwischen Brüdern
- Traumatische Brüderlichkeit und generative Brüderlichkeit
- Wer ist der Erste?
- Rebeccas Begierde
- Der Betrug
- Ein Mann auf der Flucht
- Der Kampf mit dem Fremden
- Eine andere Art von Bruderschaft
Kapitel VI: Hiobs Kampf
- Ein Schrei
- Satans Wette
- Die Verfolgung Gottes
- »Wo ist der Vater?«
- Spricht der Schmerz?
- Die Kritik an der Vergeltungstheologie
- Die Spaltung des Gesetzes
- Das Böse ist kein Zeichen
- Die Prüfung
- Glaube und Gnade
- Die Wahrheit von Hiob
Kapitel VII: Das idolatrische Phantasma des Seins und der Rest des Genießens
- Hevel
- Das Reich des Todes und der Ungerechtigkeit
- Das idolatrische Phantasma
- Die Leere des Begehrens
- Der Rest des Genießens
- Eine Brüderlichkeit, die nicht auf Blut basiert
Kapitel VIII: Das Glück der Liebe
- Ein heikles Buch
- Der Wahnsinn des Körpers
- Das Objekt als Ursache des Begehrens
- Der Rausch des Begehrens
- Die Logik der Herrschaft
- Die Vormachtstellung der Frau
- Liebe und sexuelles Begehren .
- Die unmögliche Beziehung
- Das Siegel des Namens
- Die Liebe ist stärker als der Tod
Kapitel IX: Jona und der Geist der Rache
- Die Ablehnung
- Die Erzählung
- Die erste Szene: Kum! Steh auf!
- Der Ruf des Begehrens: Exkurs
- Ein Flüchtling
- Die zweite Szene: in den Abgrund
- Die dritte Szene: eine zweite Chance
- Ein Gesetz j
Verzeichnis der Bibelstellen
Namenverzeichnis
Der Autor
Massimo Recalcati lebt und arbeitet als Psychoanalytiker in Mailand. Er lehrt Dynamische Psychologie an der Universität von Verona und Psychoanalyse, Ästhetik und Kommunikation am IULM in Mailand. Er ist wissenschaftlicher Leiter der Spezialisierungsschule für Psychotherapie IRPA, Forschungsinstitut für angewandte Psychoanalyse. Im Jahr 2003 gründete er Jonas Onlus, ein psychoanalytisches Klinikzentrum für neue Symptome. Zahlreiche erfolgreiche Buchpublikationen, die in mehrere Sprachen übersetzt sind. Bei Turia + Kant ist »Der Stein des Anstoßes. Lacan und das Jenseits des Lustprinzips« erschienen.
Die Übersetzer
Stefano Vastano, Journalist, Autor und Übersetzer, lebt und arbeitet seit 1989 in Berlin. 2023 veröffentlichte er »Filosofia dell'effervescenza. Estetica, etica e politica nel pensiero di Peter Sloterdijk« (Mimesis, Mailand).
Wolfgang Hegener, Psychoanalytiker, Theologe und Hochschullehrer an der Humboldt-Universität zu Berlin. 2023 veröffentlichte er »Im Anfang war die Schrift. Sigmund Freud und die Jüdische Bibel« (Pychosozial-Verlag, Gießen).
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