Details

Autor Ahrbeck, Bernd
Verlag Kohlhammer
Auflage/ Erscheinungsjahr 2020
Format 20,5 × 14 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Paperback
Seiten/ Spieldauer 216 Seiten
Gewicht 259
ISBN 9783170369252

Zu diesem Buch

Alte Gewissheiten im Erziehungsgeschehen geraten gegenwärtig arg ins Wanken; selbst die Debatten der 60er- /70er-Jahre über Sinn und Unsinn anti-autoritärer Erziehung muten dagegen überschaubar an. In ideologisch stark aufgeladenen, häufig von einer gutgemeinten politischen Korrektheit geprägten Auffassungen und Ansätzen werden Definitionen und Grenzen aller Art auf nicht selten irritierende Weise infrage gestellt. Etwa jene zwischen den Geschlechtern oder zwischen Behinderung und Nichtbehinderung im Inklusionsdiskurs. Unterschiede zwischen Menschen und auch zwischen ihren Ansichten und Einstellungen scheinen vielen nur noch schwer aushaltbar; ›Null Toleranz‹ lautet vielfach das Motto, denn niemand darf zurückstehen und alle sollte möglichst gleich sein. Dahinter steckt nach Auffasung des Berliner Psychoanalytikers Bernd Ahrbeck der Traum von einem Neubeginn in Egalität und Unschuld: mit einem sich weitgehend selbst konstruierenden Menschen im Blick, der in einer repressionsfreien, von der Last der Vergangenheit befreiten, sich rundum kümmernden und klare Leitlinien aufstellenden Gesellschaft aufwächst. - Nur: Derartige Illusionen halten der Wirklichkeit nicht stand; nicht nur dies: das ihnen eingewobene Verleugnungspotenzial lenkt den Blick auf faktische Ungleichheiten und gesellschaftliche Strukturen, die deren Spaltung weiter vorantreiben und besorgen, ab und verschieben die kritische Analyse vom Kopf in den Bauchraum: Gefühlstümelei und Symbolhandlungen statt Debatte, Diskurs und erkenntnisgeleitetes Handeln.

Erziehung, so Ahrbeck, sei eine anthropologische Notwendigkeit, der damit verknüpfte pädagogische Auftrag lasse sich nicht beliebig relativieren, formschön nach Gusto kneten und entwicklungspsychologische Erkenntnisse sollten die Basis für die kritische Sichtung, Veränderung und Erweiterung derselbsen sein. Radikale Reformwünsche, die von ihren ´Inumlaufbringern` üblicherweise und zu allen Zeiten jeweils als besser, als moralisch erhaben und quasi sakrosankt dargestellt wurden und bis heute werden, haben häufig genug zu schmerzvollen pädagogischen Irrwegen geführt.

Gesellschaftliche Entwicklungs- und Wandlungsprozesse und ihr Ausstrahlen auf neue pädagogische Herangehensweisen und Aufgaben lassen sich besser dann bewältigen, wenn illusionäre Verkennungen vermieden und ideologische Überfrachtungen aufgegeben werden. Nur so kann ein realistisches und zeitgemäßes Bild darüber entstehen, was Eltern, Bezugspersonen, Schule und die Gesellschaft insgesamt heute zum Wohl der Kinder leisten sollten und was sie Kindern ermöglichen an Frei-Räumen geben muß.

Der Autor

Bernd Ahrbeck, Prof. Dr., ist Lehrstuhlinhaber für Psychoanalytische Pädagogik an der Internationalen Psychoanalytischen Universität (IPU-Berlin); zuvor lehrte er an der Humboldt-Universität zu Berlin.

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