Details

Herausgeber Streeck-Fischer, Annette (Hg.)
Verlag Schattauer
Auflage/ Erscheinungsjahr 2004, EA
Format 16,0 × 23,5 × 2,8 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Gebunden, mit SU
Seiten/ Spieldauer 240 Seiten
SFB Artikelnummer (SFB_ID) SFB-003193_AC

Zu diesem Buch

Führen frühe Vernachlässigungen, Mißhandlungen oder andere traumatische Erfahrungen zu Störungen, die in Gewaltbereitschaft münden können? Welches sind die Voraussetzungen,welches die Rahmenbedingungen, die konstruktives Verhalten junger Menschen fördern und destruktives verhindern können? Sind die sicheren Bindungen im frühen Lebensalter Voraussetzung dafür, daß die Jugendlichen die Adoleszenz ohne Komplikationen durch laufen und ihr Leben in der Gesellschaft sinnvoll gestalten können? Mit welchen präventiven Maßnahmen können wir dem destruktiven jugendlichen Verhalten begegnen? Und was ist zu tun, wenn es für Prävention zu spät ist?

Es gibt Jugendliche, die diese Zeitspanne anscheinend ohne jegliche Beunruhigung durchleben. Andere werden plötzlich »schwierig «, orientieren sich an schrillen Erscheinungen jugendlicher Subkultur, »steigen aus «, werden gewalttätig und somit zu Grenzgängern der Gesellschaft. Das Buch widmet sich besonders dem Ausstieg aus den bisherigen Bezügen mit der Lösung bisheriger Bindungen und den Fragen der Gewalt, der Aggression und Destruktivität und ihrer Psychotherapie. Ein besonderes Gewicht erhalten dabei neue Erkenntnisse aus der Affekt- und der Bindungsforschung sowie der Neurobiologie.

Inhalt

  • Vorwort der Herausgeberin 
  • Annette Streeck-Fischer: Selbst- und fremddestruktives Verhalten in der Adoleszenz -Folgen von Traumatisierung in der Entwicklung  

1 Frühe Regulationssysteme und ihre Abhängigkeit von der Umwelt. Zur biopsychosozialen Entwicklung 

  • Jaak Panksepp: Die psychobiologischen Langzeitfolgen der emotionalen Umwelten von Kleinkindern für das spätere Gefühlsleben - Forschungsperspektiven für das 21. Jahrhundert
  • Peter Fonagy und Mary Target: Frühe Interaktion und die Entwicklung der Selbstregulation
  • Gerald Hüther: Destruktives Verhalten als gebahnte Bewältigungsstrategie zur Ü berwindung emotionaler Verunsicherung: ein entwicklungs-neurobiologisches Modell

2 Entwicklungsverläufe der Adoleszenz zwischen Normalität und Pathologie: Wege und Irrwege der Adoleszenz  

  • Inge Seiffge-Krenke: Adoleszenzentwicklung und Bindung
  • Franz Resch, Peter Parzer und Romuald Brunner: Selbstregulation und Destruktivität
  • Klaus Schmeck: Temperamentsmerkmale von dissozialen Jugendlichen
  • Frank Verhulst: Kann dissoziales Verhalten vorhergesagt werden? Eine Untersuchung an Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen über einen Zeitraum von 14 Jahren

3 Zur Theorie und Therapie destruktiven Verhaltens

  • Werner Bohleber: Adoleszenz, Identität und Trauma
  • Dieter Bürgin: Psychodynamik und Destruktivität
  • Shelley Doctors: Wenn Jugendliche sich selbst schneiden. Neuere Ansätze zum Verständnis und zur Behandlung
  • Philippe Jeammet: Lustvermeidung und Destruktivität zur Regulation von Beziehungsdistanz
  • Francois Ladame: Adoleszenz und Selbstdestruktivität. Klinische Erfahrungen und theoretische Bemerkungen
  • Gerd Lehmkuhl: Erklärungsansätze für destruktives Verhalten Jugendlicher am Beispiel von Störungsbildern wie Anorexia nervosa und Borderline-Störung

4 Besondere Aspekte von Destruktivität

  • Ilany Kogan: Trauma und Kreativität - kreative Betätigung in der Behandlung der Nachkommen von Holocaust-Überlebenden
  • Claudia Wiesemann: Ethische Probleme und Interventionen bei destruktivem Verhalten Jugendlicher
  • Die Autorinnen und Autoren

Aus dem Vorwort

(...) Jugendliche, die zu gewalttätigem Verhalten neigen, stellen in den europäischen Ländern ein anhaltendes Problem dar. Der deutschen Kriminalstatistik des Jahres 2000 zufolge haben die Gewalttaten im Vergleich zum Vorjahr bei Kindern um 8,7% und bei Jugendlichen um 4,9% zugenommen. Mehr und mehr werden die verheerenden Folgen sexueller und körperlicher Gewalt von der Öffentlichkeit zur Kenntnis genommen.

Die Adoleszenz kann als Zeit der Weichenstellungen angesehen werden, in der kreative und integrative Potentiale geweckt werden können, die im ungünstigen Fall aber in chronische Krankheit mit selbstdestruktivem Verhalten und Dissozialität mündet. Welche Umstände es sind, aufgrund derer die Entwicklung in die eine oder in die andere Richtung verläuft, ist bislang noch unzureichend verstanden. Verläuft die Adoleszenz anhaltend ungünstig, sind Aufenthalte in psychiatrischen Kliniken erforderlich, orientiert sich der Jugendliche an sozialen Randgruppen, wird er arbeitsunfähig, verfällt er in süchtiges Verhalten oder gerät er in den Sog von Kriminalität, so sind erhebliche und oftmals dauerhafte Belastungen für die Gesellschaft und das Gesundheitssystem die Folge.

Auf dem Gebiet der Hirnforschung, der Neurobiologie und der Bindungsforschung sind in den letzten Jahren wichtige Erkenntnisse gewonnen worden, die für präventive psychosoziale Programme ebenso wie für die psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung von Jugendlichen von Bedeutung sind.

Im Sommer 2002 fand in Göttingen ein internationaler Kongreß zum Thema „Adoleszenz - Bindung - Destruktivität“ statt, der u.a. zum Ziel hatte, (...)

Die Herausgeberin

Annette Streeck-Fischer, Prof. Dr. med. habil., Kinder- und Jugendpsychiaterin, Psychoanalytikerin, Hochschullehrerin an der International Psychoanalytic University Berlin (IPU). Von 1983 bis 2013 Chefärztin der Abteilung „Psychiatrie und Psychotherapie von Kindern und Jugendlichen“ des Akademischen Lehrkrankenhauses Tiefenbrunn bei Göttingen. Von 2011 bis 2015 Präsidentin der ISAPP (International Society of Adolescent Psychiatry), derzeit Past-Präsidentin. Mitherausgeberin der Zeitschrift „Adolescent Psychiatry“; bis 2013 verantwortliche Herausgeberin der Zeitschrift „Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie“. Ehem. Mitglied in wissenschaftlichen Beiräten verschiedener psychotherapeutischer Zeitschriften, seit 2016 Mitglied des wiss. Beirats der französischen Zeitschrift „Cliniques“. Zahlreiche Veröffentlichungen u.a. zu Psychotherapie von Jugendlichen, Adoleszenz, Rechtsextremismus, Gewalt, Trauma, Misshandlung, Missbrauch, Borderlinestörungen in der Adoleszenz.

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