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09.2021, vorbestellbar

Seelischer Schmerz bei Kindern und Jugendlichen

Psychoanalytisch-psychotherapeutische Perspektiven

Details

Verlag Brandes & Apsel
Auflage/ Erscheinungsjahr 09.2021
Format 24 × 17 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Hardcover
Seiten/ Spieldauer 184 Seiten
ISBN 9783955583170

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24,90 €


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Zu diesem Buch

Psychische Entwicklung ist mit Loslassen und Neuergreifen, mit Verlustschmerz und Funktionslust verknüpft. Frustration und Trennung sind meist mit seelischem Schmerz verbunden. Seelischer Schmerz wird im Gehirn gleich repräsentiert wie körperlicher und kann auch unter dem Aspekt eines oft die jeweiligen Toleranzgrenzen überschreitenden Stress betrachtet werden. Somit ist der Umgang mit Seelenschmerz zentral für eine möglichst konfliktfreies Voranschreiten des Entwicklungsprozesses von Kindern und Jugendlichen. Bei Wegfall äußerer Schutzgaranten (z. B. der primären Bezugspersonen) ist das Kind nur noch auf seine inneren Abwehren angewiesen, um schmerzliche Zustände erträglicher zu machen. Je nach der Bearbeitung wird dieser Abwehrprozess mit unterschiedlich störenden Symptomen »bezahlt«.

Die psychoanalytischen, allgemein- und neuropsychologischen Aspekte des seelischen Schmer-zes werden erörtert und dann an Beispielen von Gesprächen und/oder supervidierten psycho-analytischen Psychotherapien exemplifiziert. Dabei wird von einer größeren Zahl expliziter Grundannahmen ausgegangen. Zu diesen gehört z. B., dass in Übertragungs-/Gegenübertragungs-Bewegungen im analytischtherapeutischen Prozess mehr oder weniger gut repräsentierte, trau-matische Konvolute archaischer Beziehungsrepräsentanzen reaktiviert werden. Durch ein entsprechend angemessenes Aufnehmen (Containment) und eine sorgfältige Transformation in sprachliche Elemente besteht im dialogischen Ablauf zwischen den beiden Protagonisten die Möglichkeit, neue Beziehungserfahrungen mit einer parallel ablaufenden partiellen Umgestal-tung solcher archaischer oder auch entwickelterer Repräsentanzen zu machen.

Im psychotherapeutischen Prozess gilt es, dem Kind (und den Eltern) zu helfen, ihre schmerz-lichen Erfahrungen und den damit verknüpften Stress wahrzunehmen, ihn auf ein erträgliches Niveau zu reduzieren und die Trauerarbeit schon von Kleinkindern, aber durchaus auch weiter bis zur Adoleszenz, bei Verlusten so in Gang zu bringen, dass möglichst keine pathologische Trauer entsteht. Die bisher nicht integrierten, affektiven Erfahrungen der Vergangenheit werden, einge-schrieben in die analytisch-psychotherapeutische Beziehung, in der Gegenwart dem Bewusstsein zugeführt, in irgendeiner Form wiederempfunden und in eine Zeitfolge wie auch eine persönliche Geschichte integriert. Das spielerische und durch die therapeutischen Interventionen der Sprache zugeführte Durcharbeiten erleichtert die Integrationsarbeit.

Inhalt

1. Seelischer Schmerz

  • 1.1 Schmerz bei Sigmund Freud
  • 1.2 Schmerz und Tränen
  • 1.3 Seelenschmerz und Verlust
  • 1.4 Seelenschmerz und Abwehr
  • 1.5 Seelenschmerz und Entwicklung
  • 1.6 Schmerz und Frustration/Privation bzw. Deprivation
  • 1.7 Schmerz und Trennung
  • 1.8 Schmerz, Ich-Entwicklung und Objektbeziehung
  • 1.9 Schmerz und Beziehungsentwicklung
  • 1.10 Anmerkungen zum Masochismus
  • 1.11 Schmerzdiagnostik und Kreativität

2. Neurobiologische Aspekte

  • 2.1 Übersicht
  • 2.2 Schmerz- und Stressverarbeitung
  • 2.3 Schmerz und Trennungsdysstress
  • 2.4 Schmerz und Bindung bzw. Trennung
  • 2.5 Schmerz und psychisches Trauma
  • 2.6 Schmerz und posttraumatische Belastungsstörung
  • 2.7 Schmerz und Epigenetik

3. Zur Schmerzempfindung von Säuglingen und Kindern

  • 3.1 Empfinden Säuglinge Schmerz?
  • 3.2 Schmerzempfindung nach frühen, körperlichen Traumatisierungen
  • 3.3 Die Kinder- und Jugend-Gesundheitskommission

4. Grundannahmen

  • 4.1 Grundannahmen zur Schmerzdynamik
  • 4.2 In diesem Buch gehen wir von den folgenden expliziten Grundannahmen aus

Exkurs - Ein Märchen: Die Erbsenprobe (Prinzessin auf der Erbse)

5. Vignetten aus Lebensgeschichten von Kindern und Jugendlichen

  • 5.1 Schmerz bei einem dreijährigen, mutistischen Mädchen: Sarah
  • 5.2 Schmerz bei »Entwicklungsretardation« eines vier Jahre und drei Monate alten Knaben: Matthias
  • 5.3 Schmerz bei mehrfachen Trennungen (somatische Abklärungs-untersuchungen in der frühen Kindheit): Chiara
  • 5.4 Schmerz eines polytraumatisierten Latenzkindes: Luca
  • 5.5 Schmerz bei Misshandlung: Rana
  • 5.6 Schmerz bei traumatischem Objektverlust (ermordeter Vater): Ruben und Lea
  • 5.7 Schmerz bei der Lüftung eines Familiengeheimnisses: Sophia
  • 5.8 Schmerz bei Retraumatisierung: Ruth
  • 5.9 Schmerz bei Fremdplatzierung, Broken-Home-Situation, Parentifizierung und ungünstiger Schulsituation: Rudolf
  • 5.10 Schmerz bei einem Kind, dessen Mutter an einer Schizophrenie erkrankte. Raphael
  • 5.11 Schmerz eines Jugendlichen über den Verlust seiner an AIDS erkrankten Mutter in der Kindheit: Alexander
  • 5.12 Schmerz bei Adoption: Jan
  • 5.13 Schmerz bei einer von einer schweren somatischen Behinderung betroffenen Jugendlichen: Katherine
  • 5.14 Schmerz beim Individuationsprozess einer Adoleszenten von ihrer Zwillingsschwester: Tamara
  • 5.15 Schmerz bei Dissozialität eines 17-jährigen, multipel traumatisierten Adoleszenten: Oskar

6. Durch schmerzliche Grunderfahrungen gekennzeichnete Eltern-Kind-Beziehungskonstellationen

  • 6.1 Elternschaft
  • 6.2 Eltern mit traumatischen Erfahrungen in der Kindheit
  • 6.3 Eltern mit nicht vollzogener Trauerarbeit bei Verlust einer ihnen wichtigen Person
  • 6.4 Eltern, die ein Kind verloren haben
  • 6.5 Eltern mit Migrationshintergrund
  • 6.6 Eltern mit schwerer psychischer oder somatischer Krankheit
  • 6.7 Analytisch-psychotherapeutische Aspekte der Arbeit mit Eltern

7. Zur Psychotherapie

8. Literatur

Die AutorInnen

Dieter Bürgin, Prof. em. Dr. med., emeritierter Ordinarius der Universität Basel und langjähriger Chefarzt der kinder- und jugendpsychiatrischen Universitätsklinik und Poliklinik Basel. Ausbildungsanalytiker der Schweizerischen Gesellschaft für Psychoanalyse (SGPsa/ IPA). Er arbeitet in eigener psychoanalytischer Praxis.

Barbara Steck, Priv. Doz. Dr. med., war viele Jahre Oberärztin an der kinder- und jugendpsychiatrischen Universitätsklinik und Poliklinik Basel. Sie verfügt über eine breite psychoanalytische und familientherapeutische Ausbildung und arbeitet in freier Praxis.

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