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Kittler, Erika et al. (Hg.)

Zeitschrift für psychoanalytische Theorie und Praxis

2020.1/2 - 35. Jahrgang (XXXV) - "Ferenczi"

Details

Verlag Klostermann, Vittorio
Auflage/ Erscheinungsjahr 2020
Format 24,0 × 16,0 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Paperback
Seiten/ Spieldauer 200 Seiten
Reihe Zeitschrift für psychoanalytische Theorie und Praxis
ISSN 0169-3395-20H1/2-SFB

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56,00 €


Merkliste

Journal for Psychoanalytical Theory and Practice

Aus dem Inhalt

  • Eveline List: Sándor Ferenczi – ein »freier Radikaler« der Psychoanalyse
  • Sándor Márai: Nachruf auf Sándor Ferenczi († 22. Mai 1933)
  • Luis J. Martín Cabré: Das Konzept der Introjektion und seine Entwicklung in Ferenczis Theorie: Konsequenzen für die psychoanalytische Technik
  • Sándor Ferenczi: Einleitung zum Versuch einer Genitaltheorie (1924)
  • Peter Berz: Die Einzeller und die lust Bölsche – Freud – Ferenczi
  • J. Javier Fernández Soriano: Thalassa. Ferenczis Versuch einer Genitaltheorie aus Sicht der modernen Biologie
  • Alba Gasparino und Agustín Genovés: Die Wende der Zwanzigerjahre
  • Raluca Soreanu: Vom Seelenleben der Fragmente Spaltungsprozesse von Ferenczi bis Klein
  • Luis J. Martín Cabré: Die traumatolytische Funktion des Traumes
  • Imre Hermann: Einführung in die Trauma-Studien von Ferenczi
  • Jacques Press: Psychosomatische Herausforderungen eines Nahkampfs (corps à corps). Der Blick eines Psychosomatikers auf die Beziehung zwischen Freud und Ferenczi
  • Sándor Márai: Lebende und Tote
  • Valérie Bouville: Schweigen zwischen Schuld und Trauma
  • Daniel Bischof: Repräsentanzen und Traumerleben

Abstracts Heft 1-2/2020

Redaktionelles Vorwort

Eveline List (Wien): Sándor Ferenczi – ein »freier Radikaler« der Psychoanalyse

Zusammenfassung: Sándor Ferenczi war der wohl engste und vielleicht wichtigste, aber zuletzt auch eigenständigste unter Freuds Schülern/Freunden. Zutiefst politisch denkend und letztlich sozialpsychiatrisch orientiert, stieß er früh zur Psychoanalyse und wurde rasch zu Freuds intimstem Diskussionspartner, der ihn vielfach inspirierte und viele seiner Ideen aufgriff und weiterführte. Stets um klinisches Verstehen bemüht und weniger an institutionellen Fragen interessiert, verfolgte er schließlich auch Überlegungen, die ihn von Freud distanzierten, sein Spätwerk aber wesentlich beeinflussten.

Luis J. Martín Cabré (Madrid): Das Konzept der Introjektion und seine Entwicklung in Ferenczis Theorie: Konsequenzen für die psychoanalytische Technik

Zusammenfassung: Ferenczi entwickelte das Konzept der Introjektion sehr bald nach seiner ersten Begegnung mit Freud in seinem ersten rein psychoanalytischen Aufsatz und präzisierte es wenige Jahre danach. Es blieb für sein gesamtes Werk grundlegend. Der Autor beschreibt Genese und Bedeutung dieses Begriffs als Beschreibung eines primärprozesshaften Geschehens und verfolgt seine weitere Entwicklung entlang des gesamten Werks von Sándor Ferenczi.

Peter Berz (Berlin): Die Einzeller und die lust Bölsche – Freud – Ferenczi

Zusammenfassung: Die Auffassung des ungarischen Psychoanalytikers der ersten Stunde, Sándor Ferenczi, vom psychischen, weil evolutionären Streben der Lebewesen zurück ins Meer (»thalassaler Regressionszug«) und Ferenczis hauptsächliche Berufungsinstanz: Wilhelm Bölsches großes Werk über das Liebesleben in der Natur (1898) werden zum Ausgangspunkt, über Ontogenese und Phylogenese, Psychismus und Evolution nachzudenken. Dabei artikulieren sich unversehens und nahezu wörtlich Jacques Lacans drei Register des Imaginären – Symbolischen – Realen.

J. Javier Fernández Soriano (Madrid): Thalassa. Ferenczis Versuch einer Genitaltheorie aus Sicht der modernen Biologie

Zusammenfassung: Mit seinem Versuch einer Genitaltheorie wollte Ferenczi eine neue Wissenschaft begründen: die Bioanalyse. Ferenczi widmete diesem Vorhaben zehn Jahre intensiver wissenschaftlicher Arbeit und Reflexion, wobei er sich gleichermaßen auf die Psychoanalyse wie auf Untersuchungen bedeutender Zoologen, Botaniker, Entwicklungsbiologen und Psychozoologen seiner Zeit stützte. Der Autor des vorliegenden Aufsatzes untersucht und diskutiert die wichtigsten Konzepte des Textes im Lichte der aktuellen Biologie. Seiner Ansicht nach können viele von Ferenczis Schlussfolgerungen von der aktuellen Biologie akzeptiert werden, wenn man sich vor Dogmen hütet und angemessene Anpassungen vornimmt. Die bioanalytischen Schlüsse aber, die aus der nicht bewiesenen geologischen Theorie des Eintrocknens der Meere hergeleitet werden, hält der Autor des vorliegenden Artikels für den angreifbarsten Teil von Ferenczis Text.

Alba Gasparino und Agustín Genovés (Buenos Aires/Madrid): Die Wende der Zwanzigerjahre

Zusammenfassung: Die Autoren beschreiben die neuen Konzepte im Zuge der sogenannten »Wende der Zwanzigerjahre« und zeigen, wie Freud und Ferenczi von da an unterschiedliche Wege bezüglich Theorie, Technik und Klinik einschlugen. Diese Unterschiede führten Ferenczi zu neuen Überlegungen hinsichtlich zentraler Themen. Es werden jene Arbeiten detailliert untersucht, die zu wachsender Distanz der beiden Psychoanalytiker und 1932 schließlich fast zum Bruch anlässlich des XII. Kongresses der IPA führten. Dieser hatte seine Ursache in den hier untersuchten Differenzen, welche durch institutionspolitische Konflikte verstärkt wurden.

Raluca Soreanu (Rio de Janeiro/London): Vom Seelenleben der Fragmente Spaltungsprozesse von Ferenczi bis Klein

Zusammenfassung: Der vorliegende Artikel beginnt mit der Feststellung, dass es eine seltsame »phänomenologische Lücke« in der Psychoanalyse gibt, sobald es um Spaltungsprozesse geht und um die Aufgabe, die »Erscheinungswelt« der psychischen Fragmente zu beschreiben, die aus den Spaltungsprozessen entstehen. Es fehlt uns, einfacher ausgedrückt, oft ein genaueres Verständnis dessen, was gespalten wird und wie die Spaltung vor sich geht. Meiner Ansicht nach wird die Arbeit von Melanie Klein zwar oft herangezogen, wenn von Spaltung die Rede ist (vor allem bei der Diskussion über Identifizierung, Projektion und projektive Identifizierung), aber es gibt dennoch einige bedeutende phänomenologische Unklarheiten in ihrem Theoriegebäude. Ich werde zeigen, dass wir zu einem besseren und vollständigeren Verständnis der psychischen Spaltung und der seelischen Welt der daraus entstehenden Fragmente gelangen, wenn wir einen Dialog zwischen Melanie Klein und Sándor Ferenczi in Szene setzen können. Das ist umso bedeutsamer, als es einige noch nicht ausreichend gewürdigte genealogische Zusammenhänge zwischen den Konzepten von Ferenczi und Klein gibt, die ich hier herausarbeiten möchte. Während wir bei Klein im Bereich von »guten« und »bösen« Objekten bleiben – polarisierten Objekten, die immer wieder gespalten und projiziert werden –, sind wir mit Ferenczis Hilfe in der Lage, auch komplizierte Imitationsformen darzustellen, die psychische Fragmente entstehen lassen und mit einer »dunklen« Seite der Identifizierung einhergehen, die er »Identifizierung mit dem Aggressor« nennt. Bei dem Versuch, einen Dialog zwischen Klein und Ferenczi zu imaginieren, fällt mir auf, dass es in einem späten Artikel von Melanie Klein, Über die Entwicklung psychischen Funktionierens von 1958, eine Wendung hin zu Ferenczi gibt. Insbesondere möchte ich ein Licht auf ihre Erwähnung von »furchterregenden Gestalten« der Psyche werfen, welche nicht nur als verfolgende Anteile des Über-Ichs betrachtet werden können, sondern eher als rätselhafte und primitive psychische Fragmente verstanden werden sollten, die aus Spaltungsprozessen stammen.

Luis J. Martín Cabré (Madrid): Die traumatolytische Funktion des Traumes

Zusammenfassung: In seiner Entwicklung einer Theorie des Traumas unterzieht Ferenczi auch die Theorie des Traumes einer neuerlichen Reflexion und beschreibt eine doppelte Funktion. Neben der bekannten der Wunscherfüllung nennt er eine zweite, die er als traumatolytisch bezeichnet und die infolge des besonderen Traumzustands unsymbolisierte, dem Bewusstsein nicht zugängliche Inhalte zu repräsentieren sucht. In der analytischen Übertragungsbeziehung können diese Repräsentanzen affektiv einsichtig werden. Der Autor entwickelt Ferenczis Erkenntnisprozess in dessen Auseinandersetzung mit Freud und seinen klinischen Erfahrungen.

Jacques Press (Genf): Psychosomatische Herausforderungen eines Nahkampfs (corps à corps). Der Blick eines Psychosomatikers auf die Beziehung zwischen Freud und Ferenczi

Zusammenfassung: Der Autor untersucht einige wesentliche Meilensteine von Ferenczis Beiträgen zur Psychosomatik, ausgehend von Introjektion und Übertragung (1909) bis zur Sprachverwirrung zwischen den Erwachsenen und dem Kind (1933). Er zeigt, dass diese Entwicklung untrennbar mit den Wechselfällen der Beziehung zwischen Ferenczi und Freud verbunden ist. Schließlich formuliert er auf der Grundlage seiner klinischen Arbeit die Hypothese, dass Ferenczis latente homosexuelle Verbindung zu Freud eine frühe Problematik in der Beziehung mit dem primären Objekt vernäht haben könnte. Die Verschlechterung ihrer Beziehung hätte dann eine Schwächung dieser Naht bedeuten können und zu Ferenczis psychosomatischem Zusammenbruch beigetragen haben.

Valérie Bouville (Bonn): Schweigen zwischen Schuld und Trauma

Zusammenfassung: Der Aufsatz handelt vom Schweigen, das einer Tat oder einem Trauma folgt, von seinen Gründen und den Auswirkungen auf die Nachkommen der ursprünglich Betroffenen. Anhand der analytischen Behandlung des Enkels eines vermeintlichen Täters aus dem Zweiten Weltkrieg und der analytischen Behandlung der erwachsenen Tochter eines Kriegsflüchtlings zeigt die Autorin ihren analytischen Weg von den Symptomen und der Übertragung-Gegenübertragungs-Dynamik hin zu den hintergründigen Entwicklungsstörungen, die das Schweigen als Ausdruck einer vermiedenen Auseinandersetzung mit Schuldgefühlen zur Folge hat.

Daniel Bischof (Zürich): Repräsentanzen und Traumerleben

Zusammenfassung: Die Repräsentanz ist eine Verdichtung von verschiedenen Elementen wie Triebimpuls, Interpersonalität und idiosynkratischen Wahrnehmungs- und Erlebensformen sowie gesellschaftlichen und kulturellen Faktoren. Sie bildet sich in einem allmählichen Prozess vom einfachen Sinneseindruck zum komplexen Gedanken. Dabei steht am Anfang eine eher magisch-faktische Form im Mittelpunkt, die sich allmählich in eine symbolisch-abstrakte Welt ergiesst. Es werden zwei Umschreibungen im Laufe dieser Entwicklung beschrieben: die eine ist diejenige der Bildgebung, die andere die der Symbolisierung. In der analytischen Auseinandersetzung mit den jeweiligen Ausformungsgraden dieser Entwicklung geht es weniger um eine normative Deutungshoheit des Analytikers, sondern mehr um das subjektive Erleben des Analysanden: Was drückt er oder sie mit ihrer je eigenen Form der seelischen Abbildung eigentlich aus? Dabei geht es nicht so sehr darum, sie in Form einer Zielsetzung zu normieren, sondern sie als subjektiven Entwurf zu eruieren. Die Welt der Repräsentanzen ist Ausdruck dieses Entwurfs. Die wertungsfreie Auseinandersetzung damit erscheint auf diese Weise als Voraussetzung für die Entwicklung einer fruchtbaren analytischen Arbeit. Inhalt und Struktur einer Repräsentanz werden im Traumleben deutlich. Anhand von vier klinischen Beispielen wird gezeigt, wie unterschiedlich sich Repräsentanzen im Traum und vor allem auch in der analytischen Auseinandersetzung zeigen können.

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