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Psychoanalytische Schulen im Gespräch über die Konzepte Wilfred R. Bions

Details

Verlag Psychosozial-Verlag
Auflage/ Erscheinungsjahr 03.2018
Format 21 × 14,8 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Hardcover
Seiten/ Spieldauer 401 Seiten
Reihe Bibliothek der Psychoanalyse
ISBN 9783837927771

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44,90 €


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Zu diesem Buch

Wolfgang Mertens demonstriert, warum Wilfred R. Bions Konzepte für die Gegenwart der psychoanalytischen Arbeit relevant und seine Ideen schulenübergreifend bedeutend sind. Der Autor stellt Bion als Wegweiser der Psychoanalyse im 21. Jahrhundert vor: Seine Erkenntnisse korrespondieren in erstaunlich hohem Maße mit vielen gegenwärtigen psychoanalytischen, aber auch interdisziplinären Befunden aus Theorie und Praxis.

In fiktiven Dialogen mit VertreterInnen verschiedener psychoanalytischer Denktraditionen werden Bions Modelle und Hypothesen lebendig diskutiert. Zur Debatte stehen dabei unter anderem Konzepte wie Containing, Reverie, projektive Identifizierung und negative capability. Der Gesprächscharakter des Buches illustriert anschaulich gegenwärtige Diskurse innerhalb der pluralen psychoanalytischen Community und angrenzender Disziplinen. Mertens verknüpft Bions Ideen mit neuesten interdisziplinären Befunden, nimmt Konzeptvergleiche vor und trägt so zu einem fundierten Verständnis für Bions Werk bei.

Aus der Einleitung des Autors

"In diesem Band über die Diskussion der wichtigsten Konzepte von Bion wird ein weiterer Versuch unternommen, Metaphern und Konzepte mit anderen Richtungen der Psychoanalyse in einigen zentralen Punkten zu vergleichen. Damit wird ein - allerdings noch kleiner - Schritt in Richtung auf eine komparative Psychoanalyse unternommen, deren gründliche Erarbeitung eine Herausforderung für eine zukünftige Psychoanalyse darstellt.

Nach einem tabellarischen Uberblick über Bions Leben und Werk werden die wichtigsten Grundlagen wie behandlungspraktisches Vorgehen, klinische Metaphern, Konstruiere, Modelle der Psyche sowie metapsychologische Konzepte skizziert; anschließend findet ein fiktiver Dialog mit Bion über einige ausgewählte Fragestellungen statt. Schwerpunktmäßig hat dabei der Vertreter der angesprochenen Richtung, in diesem Fall der an Bion orientierte Psychoanalytiker, das Sagen. Natürlich sind die Unterscheidungen zwischen den einzelnen Schulen bzw. Autoren vor allem in der Praxis häufig nicht sehr trennscharf und auch innerhalb der jeweiligen Strömungen gibt es je nach Autor verschiedene Nuancen. Ebenso stellen die programmatisch aufgelisteten behandlungstechnischen Empfehlungen in dem tabellarischen Uberblick lediglich eine Veranschaulichung dar und sind nicht als »Manualisierung« misszuverstehen.

Die heutige Psychoanalyse stellt sich als eine plurale Ansammlung von unterschiedlichen Metaphern und Konzepten dar. Eigentlich zeichnete sie sich auch schon zu Freuds Zeiten dadurch aus, dass sich ihre Hypothesen über das Zustandekommen klinischer Phänomene ständig vermehrten und sich auch die Behandlungsoptionen mehr und mehr diversifizierten. Freud sah sich deshalb auch bald genötigt, sogenannte Shibboleths zu benennen, deren Befolgung den genuinen Psychoanalytiker ausmache. Kollegen, die sich nicht daran hielten, wie z.B. Otto Rank, Alfred Adler oder Carl Gustav Jung, wurde die Berechtigung abgesprochen, sich Psychoanalytiker nennen zu dürfen (Wirth, 2007).

Aufgrund dieses Zwangs zur Gruppen- und Identitätsbildung gelang es für ein paar Jahrzehnte, eine scheinbar kohärente Psychoanalyse zu konstituieren. Bis in die 1960er und 1970er Jahre hinein hatte es überwiegend nur die Mainstream-Psy­choanalyse gegeben. Zwar fanden in London während des Zweiten Weltkriegs die berühmten »Controversiai discussions« zwischen Anna Freud (»Wiener Schule«) und Melanie Klein sowie ihren Anhängern (wie Susan Isaacs, Paula Heimann, Joan Rivicrc, Roger Moncy-Kyrlc) statt, doch die Psychoanalyse hatte sich in dieser Zeit - bedingt durch den Exodus deutscher und Österreichischer Psychoanalytiker - weit­gehend in Nordamerika etabliert und konsolidiert (Kirshner, 2000).

Über 30 Jahre definierte die nordamerikanische Ichpsychologic der Hartmann-Ära (siehe z. B. May, 2003; Wallerstein, 2001) das, was legitimer weise unter Psychoanalyse in der Nachfolge von Sigmund und Anna Freud sowie der in New York täti­gen und zumeist aus Europa emigrierten Psychoanalytiker zu verstehen ist. Hierzu gehörten vor allem die Übcrtragungs- und Widerstandsanalysc und ein archäolo­gisches sowie detektivisches Verständnis. Davon abweichende Auffassungen und Neuerungen, wie z. B. die Neo-Psychoanalyse von Karen Horney, Erich Fromm und Harry Stack Sullivan, die sehr viel stärker den Einfluss gesellschaftlicher Faktoren be­tonten, wurden als unpsychoanalytisch zurückgewiesen und mussten eigene Gesell­schaften und Zeitschriften gründen.

Auch die Selbstpsychologie von Heinz Kohut war anfänglich keineswegs als Bereicherung willkommen, sondern wurde eher als Selbstwert und Anerkennung vermittelnde und die Konfrontation mit Selbsttäu­schungen vermeidende Psychotherapie eingestuft, die somit weit von dem psycho­analytischen Ideal, unbewusste Abwehrmechanismen bewusst zu machen, Konflikte aufzudecken und sich einer oftmals schmerzlichen Wahrheit anzunähern, entfernt war. Aber nach und nach wurden die bislang eher ängstlich gezogenen Grenzen aufgelockert. Vielleicht geschah dies aufgrund des großen Erfolgs, den die Psycho­analyse in den USA bis dahin erfahren hatte, und der damit einhergehenden gesellschaftlichen Anerkennung, vielleicht aber auch aufgrund der drohenden Wolken, die bereits in Gestalt konkurrierender Thcrapieverfahren und der pharmakotherapeutischen Behandlung am Horizont aufzogen. Diverse Richtungen, wie britische und amerikanische Objektbeziehungstheorien, Selbstpsychologie und Post-Selbstpsychologie, südamerikanische Feldtheorie, interpersonelle und relationale Psy­choanalyse, französische Psychoanalyse, Bindungstheoric und Säuglingsforschung, wurden nun als Zuflüsse zu dem Mainstream der nordamerikanischen Psychoanalyse zugelassen. Dieser Zustand machte innerhalb weniger Jahre deutlich, dass es nun in den USA keine für alle Psychoanalytiker verbindliche Theoriespräche und Bchandlungspraxis mehr geben konnte. (...)"

Inhalt

  1. Einleitung
  2. Alpha- und Beta-Elemente
  3. Container-Contained
  4. Reverie
  5. Projektive Identifizierung
  6. Paranoid-schizoide <-> depressive Position
  7. Denken
  8. Wissen, Wissenstrieb, K, -K
  9. Traum
  10. Ohne Erinnerung, ohne Wunsch - ausgewählte Tatsache
  11. Negative capability
  12. Angriffe auf Verbindungen
  13. Kontaktschranke
  14. Caesura
  15. »O«
  16. Gruppe: Grundannahmen - Arbeitsgruppe
  17. Grid-Raster Literatur Personenregister

Rezensionen

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