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Tod und Eros beim Essen

Mit einem Vorwort von Hartmut Böhme

Details

Verlag Athenäum Verlag
Auflage/ Erscheinungsjahr 1987
Format 21,7 × 15 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Paperback
Seiten/ Spieldauer 284 Seiten
Reihe Die weiße Reihe
SFB Artikelnummer (SFB_ID) 3-610-00739-7

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»... in der zunehmend totaleren Verdrängung des Todes vollzieht sich eine unheimliche und unaufhaltsame Vervielfältigung seiner Präsenz. Ihn zu verbannen heißt, ihn dort ahnungslos zu zitieren, wo sein Terrain nicht zu sein scheint - im Essen.«

Hartmut Böhme

Zu diesem Buch

Tod und Eros: Wie in barocker Allegorie sitzen sie personifiziert an der reich gedeckten Tafel.

Das Essen ist längst zum Schauplatz der Katastrophen geworden. Und lange bevor das gesellschaftskritische und ökologische Bewußtsein unserer Tage sich dies albträumen ließ, hatte die Literatur seit der klassisc hen Moderne dafür Gespür und Sprache gefunden, etwa bei Thomas Mann, Marcel Proust, B. Traven, Franz Kafka. Denn um die Jahrhundertwende beginnt das Essen aus der Ordnung der Lüste herauszukippen: Zerstörung, Ekel und Tod sitzen jetzt mit an der Tafel und bedrohen so das nur scheinbar Lebensbejahende – eben Essen und Trinken.

» (…) In der zunehmend totaleren Verdrängung des Todes vollzieht sich eine unheimliche und unaufhaltsame Vervielfältigung seiner Präsenz. Ihn zu verbannen heißt, ihn dort ahnungslos zu zitieren, wo sein Terrain nicht zu sein scheint – im Essen. (…)
Dort, wo das Essen angerichtet, zelebriert, in größter Hast oder beiläufiger Flüchtigkeit eingenommen wird, dort ist der Tod gegenwärtig. Die klassische Verbindung von Eros und Essen, wie sie im 19. Jahrhundert im erotischen Mahl noch gegenwärtig war, weicht einer bestürzenden Vermischung des Todes mit der Nahrungsaufnahme. (...)
Der Eros – dieser fröhliche Beflügeler des Lebens und darum den freuden des sinnlichen mahls allemal nahe – wird eine randfigur, eher kläglicher Zeuge einer Absenz des Sinnlichen und der Lust in diesem elementaren Akt, der allzu naiv als Lebenserhaltung verstanden wird.«

aus dem Vorwort

Aus dem Inhalt

    Der Tod beim Essen

Einleitung

  • Die soziale Bedeutung der Mahlzeit
  • Die Soziologie der Nahrungsaufnahme im 20. Jahrhundert oder die Auflösungsgeschichte der Mahlzeit
  • Literarische Eßszenen
  • Die Soziologie des Todes im 20. Jahrhundert
  • Die Verbindung von Tod und Essen in der Literatur
  • Gastrosophische Utopien
  • Die theoretische Beschäftigung mit dem Körper
  • Zur Schreibweise
  • Zur Textauswahl

Tod als Dekadenz

  • Bröckelnde Stützpunkte im buddenbrookschen Imperium ....
  • Die Folgen der Fassadenkletterei
  • Castorps Jugend als Einübung ins Kurleben
  • Ankunft unterm Zeichen nervöser Vorahnung
  • Die Mahlzeit als Komplizin des Todes
  • Maria Mancini: Oper des Geschmacks
  • Reiz der Indolenz oder die Wollust der Langeweile
  • Vorboten der gesellschaftlichen Agonie oder Das Ende der Koketterie
  • Sensorische Deprivation unterm Deckmantel des Orgiastischen
  • Das lange Ende des Romans und das schnelle Sterben danach
  • Der Bezirkshauptmann und die Einsamkeit durch Vernunft
  • Vor den Vätern sterben die Söhne
  • Der verschwenderische Putz an den Zeichen des Niedergangs
  • Leona und das Ende der kulinarisch-erotischen Verführung

Tod als Erinnerung

  • Das flüchtige Glück der Madeleine
  • Die Gefilde der Melancholie unter den Rockschößen festlicher Mahlzeit

Tod als mythische Herausforderung

  • Das Spiel mit der Magie der Nahrung oder Die unterschätzte Zucht der Kriegermahlzeit
  • Der Bruch des Ritus durch die Individualität der Liebe
  • Genuß als Kunst des Vergessens oder als Wille zur Verdrängung
  • Die Zersplitterung der Subjekte durch den zwanghaften Rausch der Geschwindigkeit
  • Der Balsam einer kultischen Weihe oder Die Idylle eines piqueniques als Hort der Geborgenheit
  • Die Destruktion verbindlicher Normen im Dunkel archaischer Grenzüberschreitung
  • Der Wein als Emanation der Heimat
  • Der Mythos als Wundmal der eigenen Geschichte oder Die bittere Last der Unsterblichkeit
  • Der Tod als Falle des literarischen Mythos' oder Das Gespenst des Vagabunden

Tod als Politik

  • Die Henkersmahlzeit als Lehrmeister der Hingabe
  • Die Speise als Kunstwerk oder Die kulinarische Skulptierung aggressiver Gelüste
  • Die Züchtung faschistischer Krieger durch Chemisierung der Gastronomie

Exkurs: Gier und Ekel als Spiegel authentischen Selbstgefühls

  • Das von Sauce triefende Messer oder Die Ekelhaftigkeit gewisser Beziehungsstrukturen
  • Die folgenreichen Verheerungen eines Grießbreis oder Gier und Ekel als Gefängnis fürs Leben
  • Der Sadomasochismus im Versteck weltumspannenden Ekels oder Der Exhibitionismus existentialistischer Philosophie
  • Der Feigenrausch oder Die befreiende Gewalt der Reflexion

Tod als Utopie

  • Das Zeltdach einer Würstchenbude als Refugium toter Lebender
  • Der blonde Imbiß als vergoldete Misere oder Das kurze Lächeln überm Elend
  • Die Sehnsucht nach dem Glück des Todes
  • Asche auf der Zunge oder Die Probe aufs Modell vom Winterschlaf
  • Die Garküche als Schauplatz rasender Verdrängung
  • Die Schalen monströser Seetiere oder Die Kunst, Angst zu knacken
  • Schwarze und weiße Hände oder Die sprachlose Verkündigung eines zurückeroberten Todes

Tod in Häppchen

  • Die Usurpation von Schneckenhäusern oder Das »Savoir-diner« als Kampfmittel
  • Kalte Gerichte als Spiegel gestörter Beziehungen
  • Die Verwirrtheit des Anselm Kristlein bei Tisch oder Der Esser als Opfer seiner Rollen
  • Der künstliche Geschmack des Wohlstands oder Die perennierende Krankheit als Preis für gesellschaftliche Anerkennung
  • Körper als Schatten oder Die Mahlzeit als Paradigma perfekter Täuschung
  • Der lange Weg von Klößen in den Mundraum oder Die gespenstische Verzerrung der Nahrungsaufnahme durch Bilderfluten
  • Das Fernsehmenü oder Die Auflösung der Synchronisation von Nahrungsaufnahme und visueller Wahrnehmung
  • Fettleibigkeit als monströse Inkarnation sublimierter Liebe
  • Todesraub durch Freßsucht
  • Die Mutter im Bauch oder Die magendliche Halluzination von Welt
    Eros beim Essen

Einleitung

Eros als Wellenreiter

  • Das Verhängnis der Liebe als Unfähigkeit zur erotisch-kulinarischen Ausschweifung oder Das Ende der Verführung durch die Herrschaft des Geldes
  • Nahrung als Auge oder Souveränität durch Beschmutzung
  • Das Faible für gegrillte Hammelnieren oder Die Ambivalenz gegenüber der sexuellen Gier
  • Die Freßgier der Frau als sexuelles Versprechen für den Mann
  • Die Mystifizierung hedonistischer Gesinnung oder Die Mästung
    des Mannes als Ersatz fürs Vorspiel
  • Die bedrückende Alltäglichkeit kulinarisch-erotischer Verbindungslinien oder Die Referenzlosigkeit der Sehnsucht

Lieferbarkeitshinweis

Bei der SFB als verlagsfrischer Archivbestand mit gfs. minimalen Lagerspuren zum Angebotspreis; beim Verlag vergriffen.

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