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Tod – Hass – Sprache. Psychoanalytisch

Details

Verlag Turia + Kant
Auflage/ Erscheinungsjahr 03.2017
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Paperback
Seiten/ Spieldauer 239 Seiten
ISBN 9783851328639

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28,00 €


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Zu diesem Buch

Dieses Buch umkreist zwei Thesen. Die erste lautet: Mit der Entstehung des psychischen Apparats entsteht auch eine Tendenz, die sich gegen diesen richtet. Das psychische Leben trägt eine tödliche Tendenz in sich und ist ohne diese nicht zu haben.

Die zweite These lautet: Freud hat die Voraussetzungen geschaffen für ein Verständnis des Hasses, das diesen weder als Gegenstück der Liebe noch als Ausdruck naturgegebener Aggressivität sieht, sondern seine Entstehung an die Entstehung der menschlichen Sprache knüpft. Das Buch entfaltet Einsichten in die Verkoppelung von Hass und Sprachlichkeit, Repräsentation und sozialer Bindung und versucht auf diesem Hintergrund, Phänomene der menschlichen Destruktivität in ihrer menschlichen Spezifität begreifbar zu machen.

»Das vorliegende Buch umkreist zwei Themen, die alle Menschen in ihrer alltäglichen Praxis auch alle Psychoanalytiker und Psychoanalytikerinnen beschäftigen und die dennoch selten vertieft werden. Es geht um unser Verhältnis zu Tod und zu Hass und Destruktivität. In über drei Jahrzehnten Berufspraxis und in über drei Jahrzehnten Freud- und Lacanlektüre haben sich bei mir dazu zwei Thesen festgesetzt und verdichtet, die ich für relevant genug halte, um sie mitzuteilen.

Die erste der beiden Thesen lautet: Mit der Entstehung des psychischen Apparats, wie Freud ihn auffasst, entsteht untrennbar auch eine Tendenz, die sich gegen diesen richtet. Das psychische Leben trägt eine tödliche Tendenz in sich und ist ohne diese nicht zu haben. Einmal auf diese Spur aufmerksam geworden, war es für mich doch erstaunlich festzustellen, wie vieles, häufig beinahe unbemerkt, in Freuds Werk um den Tod kreist. Die epochale, späte Entdeckung des Todestriebes ist nicht der Anfang und umfasst nicht alles, auch wenn sie sicher vieles von Freuds Denken über den Tod auf den Punkt bringt. Aus dieser Perspektive halte ich es für unmöglich, den Todestrieb als verzichtbaren Bestandteil der Freudschen Psychoanalyse aufzufassen. Ich glaube im Gegenteil, dass der Gedanke des Todestriebes nicht als späte Neuerfindung zu Freuds Werk hinzutritt, sondern dass dieser Gedanke die Spur des Todes, die von allem Anfang an in seinem Werk da ist, aufnimmt und lesbar macht. Ich halte auch am Begriff Todestrieb fest, weil er mir geeignet scheint, etwas von der Tendenz, die im Psychischen gegen das Psychische arbeitet, fassen zu können. Dies entgegen einer verkürzenden Lesart, die wir bei Freud auch finden können, wenn er - zum Beispiel in Das Unbehagen in der Kultur - versucht, den Todestrieb als »Destrudo« zu lesen und Destruktivität, der Aggression gleich, als schlicht naturgegebene Kraft aufzufassen.

Darauf, nicht zuletzt, antwortet meine zweite These, die ich erst auf dem Hintergrund der ersten aufstellen konnte und die teilweise von dieser abgeleitet ist. Sie lautet: Freud hat die Grundlagen gelegt für ein Verständnis des Hasses, das diesen nicht als Gegenstück der Liebe sieht, sondern ihn diesseits dieser Verbindung an die grundlegendsten Komponenten des psychischen Apparates selbst koppelt, an die Sprachlichkeit und die Repräsentation. Die Entstehung der menschlichen Sprache und die Entstehung des Hasses gehören in bestimmter Weise zusammen. Damit wird der Weg frei für ein Verständnis von Phänomenen der menschlichen Destruktivität, das ihre Spezifität, menschliche Phänomene zu sein, herausstreicht und sie als Phänomene begreifen kann, die das Psychische selbst gebiert. Sie sind darum aus diesem auch nicht wegzudenken und nicht nur reaktiv, im Sinne des Selbstschutzes, zu verstehen. Der Mensch, so sagt Freud, ist »nicht ein sanftes, liebebedürftiges Wesen [...], das sich höchstens, wenn angegriffen, auch zu verteidigen vermag«. (1930a, GW XIV, 470) Indes wäre es, meines Erachtens, eine Sackgasse, dies einfach als naturgegeben auffassen zu wollen, denn so Hesse sich die qualitative Differenz von menschlicher Destruktivität und tierischer Aggression nicht erfassen. Ich versuche, in diesem Buch einen anderen Weg zu gehen, und Todestrieb und Hass aus der Entstehung des psychischen Apparates selbst herzuleiten, also aus dem, was für uns Menschen spezifisch ist und qualitativ andere Gesetzmässigkeiten einführt, als sie für das tierische Verhalten gelten.«

Aus der Einleitung des Autors

Aus dem Inhalt

Teil I

  1. Den eigenen Tod nicht kennen
  2. Unsterblichkeit
  3. Urverleugnung
  4. Kinder 
  5. Schatten der odysseischen Unterwelt
  6. Wahrnehmungsidentität
  7. Anorganisch 
  8. Das Tote im Leben
  9. Steine
  10. Glauben
  11. Im Ei
  12. Sich von der Medusa abwenden

Teil II

  1. Hass und Sprache
  2. Aufschub
  3. Der Sprung - Medea
  4. Hass und das soziale Band 
  5. Grausame Liebe
  6. Vergänglichkeit und Ersetzbarkeit
  7. Das Verderben abwenden
  8. Rom

Über den Autor

Christian Kläui ist Psychiater, Psychoanalytiker und Supervisor in Basel. Neben vielen Aufsätzen zu Theorie und Technik der Psychoanalyse hat er das Buch »Psychoanalytisches Arbeiten. Für eine Theorie der Praxis« veröffentlicht. Er war langjähriger Mitherausgeber der Zeitschrift »RISS« (Verlag Turia + Kant).

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