Bestelltelefon: 0800 588 78 30

Vom Prothesengott zur Psychoprothese

Über Psychotherapie und Selbstoptimierung

Details

Verlag Psychosozial-Verlag
Auflage/ Erscheinungsjahr 06.2020
Format 20,5 × 12,5 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Paperback
Seiten/ Spieldauer 167 Seiten
Gewicht 211
ISBN 9783837930184

Kauf-Optionen

24,90 €


Merkliste

Zu diesem Buch

Sigmund Freud, Kenner und Liebhaber der deutschen Sprache, kreierte den Begriff „Prothesengott“ und verwendet diesen in seiner Arbeit „Das Unbehangen in der Kultur“ (1930). Freud meint damit jenes zu neuen Ufern, zu Erkenntnis, zu Fortschritten aller Art Drängende im Menschen, das Triebfeder für alles Innovative und Neue ist und mitunter bewirkt, daß er weit über das ihm eigentlich physisch oder kognitiv Mögliche hinauszureichen in der Lage ist: Durch die ´Prothetik-Funktion` der Wissenschaften und der Technik wurden und werden Fähigkeiten ausgeweitet, Möglichkeiten vergrößert, die den Menschen zu Taten und Unternehmungen befähigen, die ihm eigentlich gar nicht möglich sind: Das Fliegen, die Gedächtnis-, Speicher-, Recherche- und Befähigung zur Analyse beliebiger Daten in umfassbarer Menge und Geschwindikeit, Kernspaltung, u.v.a.m. Diese ´übermenschlichen` Fähigkeiten betreffen ebenso auch immer mehr Bereiche im mediznischen Bereich, indem der menschliche Körper repariert oder mit Ersatzpräparaten am Funktionieren gehalten oder überhaupt optimiert wird: Prothetik, In-vitro-Fertilisation, plastische Chirurgie, Gentechnik und Transplantationsmedizin sind Beispiele dafür.

Sigmund Freud hat vielleicht nicht bemerkt, daß seine eigenen Neuerungen auf dem Gebiet des Psychischen ebenfalls der Wunschvorstellung und -erfüllung zuzuordnen sind: Durch eine psychoanalytische ´Hebeltechnik` quasi über die Bande spielen und auf Umwegen (Deutung, psychoanalytische Techniken) so zu Erkenntnissen gelangen, die dem Menschen ´normalerweise` nicht zugänglich, nicht bewußt, sind, entspräche just der gleichen ´Trieb`-Feder. Insofern tragen Psychoanalyse, Psychologie und Psychotherapie auch ihrerseits zur Erweiterung der Prothetik - anders ausgedrückt. zur Selbstoptimierung - bei, wenn sie sich etwa die Verbesserung der Arbeits-, Leistungs- und Liebesfähigkeit, die Stützung des verunsicherten und depressiven Selbst u.s.f. auf die Fahnen geschrieben haben.

Inhalt

  • Präludium
  • Prothetik, Psychotherapie und die Optimierung des Selbst: Seelenklempnerei sowie andere Metaphern und Maßnahmen
  • Der menschliche, allzu menschliche Prothesengott
  • Der smarte Prothesengott im 21. Jahrhundert. Affirmiertes Allmachtbegehren in einer digitalisierten, kommodifizierten Kontrollwelt
  • Polyvalenz des Prothetischen. Donna Jean Haraways Lektüre der Cyborg ›gegen den Strich‹
  • Prothesengott, Psychotherapie und optimierende Psychotechniken
  • Prometheisch-prothetische Psy-Disziplinen im Psycho- und Optimierungsboom
  • Die Attraktivität der Optimierungsbegehren auteronomer Subjekte
  • Psychoprothetik und psychotherapeutisches Handeln
  • Prothetische Psychotherapie. Exemplarische Methoden und Techniken
  • Schlussnotiz und Bilanz
  • Anmerkungen / Literatur.

Der Autor

Jürgen Straub ist seit 2008 Inhaber des Lehrstuhls für Sozialtheorie und Sozialpsychologie in der Fakultät für Sozialwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum. Seit August 2014 ist er Co-Direktor des »Hans Kilian und Lotte Köhler Centrum für sozial- und kulturwissenschaftliche Psychologie und historische Anthropologie«. 2015 wurde ihm der Ernst-Eduard-Boesch-Preis für Kulturpsychologie der Gesellschaft für Kulturpsychologie, 2017 der Höffmann-Wissenschaftspreis für Interkulturelle Kompetenz verliehen. (Stand 2018, Quelle: Psychosozial Vlg)

Rezensionen

Sie sind eingeladen, Ihre Meinung zum Buch, durchaus auch eine vollständige Rezension, an dieser Stelle zu veröffentlichen. Wir behalten uns vor, unpassende Kommentare zu löschen.

  • 1

Der Artikel wurde in den Warenkorb gelegt.

weiterstöbern zum Warenkorb