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Bürgin, Dieter (Hg.)

Psychoanalytische Grundannahmen

Vom analytischen Hören im klinischen Dialog

Details

Verlag Brandes & Apsel
Auflage/ Erscheinungsjahr 05. 2020
Format 23,5 × 15,5 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Paperback
ISBN 9783955582807

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19,90 €


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Zu diesem Buch

Die psychoanalytische Erforschung der Grundannahmen aller am Therapieprozess Beteiligter wirft ein neues Licht auf die Wirkungsweisen oder auch Missverständnisse in einer Psycho­therapie. Bürgin und seine Co-Autorinnen gelangen zu der Erkenntnis, dass man ohne Grundannahmen nicht denken kann und deren Verschiedenheit Toleranz fördert und den Therapieprozess intensiviert.

Es handelt sich bei Grundannahmen um explizite und implizite Überzeugungen von jedem Einzelnen, welche wegleitend sind für die Vorgänge des Hörens, Verstehens, Abschätzens, Einordnens, Antizipierens und Regulierens sind, denn das analytische Hören wird durch die Grundannahmen des Analytikers wie auch des Patienten mitgestaltet.

Diese unterschiedlichen Arten des Hörens und Verstehens wurden im Gruppendiskurs herausgearbeitet und dargestellt. Im psychoanalytischen Konzeptualisieren bleibt kein Raum frei ohne Grundannahmen. Grundannahmen schaffen so eine gewisse Stabilität, aber auch Einengung. Sie lassen sich entwickeln und hinterfragen und verändern sich in Abhängigkeit von der jeweiligen therapeutischen Beziehung und der Qualität des Dialogs.

Aus der Einleitung

"Gemeinsames Denken macht glücklich! - Es gehört zu den Erfahrungen der meisten Analytiker, dass ein Bericht über eine analytische Behandlung auf sehr verschiedene Art und Weise aufgenommen und auf Grund der verwendeten Konzepte unterschiedlich aktualisiert werden kann.

Wird das »Material« kleinianisch, bionianisch, freudianisch oder irgendeiner anderen Schule folgend verstanden, so entstehen daraus unterschiedliche Arten des Verstehens und entsprechend verschiedenartige technische Vorgehensweisen. Warum ist das so? Das metapsychologische Theoriegebäude der Psychoanalyse hat sich im Verlaufe der letzten 100 Jahre einerseits vereinheitlicht, andererseits aber auch - den bewussten und noch viel stärker unbewussten Grundannahmen ihrer Vertreterinnen und Vertreter folgend - in vielfachen Verästelungen differenziert. Die unbewussten Grundannahmen entstehen aus dem Kern der Persönlichkeit, sind gleichsam die Pfeiler, welche die Denkvorgänge des Primär- und des Sekundärprozesses und damit auch die Art der gesamten Affekte und Phantasmen eines Individuums tragen. Sie zeigen sich in basalen, zumeist nicht weiter hinterfragten Überzeugungen, welche wegleitend für die Vorgänge des Verstehens, Abschätzens, Einordnens, Antizipierens und Regulierens sind. Ein kleiner Teil davon wird uns beim Reflektieren oder nach entsprechenden Vorgängen bewusst zugänglich. Wir bezeichnen das meistens mit Sätzen wie: »Ich sehe dies einfach so!«, »Meiner Ansicht nach ist dies so oder so!«, »Ich bin der Überzeugung, dass ...« oder »Ich kann nicht anders als ...«.

Ein kleiner Teil der eigenen unbewussten Grundannahmen wird uns während des Prozesses der eigenen Analyse bewusst und deutlich. Ein weiterer Teil drängt während der existenziellen Vorgänge des eigenen Lebens in Richtung Bewusstsein und damit zur subjektiven Wahrnehmung. Der größte Teil aber bleibt, wie ein Hintergrundprogramm, konstant aktiv, kann mit dem »dream screen« von Lewin (1953) verglichen werden, wirkt auf sämtliche intrapsychischen und interpersonalen Abläufe eines Individuums oder einer Gruppe bestimmend ein und wird - vergleichbar mit einem gut funktionierenden Organ - ohne spezifisches Nachdenken - kaum wahrnehmbar. Ein Satz wie der vorangegangene kann als Quintessenz vieler Erfahrungen und Wahrnehmungen verstanden werden. Er enthält aber in unvermeidbarer Weise auch eine Vielzahl von Grundannahmen des Schreibenden und, sollte er gelesen werden, auch der lesenden Person. In den von H. Faimberg gegründeten Gruppen' wird versucht, klinisches Material daraufhin zu explorieren, nach welchen Grundannahmen jedes der Gruppenmitglieder die vorgestellten klinischen Episoden versteht, welche Hypothesen über die Grundannahmen der vorstellenden Person bei jedem Einzelnen entstehen, welche Grundannahmen in den Aussagen des jeweiligen Patienten enthalten sein könnten und, schließlich, welche Grundannahmen jedes Gruppenmitglied über die Interventionen der anderen Gruppenmitglieder und deren potenzielle Grundannahmen entwickelt. Bei solchen Diskussionen kommen die Teilnehmenden nicht darum herum, dass ein Teil ihres selbstverständlichen, gesicherten, theoretischen Wissens in Frage gestellt wird. Sie finden allmählich zu einer Grundannahme, dass niemand »die Wahrheit« besitzt, die Exploration der basalen Elemente des Denkens, Fühlens und Wollens eines Gegenübers nicht nur interessant ist, sondern, in der Konfrontationen mit der Andersartigkeit des Anderen, das Eigene nur umso deutlicher macht."

Inhalt

1. Einleitung

2. Grundannahmen 2.1 Grundannahmen und Individuum / 2.2 Grundannahmen und behandlungstechnische Fragen / 2.3 Grundannahmen und Gesellschaftsordnungen / 2.4 Grundannahmen und Gruppe.

3. Das Interview (Simone, 7 Jahre und 7 Monate alt)

4. Anamnestische Angaben und Verlaufsdaten der Hospitalisation: 4.1 Familienanamnese 4.2 Persönliche Anamnese

5. Kommentare der Gruppenteilnehmerinnen und des -teilnehmers: 5.1 Kommentar 1 (Dieter Bürgin) / 5.1.1 Anmerkungen zum Gebrauch von »Squiggles«  7 5.1.2 Anmerkungen zu Grundannahmen und unbewussten Phantasien / 5.1.3 Das Interview / 5.1.4 Das Spiel mit den Plüschtierchen / 5.1.5 Abschließende Bemerkungen.

5.2 Kommentar 2 (Anna Wyler von Ballmoos) / 5.2.1 Einleitende Bemerkungen / 5.2.2 Zum Interview 5.2.3 Squiggles / 5.2.4 Spiel mit den Plüschtieren / 5.2.5 Abschließende Bemerkungen / 5.3 Kommentar 3 (Kerstin Westhoff) / 5.3.1 Einleitende Bemerkungen / 5.3.2 Stundenverlauf / 5.3.3 Nachlese / 5.4 Kommentar 4 (Angelika Staehle) / 5.4.1 Explizite Grundannahmen für die psychoanalytische Situation / 5.4.2 Implizite Grundannahmen / 5.4.3 Mein Hören und meine Sichtweise des Interviews mit Simone / 5.4.4 Squiggles / 5.4.5 Fortsetzung der Geschichte mit den realen Spiel-Tieren im Raum.

6. Diskussion und Erfahrungen aus der Arbeitsweise der Gruppe

7. Zusammenfassung

Literatur / Kritzel / Stichwortverzeichnis.

Der Herausgeber

Dieter Bürgin, Prof. em. Dr. med., Psychoanalytiker in eigener Praxis (Ausbildungsanalytiker SGPsa/IPA), Facharzt für Kinder- und Jugend-Psychiatrie und -Psycho-therapie, 35 Jahre Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Universitätsklinik und -poliklinik Basel; em. Ordinarius der Universität Basel; zahlreiche nationale und internationale Zeitschriften- und Buchveröffentlichungen. Bei Brandes & Apsel: Gilgamesch – eine verlorene Illusion? Psychoanalytische und anthropo­logische Betrachtungen (2019) sowie Beiträge im Jahrbuch der Kinder- und Jugend­lichen-Psychoanalyse.

Rezensionen

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