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SFB-Bestseller

Zwei Enthüllungen über die Scham

Details

Verlag S. FISCHER
Auflage/ Erscheinungsjahr 25.05.2022
Format 20,9 × 13,1 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Hardcover
Seiten/ Spieldauer 208 Seiten
Gewicht 312
ISBN 9783103971378

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22,00 €


Merkliste

Aus dem Inhalt

  • 1. Die Scham als Luxusartikel. Eine Maske verhohlenen Stolzes
    Konsumscham
    Verbrauchsscham
  • 2. Das Niemandsland der Scham
    Körperscham
    Seinsscham: Das Leiden an der »ontischen Mitgift«
  • 3. Die Scham der Verarmten
    Die »prometheische« Scham
    Isolationsscham
    Scham durch Exponiertheit
  • 4. Fremdschämen.Das Paradoxon übertragener Affekte
  • 5. Politische und moralisierende Scham
    Shaming: das Erzeugen öffentlicher Ächtung
    Schambasierte Beseitigungsstrategien: »Schäm Dich!« und »Weg mit dir!«
    Kaltstellen durch Schambehauptung: »Ich schäme mich für dich!«
  • 6. Leben wir in einer Schamkultur?
  • 7. Schamkrankheiten? Die »neuen Pathologien« und ihre möglichen Schamursachen
  • 8. Von den aktuellen Erscheinungsformen der Scham zu ihrer Theorie
  • Erste Enthüllung: Die Scham ist nicht »außengeleitet«.
  • Der Irrtum der Anthropologen: Scham als Wirkung von Fremdbeurteilung. Schuld als Ruf des eigenen Gewissens
    Aktualität des ersten Irrtums über die Scham
    Herkunft des Irrtums aus der Anthropologie
    Erster Gegenbeweis:Scham ohne Kenntnis und Verurteilung durch andere. Der Fall des »unschuldigen Missetäters«
    Zweiter Gegenbeweis: Kenntnis und Verurteilung durch andere ohne Scham. Der Mann auf der Palme und der Mann mit der Zigarre
    Das Diskretionsgebot der Scham
    Schlussfolgerung: Scham entsteht nicht, wenn alle von einer peinlichen Sache wissen. Die Scham bricht erst dann aus, wenn ein »Als-ob« zusammenbricht
    Der Adressat des »Als-ob«: Mannonis »naiver Beobachter«
    Der Grund für den Irrtum der Anthropologen
    Eine andere Art von Außenleitung
  • Zweite Enthüllung: Die Scham beruht nicht auf einem Zuwenig, sondern auf einem Zuviel. Die Scham kommt von unten, nicht von oben.
  • Der Irrtum der Psychoanalytiker: Scham als vom Über-Ich beanstandetes Defizit des Ich gegenüber einem Ideal
    Schwierigkeiten dieser Auffassung
    Die Auffassung der Scham als Reaktion auf Schwäche oder Minderwertigkeit: ein Erkenntnishindernis
    Versuch einer Neukonstruktion. Scham als Wirkung einer Beobachtung
  • Erste Enthüllung: Die Scham ist nicht »außengeleitet«.
  • Der Irrtum der Anthropologen: Scham als Wirkung von Fremdbeurteilung. Schuld als Ruf des eigenen Gewissens
    Aktualität des ersten Irrtums über die Scham
    Herkunft des Irrtums aus der Anthropologie
    Erster Gegenbeweis:Scham ohne Kenntnis und Verurteilung durch andere. Der Fall des »unschuldigen Missetäters«
    Zweiter Gegenbeweis: Kenntnis und Verurteilung durch andere ohne Scham. Der Mann auf der Palme und der Mann mit der Zigarre
    Das Diskretionsgebot der Scham
    Schlussfolgerung: Scham entsteht nicht, wenn alle von einer peinlichen Sache wissen. Die Scham bricht erst dann aus, wenn ein »Als-ob« zusammenbricht
    Der Adressat des »Als-ob«: Mannonis »naiver Beobachter«
    Der Grund für den Irrtum der Anthropologen
    Eine andere Art von Außenleitung
  • Zweite Enthüllung: Die Scham beruht nicht auf einem Zuwenig, sondern auf einem Zuviel. Die Scham kommt von unten, nicht von oben.
    Der Irrtum der Psychoanalytiker: Scham als vom Über-Ich beanstandetes Defizit des Ich gegenüber einem Ideal
    Schwierigkeiten dieser Auffassung
    Die Auffassung der Scham als Reaktion auf Schwäche oder Minderwertigkeit: ein Erkenntnishindernis
    Versuch einer Neukonstruktion. Scham als Wirkung einer Beobachtung von unten
    Das Unter-Ich
    Was sich von unten sehen lässt
    Die Ehre. Das positive Guthaben der Scham
    Eine Reaktionsbildung?
    Stolz und Selbstachtung: Selbstwert im Vorhinein und im Nachhinein, ex ante und ex post
    Verlust des Stolzes, Plötzlichkeit der Scham
    Scham als Folge von Entblößung: aber wovon?
    Das Ich als Unding. Das Unheimliche: Zur Theorie des obszönen Überschusses
    Die Überflutung durch die Scham: das Maßlose des Überschusses
    Das Unheimliche: der Schlüssel zum Verständnis der Scham
    Scham als Regression in den primären Narzissmus. Ein Ausbruch des »Genießens«
    Sich schämen für Schwäche wie für Stärke
    Die Umkehrung der Affektqualität: Unlust statt Lust
    Resümee
  • Anhang: Zur Ontologie des Obszönen und zu einer Politik der Scham
  • Epilog
  • Dank
  • Bibliographie

Zu diesem Buch

Eine scharfsinnige und provokante philosophische Analyse der aktuellen gesellschaftlichen Debatte um das Thema »Shaming«

In unserer Kultur der sozialen Medien finden viele, dass andere sich schämen sollten: Großkonzerne, Steuerhinterzieher, weiße, männliche Heterosexuelle, Dicke, Hässliche, Gegner. Früher wollte man mit Andersdenkenden diskutieren. Heute versucht man, sie nicht zu Wort kommen zu lassen. Das ist wie bei der Scham. Denn bei der Scham muss immer etwas weg: Jemand möchte im Boden versinken oder am liebsten tot sein.

In seinem neuen Buch »Zwei Enthüllungen über die Scham« untersucht Robert Pfaller die Hintergründe dieses Phänomens. Er widerspricht dabei den zwei am häufigsten vertretenen Auffassungen - Pfaller spricht gar von ´Hauptirrtümer` bezüglich der Scham - : erstens der These der Kulturanthropologen, dass in Schamkulturen Menschen ihr Verhalten an den Meinungen der anderen orientieren. Und zweitens der im Umfeld der Psychoanalyse vertretenen Auffassung, nach der Scham in einem »Idealungenügen« bestünde, Menschen sich also aus Minderwertigkeitsgefühlen schämten.

Beide Auffassungen sucht der Autor in seinem Buch zu widerlegen und stellt alternative Modelle vor, die Menschen helfen können, sich aus den leidvollen Zuständen der Scham zu befreien. Denn es hilft hier nicht, auf der Oberfläche mögliche Quellen für Scham durch Banalisierung und das ´Antrainieren` veränderter Sichtweisen zum Versiegen zu bringen, wenn etwa die Anmutung von Barbiepuppen modifiziert oder dickere Models auf die Laufstege geschickt werden.

Auch bei der Betrachtung dieses Themas liegt Pfallers Stärke einmal mehr » ... in seiner Fähigkeit, paradoxen Entwicklungen unserer Zeit auf die Spur zu kommen und sie auf einen treffenden Begriff zu bringen.«, wie Konrad Paul Liessmann meint.

Einleitung

Immer mehr Menschen bekommen es derzeit mit der Scham zu tun. Viele finden sich gesellschaftlich an den Rand gedrängt und schämen sich darum. Viele aber sind andererseits auch zunehmend exponiert – gegenüber einer unbekannten Öffentlichkeit, vor allem in den sogenannten »sozialen« Medien. Zudem entstehen neue Bemühungen um erhöhte Achtsamkeit gegenüber vermeintlich fragwürdig gewordenen Praktiken, Wünschen oder Zuständen: Man spricht von »Fleischscham«, »Zuckerscham«, »Flugscham«, »Autoscham«, »Plastikscham«, »Bauscham«, »Trägheitsscham«, »Social-Media-Scham« – ja zuletzt auch von »Impfscham«, »Corona-Scham« oder auch »2G-Scham«.[1]

So schämen sich immer mehr Menschen für immer mehr Dinge, die es entweder zuvor nicht gab oder mit denen sie früher vielleicht ohne Bedenken und ohne schmerzliche Konsequenzen gelebt hätten; ja sogar für Dinge und Handlungen, auf die sie – wie beim Tragen von Pelzmänteln, im Besitz eines Hauses oder beim Verpacken von Geschenken – früher wohl stolz gewesen wären.

Ebenso aber schämen sich viele Leute auch zunehmend in Bezug auf andere Menschen – sei es nun für sie, oder sei es anstelle dieser anderen, durch sogenanntes »Fremdschämen«. Nicht immer jedoch zeugt diese fremdbezogene Scham von erhöhter Sensibilität oder von Zartgefühl. Oft bildet sie auch eine Waffe in einem neuartigen Typ von politischer Auseinandersetzung.

Der Autor

Robert Pfaller, geboren 1962, studierte Philosophie in Wien und Berlin und ist nach Gastprofessuren in Chicago, Berlin, Zürich und Straßburg Professor für Kulturwissenschaften und Kulturtheorie an der Kunstuniversität Linz. Von 2009 bis 2014 war er Professor für Philosophie an der Universität für angewandte Kunst Wien. Im S. Fischer Verlag ist von ihm »Das schmutzige Heilige und die reine Vernunft. Symptome der Gegenwartskultur« erschienen, die vielbeachtete Studie »Wofür es sich zu leben lohnt. Elemente materialistischer Philosophie«, »Zweite Welten. Und andere Lebenselixiere« sowie im Fischer Taschenbuch »Kurze Sätze über gutes Leben«. Mit mit der Psychoanalytiker Beate Hofstadtler hat er außerdem den Band »After you get what you want, you don't want it. Wunscherfüllung, Begehren und Genießen«, eine Festschrift für August Ruhs, herausgegeben.

Rezensionen

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