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Soeben erschienen

Wie man wird, was man ist

Memoiren eines Psychotherapeuten. Aus dem Amerikanischen von Barbara Bechtolsheim (OT: "Becoming Myself. A Psychiatrist's Memoir")

Details

Verlag btb
Auflage/ Erscheinungsjahr 20.11.2017
Format 21,5 × 13,5 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Hardcover
Seiten/ Spieldauer 448
ISBN 9783442756629

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Soeben erschienen

„Für mich ist einer der unerfreulichsten Aspekte des Todes, daß meine ganze Welt
– also meine Welt der Erinnerungen, diese erfüllte Welt mit all den Menschen,
die mir je begegnet sind, diese scheinbar so in Stein gemeißelte Welt –
mit mir verschwindet, wenn ich sterbe. Zack! Einfach so.“

Irving Yalom

Zu diesem Buch

Sehr persönliche Erinnerungen, geschrieben mit der Offenheit, die ihn als Psychotherapeuten so einzigartig und weltberühmt machten.

Irvin D. Yalom widmete sein Leben dem seelischen Leid anderer, in diesem Buch erzählt er von sich, seinen Wurzeln, den Konflikten und Umbrüchen, die ihn, sein Leben und seine Arbeit geprägt haben. Irvin berichtet von der Kindheit in prekären sozialen Verhältnissen, dem Minderwertigkeitsgefühl in jungen Jahren, der frühen Eigenwilligkeit, aber auch von den Kämpfen der verschiedenen psychotherapeutischen Schulen in den 1960er Jahren, den Anfängen der Studentenrevolte, der Menschenrechts- und Frauenbewegung, Drogen und Esoterik, und auch Berühmtheiten wie Viktor Frankl oder Rollo May kommen zu Wort.

Entstanden ist so das Selbstportrait eines Mannes, der sein Leben im lacanschen Sinn ausschöpft und genießt und dabei Sinn zu füllen vermochte. Wir lesen von ausgelassenen Flitterwochen auf dem Motorrad durch Frankreich und erfahren etwas über seine psychotherapeutische Arbeit mit Krebspatienten. Die Beschäftigung mit dem Thema Tod und das Reflektieren über die eigene Endlichkeit und den Sinn des eigenen Lebens haben Leben und Arbeit dieses Mannes geprägt, der immer bodenständig blieb und sich feite vor der auch in psychoanalytischen Zirkeln zunehmend sich ausbreitenden narzisstischen Aufschäumung.

Textauszug

DIR GEBURT DER EMPATHIE

"Ich wache um drei Uhr morgens aus einem Traum auf, in mein Kissen weinend. Ganz leise, um Marilyn nicht zu stören, verlasse ich das Bett und gehe ins Badezimmer, trockne mir die Augen und befolge den Rat, den ich meinen Patienten seit fünfzig fahren gebe: Schließen Sie die Augen, gehen Sie den Traum noch einmal in Gedanken durch und schreiben Sie auf, was Sie in Erinnerung haben.

Ich bin etwa zehn, vielleicht elf. Ich fahre mit dem Fahrrad einen Hügel hinunter, ganz in der Nähe unseres Hauses. Ich sehe ein Mädchen namens Alice vor ihrem Haus sitzen. Sie scheint etwas älter zu sein als ich, und sie ist hübsch, obwohl ihr Gesicht mit roten Flecken übersät ist. Im Vorbeiradeln rufe ich ihr zu: »Hallo, Masern.« Plötzlich steht ein ziemlich großer und kräftiger Mann vor meinem Fahrrad und stoppt mich, indem er meinen Lenker packt. Ich weiß, dass es der Vater von Alice ist. Er schreit mich an: »He, du, wie immer du auch heißt. Denk doch mal eine Minute nach - wenn du überhaupt denken kannst ~ und beantworte mir eine Frage. Überleg mal, was du gerade zu meiner Tochter gesagt hast, und sag mir nur eins: Wie fühlt sich jetzt wohl Alice?« Ich bin so erschrocken, dass ich nicht antworten kann. »Na los. antworte mir. Du bist der Junge von Bloomingdale (das Lebensmittelgeschäft meines Vaters hieß Bloomingdale Market, und viele Kunden dachten, wir hießen Bloomingdale), und ich wette, du bist ein schlauer Jude. Also los, rate mal, wie Alice sich fühlt, wenn du das zu ihr sagst.« Ich zittere. Mir fehlen vor Angst die Worte. »Ist ja schon gut. Beruhig dich. Ich mach es mal einfach. Sag mir bloß, ob Alice sich nun, nachdem du ihr das gesagt hast, gut oder schlecht fühlt.«

Ich kann gerade noch murmeln: »Weiß ich nicht.« »Kannst wohl nicht klar denken, was? Gut, ich werd dir schon auf die Sprünge helfen. Angenommen, ich würde dich anschauen und mir irgendein unschönes Merkmal von dir ausgucken und immer, wenn ich dich sehe, etwas dazu sagen?« Er mustert mich sehr genau. »Vielleicht ein kleiner Rotz an der Nase? Wie wär's mit >Rotzi<? Dein linkes Ohr ist größer als das rechte. Angenommen ich sage, immer wenn ich dich sehe, >He, Dumpfbacke?< Oder wie wär's mit >Judenbengel?< Na. wie wär das? Wie würde dir das gefallen?« Ich realisiere im Traum, dass ich nicht zum ersten Mal an diesem Haus vorbeifahre, dass ich schon tagelang hier mit dem Rad vorbeikomme und Alice jedes Mal dasselbe zugerufen habe, um ins Gespräch zu kommen, um sie kennenzulernen. Und jedes Mal, wenn ich »Hallo, Masern« gerufen habe, habe ich sie beleidigt, habe ich sie gekränkt. Ich bin entsetzt, wie sehr ich sie dauernd verletzt habe, und darüber, dass mir das überhaupt nicht bewusst war. Als ihr Vater mit mir fertig ist, kommt Alice die Veranda herunter und sagt mit sanfter Stimme: »Möchtest du reinkommen und mit mir spielen?« Sie schaut ihren Vater an. Er nickt.
»Ich fühle mich so schrecklich«, antworte ich. »Ich schäme mich so, ich schäme mich so. Ich kann nicht. Nein, ich kann nicht. (...)«

Inhalt

  • 1 Die Geburt der Empathie 11
  • 2 Auf der Suche nach einem Mentor 15
  • 3 Ich will sie los sein 25
  • 4 Rückbesinnung 29
  • 5 Die Bibliothek, A-Z 39
  • 6 Religiöser Krieg 43
  • 7 Der Spieler 59
  • 8 Eine kurze Geschichte der Wut 65
  • 9 Der rote Tisch 73
  • 10 Bekanntschaft mit Marilyn 83
  • 11 Collegezeit 89
  • 12 Heirat mit Marilyn 105
  • 13 Meine erste psychiatrische Patientin 111
  • 14 Praktikum: Der mysteriöse Dr. Blackwood 117
  • 15 Die Jahre an der Johns Hopkins University 125
  • 16 Ins Paradies versetzt 149
  • 17 Ankommen 163
  • 18 Ein fahr in London 189
  • 19 Das kurze, turbulente Leben der Encountergruppen 201
  • 20 Aufenthalt in Wien 207
  • 21 Jeden Tag ein bisschen näher 217
  • 22 Oxford und die verzauberten Münzen des Herrn Sfica 225
  • 23 Existentielle Therapie 233
  • 24 Mit Rollo May dem Tod gegenüber 247
  • 25 Tod, Freiheit, Isolation und Sinn 257
  • 26 Stationäre Gruppen und Paris 263
  • 27 Reise nach Indien 271
  • 28 Japan, China. Bali und Die Liebe und ihr Henker 287
  • 29 Und Nietzsche weinte 305
  • 30 Die rote Couch 321
  • 31 Die Reise mit Paula 329
  • 32 Wie man Grieche wird 343
  • 33 Der Panama-Hut 353
  • 34 Zwei Jahre mit Schopenhauer 563
  • 35 In die Sonne schauen 369
  • 36 Spätwerke
  • 37 SMS-Therapie 395
  • 38 Mein Leben in Gruppen 401
  • 39 Über Idealisierung 417
  • 40 Novize im Altern 433
  • Dank 446

Der Autor

Irvin D. Yalom wurde 1931 als Sohn russischer Einwanderer in Washington, D.C. geboren. Er gilt als einer der einflussreichsten Psychoanalytiker in den USA und ist vielfach ausgezeichnet. Seine Fachbücher gelten als Klassiker. Seine Romane wurden international zu Bestsellern und zeigen, dass die Psychoanalyse Stoff für die schönsten und aufregendsten Geschichten bietet, wenn man sie nur zu erzählen weiß.

Rezensionen

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